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Foodporn-Doku: "Ottolenghi und die Versuchungen von Versailles"

Starkoch Yotam Ottolenghi rekrutiert ein internationales Team, um dekadente Süßteil-Exzesse bei einem Event im New Yorker Metropolitan Museum of Art aufzutischen – Filmemacherin Laura Gabbert war dabei.


Koch- und Backguru Yotam Ottolenghi bekommt den Auftrag, ein extravagantes Dessert-Buffet zu kreieren (Bild: MFA+)
  • Von Peter Fuchs
    21. Oktober 2021, 06:11h, noch kein Kommentar

Im Juni 2018 veranstaltete das Metropolitan Museum of Art ein "Fest von Versailles". Dafür koordinierte der israelisch-britische Starkoch Yotam Ottolenghi ein internationales Team renommierter Konditor*innen, damit diese ein prachtvolles Schaulaufen ausgefallener Süßteile zaubern. Eine Kamera begleitete Ottolenghi von Anfang an, das Ergebnis ist nun in einer Doku zu sehen.

Wieso eignet sich Ottolenghi für diesen Job? Yotam Ottolenghi ist studierter Philosoph und ein charmanter Plauderer. Der Chefkoch, Patissier und Geschäftsmann gilt als wortgewandt und gebildet. Er lacht viel und schreibt mit vegetarischen Kochbüchern Bestseller. Detail am Rande: 2013 outete er sich im britischen "The Guardian" in einem lesenswerten Artikel als schwuler Vater. Heute lebt er mit seinem Mann Karl und den zwei Kindern in einem Haus in London.

Dekadenz und Luxus

"Ottolenghi und die Versuchungen von Versailles" ist wie ein auf Dekadenz und Luxus getrimmtes "The Great British Bake Off". Die eingeladenen Feinbäcker*innen entwickelten ihre kreativen Ideen zum Thema Versailles mit zeitgenössischem Zugang und hatten vor Ort zwei Tage Zeit, sie in die Tat umzusetzen. Da wird dann stylish die Parkanlage mit Schokolade und buntem Fondant nachgebildet oder eine gestufte Mousse-Torte gebaut, die architektonische Details der Schlossfassade plastisch zeigt. Witzig wackelnde Gelee-Paläste umstehen einen Whirlpool-Brunnen, von dem ein Cocktail gezapft werden kann, daneben kunstfertiges Kleingebäck in Schwanenform mit exquisiter Füllung.


Anstoßen nach getaner Arbeit: Yotam Ottolenghi (m.) mit Kolleg*innen (Bild: MFA+)

Ottolenghi plaudert zwischendurch fachlich sympathisch mit den Teilnehmer*innen über die kulinarische Aufgabe und stellt sie dabei auch ein wenig vor. Darunter das britisch exaltierte Gelee-Duo Sam Bompas und Harry Parr, die sich Architekten des Geschmacks nennen. Oder die Ukrainerin Dinara Kasko, die mal als Architektin gearbeitet hatte, bevor sie sich hauptberuflich dem Hobby Backen widmete. Sie ist berühmt für ihre selbst entworfenen Kuchenformen, die sie im 3-D-Drucker herstellt. Mit dabei auch der Franzose Dominique Ansel, vor dessen Shop im New Yorker Soho die Menschen wegen seiner Cronuts Schlange stehen. Cronuts sind Donuts, die aus feinstem frittierten Croissantteig bestehen. Ansel verkauft pro Tag nie mehr als 300 Stück, egal wie lang die Schlange ist.

Versailles als "Jurassic Park"

In Gesprächen mit Historiker*innen des Museums geht es um das Versailles im 18. Jahrhundert mit den kulinarischen Exzesse am Hof und nur ganz kurz um die Frage, was während der Französischen Revolution aus den Bewohner*innen des Schlosses wurde. Erst auf der Veranstaltung selbst spricht Ottolenghi von Versailles als "Jurassic Park", in dessen Gärten die Dinosaurier flanierten und nicht wussten, dass der Meteor schon auf sie zurast.

Damit spricht er indirekt auch einen seltsam unbeleuchteten Aspekt der zweitägigen Veranstaltung an, die in ihrem Versuch verschwenderische Opulenz nachzubauen, unausgesprochen, aber ziemlich offensichtlich an die pervertierte Dekadenz des Ancien Régime in Versailles erinnert. Das genauer zu erforschen hätte der Doku über kunstvolle Süßteile sicher mehr Relevanz gegeben.

Ein Tipp zum Schluss: Wenn in London, dann sind neben den zwei Restaurants vor allem die Delis von Ottolenghi einen Besuch wert. Es ist schwer möglich, ohne Appetit zu bekommen, an ihren Schaufenstern vorbeizulaufen, in denen sich pinkfarbene Meringues und bunteste Salate im typischen Ottolenghi-Style türmen.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer zum Film
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Infos zum Film

Ottolenghi und die Versuchungen von Versailles. Dokumentarfilm. USA 2020. Regie: Laura Gabbert. Mitwirkende: Yotam Ottolenghi, Dominique Ansel, Ghaya Oliveira, Janice Wong, Dinara Kasko, Sam Bompas. Laufzeit: 75 Minuten. Sprache: englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 0. Verleih: MFA+. Kinostart: 21. Oktober 2021