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Gegen "Hasskampagnen"

Ungarn: Orbán-Herausforderer will ein Land, in dem "die Liebe regiert"

Der Konservative Péter Márki-Zay will Ungarn wieder zu einem Land machen, in dem sich auch queere Menschen wohl fühlen können.


Schafft es Péter Márki-Zay, den LGBTI-feindlichen Autokraten Viktor Orbán aus dem Amt zu verbannen? (Bild: Draskovics Ádám / wikipedia)

  • 21. Oktober 2021, 10:08h 3 3 Min.

Ungarns neuer Oppositionsführer Péter Márki-Zay will seinen Status als politischer Außenseiter nutzen, um den langjährigen Regierungschef Viktor Orbán aus dem Amt zu verdrängen. Er sorge für "frischen Wind", sagte Márki-Zay in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP in Budapest. "Deshalb haben mich die Wähler, vor allem die jungen Leute, unterstützt. Ich bin kein typischer Politiker."

Márki-Zay hatte sich überraschend bei den Vorwahlen eines Bündnisses aus sechs Oppositionsparteien, die vom linken bis zum rechten Rand reichen, durchgesetzt. Der proeuropäische Wirtschaftswissenschaftler fordert Orbán nun bei der Parlamentswahl im April 2022 heraus.

/ camanpour | Bei CNN zeigt sich Márki-Zay überzeugt, dass er Chancen auf einen Sieg gegen Viktor Orbán hat
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Der 49-Jährige, ein gläubiger Katholik und Vater von sieben Kindern, bezeichnet sich selbst als "traditionellen Konservativen". Er geht aber offen auf sexuelle Minderheiten zu: So wünsche er sich ein Land, in dem "die Liebe regiert" und nicht die "Hasskampagnen", mit denen Orbán Minderheiten wie Homosexuelle und Migranten angreife.

Gegenüber "Euractiv" betonte Márki-Zay, er setze sich für ein Ungarn ein, in dem "selbst Fidesz-Politiker offen zu ihrer Homosexualität stehen können, denn das ist keine Schande". Der Regierungspartei warf er Kampagnen gegen Schwule und Lesben vor, obwohl diese in ihren eigenen Reihen viele versteckt lebende Homosexuelle habe. Hintergrund dieser Äußerung ist offenbar, dass letztes Jahr József Szájer, der damals hochrangigste Fidesz-Politiker im Europaparlament, bei einer schwulen Sex-Party erwischt worden war, die die Corona-Regeln brach (queer.de berichtete). Daraufhin wurde Szájer von Orbán öffentlich kritisiert und verließ die Partei.

"Ich habe gelernt, die Unterschiede zwischen Menschen und Kulturen zu akzeptieren"

Der Ökonom und Ingenieur Márki-Zay arbeitete einige Jahre in den USA und Kanada, aber auch in Frankreich und anderen liberalen europäischen Ländern. "Das hat mir die Augen geöffnet. Ich habe gelernt, die Unterschiede zwischen Menschen und Kulturen zu akzeptieren und pragmatischer zu werden", sagte Márki-Zay, der neben Englisch auch Französisch und Deutsch spricht. Er habe während seiner Zeit in den USA den Wahlkampf des späteren Präsidenten Barack Obama verfolgt. Er sei ein großer Anhänger Obamas, der ihn "inspiriert" habe.

Márki-Zay war, so erklärte er, einst auch ein "begeisterter" Unterstützer Orbáns, bevor dieser 1998 erstmals zum Regierungschef gewählt wurde. Als Orbán 2010 seine zweite Amtszeit antrat, wandte sich Márki-Zay aber von ihm ab. "Orbán hat es vermasselt. Er hat sein unbestreitbares Talent auf eine böse und nicht auf eine gute Weise genutzt, indem er ein autoritäres Regime aufgebaut hat", sagte der neue Oppositionsführer, der in diesem Zusammenhang den Todesstern aus der "Star Wars"-Saga zum Vergleich heranzog.

Er wolle Orbáns "anti-demokratische" Wende rückgängig machen, kündigte Márki-Zay an. "Demokratie, Rechtsstaatlichkeit, Marktwirtschaft, europäische Integration – das ist der Weg, den Ungarn gehen muss."

Gegen "Lügen und Propaganda"

Angesichts der "Lügen und Propaganda" seiner Gegner und des Einflusses regierungsnaher Medien werde er sich auch mit "harten" und "radikalen" Botschaften Gehör verschaffen, kündigte Márki-Zay an. "Wenn ich nur nette Dinge sage, werden die Leute meine Stimme nicht hören."

In die Politik stieg Márki-Zay erst 2018 ein. Damals gewann er überraschend die Bürgermeisterwahl in Hódmezővásárhely, einer knapp 45.000 Einwohner*innen zählenden Stadt im Süden des Landes. Der Ort galt bis dahin als uneinnehmbare Hochburg der Orbán-Partei Fidesz. Im Jahr darauf wiederholte er den Wahlsieg.

Orbán betreibt bereits seit Jahren eine LGBTI-feindliche Politik, hat aber zuletzt auf immer schrillere Projekte gesetzt: Im Juni ließ er etwa ein Gesetz gegen "Homo-Propaganda" nach russischem Vorbild beschließen (queer.de berichtete). Das führte zu immer mehr internationaler Kritik und Sanktionsdrohungen (queer.de berichtete). (AFP/dpa/cw)

-w-

#1 56James35Anonym
  • 21.10.2021, 12:43h
  • Was er auch sagt und verspricht, es fällt mir schwer, diesem Politiker zu vertrauen. Schlimmer als Orban kann er aber nicht sein.
    Wissen soll man außerdem, dass die Ungar(n)*innen kein slawisches Volk sind.
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#2 DQ24Anonym
  • 22.10.2021, 10:52h
  • Sollte er gewählt werden, was ich wegen Orbans Tricks und Macht bezweifle, muss er den Worten Taten folgen lassen, sonst ist er unglaubwürdig.
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#3 Gemeiner_Hai
  • 22.10.2021, 18:26h
  • Ich traue diesem Typen nicht. Nach allem, was ich gehört habe, ist er politisch quasi deckungsgleich mit Orbán und identifiziert sich mit der Jobbik - die sogar noch rechts von Orbáns Fidesz steht. Aber wenn er quasi nur Orbán unter anderem Namen ist, wie will er dann Wähler dazu bringen, ihn statt des "Originals" zu wählen? Auf der einen Seite verspricht er eine saubere Regierung ohne Korruption und Skandale; und auf der anderen Seite muss es ein Stück weit auf die Opposition zugehen. Vielleicht tue ich ihm ja Unrecht, aber genau in diesem Kontext sehe ich diese Ankündigungen. Bis er den Gegenbeweis antritt, ist das für mich nichts als politische Profilierung.
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