https://queer.de/?40300
Russland
Neue queerfeindliche Tirade von Wladimir Putin
Erneut geht der autoritäre Staatschef gegen die angebliche Dekadenz des Westens vor – und zeigt sich wütend über trans Menschen.

Wladimir Putin erklärt queere Menschen zu Staatsfeinden
- 22. Oktober 2021, 12:34h 2 Min.
Der russische Präsident Wladimir Putin hat am Donnerstag beim Besuch des Valdai-Debattierclubs in Sotschi erneut gegen queere Menschen polemisiert. Wie die "Washington Post" berichtet, habe der 69-Jährige gegen westliche Werte gewütet und sich beklagt, dass Kindern "gelehrt wird, dass ein Junge ein Mädchen werden kann und umgekehrt". Dies bezeichnete der autoritäre Politiker als ungeheuerlich. Solche Lehren seien zudem beinahe ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". Außerdem warf Putin trans Aktivist*innen vor, sie würden verlangen, dass "einfache Dinge wie Mutter, Vater, Familie und Geschlechterunterschiede" abgeschafft werden sollten.
In seiner Tirade erklärte Putin auch, dass manche im Westen "aggressiv" die eigene Geschichte auslöschen wollten und "Diskriminierung gegen die Mehrheit im Interesse von Minderheiten" betreiben wollten. "Das ist ihr Recht, aber wir wollen damit nichts zu tun haben", so Putin.
Präsident ist ein Wiederholungstäter
Putin hatte sich in den vergangenen Jahren immer wieder LGBTI-feindlich geäußert – und sich etwa gegen Regenbogenfamilien gestellt: Solange er Präsident sei, werde es "kein Elternteil 1 und Elternteil 2" geben, sagte er etwa im letzten Jahr (queer.de berichtete). Kurze Zeit später wurde eine Verfassung beschlossen, in der ein ausdrückliches Ehe-Verbot für Schwule und Lesben verankert ist (queer.de berichtete).
Seit 2013 gilt in Russland zudem das Gesetz gegen Homo-"Propaganda". Dieses besagt, dass – angeblich aus Jugendschutzgründen – in der Öffentlichkeit nicht über "nichttraditionelle" Beziehungen gesprochen werden darf. LGBTI werden so unsichtbar gemacht und stigmatisiert.
Auch andere führende Politiker*innen in Russland machen mit ihrer LGBTI-feindlichen Rhetorik Stimmung gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten: Außenminister Sergei Lawrow veröffentlichte etwa erst im Juni ein Essay, in dem er wahrheitswidrig behauptete, dass Schulkinder "in manchen westlichen Ländern" lernen würden, Jesus sei bisexuell (queer.de berichtete). In der russischen Republik Tschetschenien geht der von Putin unterstützte Machthaber Ramsan Kadyrow mit ausgrenzender Rhetorik und Gewalt gegen LGBTI vor (queer.de berichtete).
Laut einer aktuellen Umfrage sprechen sich mehr als zwei Drittel der Russinnen und Russen gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen aus (queer.de berichtete). Die staatliche Propaganda scheint hier zu wirken: Der Anteil jener, die homosexuellenfeindlich eingestellt sind, ist dieser Umfrage zufolge in den letzten sechs Jahren noch gestiegen. (cw)















