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Essay

Hey, ich bin lesbisch. Und wir müssen reden!

Neben sexuellen, körperlichen und verbalen Angriffen erleben wir auch eine Form von Gewalt, die nicht gesetzlich geahndet wird – das Unsichtbarmachen von Lesben*.


Unsere Gastautorin Élisabeth Chevillet ist eine französische Texterin und Übersetzerin mit Sitz in Augsburg (Bild: privat)

Wir müssen darüber reden, was es bedeutet, lesbisch zu sein. Spoiler-Alarm: Es bedeutet, Mut zu haben. "Jeder lesbische Kuss ist eine Revolution", sagt Alice Coffin, und dem kann ich mich nur anschließen. Aber bevor wir dieses Gespräch beginnen, solltet ihr wissen, wo ich stehe. Ich bin eine Frau, ich bin lesbisch und ich bin Feministin. Wenn ich "ich" sage, meine ich mich. Wenn ich "wir" sage, meine ich Lesben*. Ich schreibe absichtlich Lesben* mit einem Sternchen, um alle sich mit dem Begriff identifizierenden Personen jeglicher Genderidentitäten einzubeziehen.

Erste lesbische Liebe

Es waren die späten 90er-Jahre. Auf der Geburtstagsfeier meines Freundes merkte ich, dass ich seine Schwester lieber mochte. Ich war zwölf Jahre alt. Ich hatte bisher weder eine echte Lesbe gesehen noch das Wort jemals benutzt. Auf dem Schulhof beleidigten sich die Kinder mit "Kampflesbe" – und glaubt mir, niemand wollte so eine sein.

Kein Popstar, keine Schauspielerin, keine Sportlerin, die ich kannte, hatte sich geoutet. Es gab keine Lesbe in der Familie und auch keine sozialen Medien… Es gab für mich keine Vorbilder. Ich fühlte mich zu Mädchen hingezogen, bevor ich überhaupt wusste, dass es möglich war. Mit 13 nahm ich heimlich einen Film auf, der im französischen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Die Geschichte eines lesbisches Pärchens mit Kind, "Tous les papas ne font pas pipi debout" (Nicht alle Väter pinkeln im Stehen) stellte mein Leben auf den Kopf. Mir fehlte damals das Wissen, um den problematischen Titel zu bemerken.


(Bild: Nontira Kigle)

Ein Jahr später outete sich die französische Tennisspielerin und ehemalige Weltranglistenerste Amélie Mauresmo. Andere Teenager um mich herum reagierten mit Beleidigungen und verletzenden Worten.

Zu Hause hörte ich homophobe Witze über schwule Männer. Lesben schienen nicht zu existieren.

In dem Sommer, in dem ich 14 wurde, lernte ich die ältere Schwester meiner Freundin Louana kennen. Sie hatte ein Teddy-Tattoo am Hals, schöne graue Augen, eine raue Stimme und, noch interessanter, eine Freundin. Ich war fasziniert. Kurz darauf hatte ich selber meine erste Freundin, aber erzählte es niemandem. Irgendwann outete sie uns bei ihrer Schwester, die daraufhin den Kontakt zu ihr abbrach. Ich beendete die Beziehung ein paar Wochen später.

Während meiner Oberstufen-Zeit hörte ich auf, Beziehungen mit Jungs zu führen. "Buffy" war mein einziger Zugang zu einer lesbischen Lebenswelt, obwohl ich Vampire und übernatürliche Dinge hasste. Jeden Samstagabend traf ich mich mit meinen Brüdern zu einem Serienmarathon im Wohnzimmer und betete heimlich, dass Willow und Tara auftauchten. Ich sehnte mich nach einem Kuss, einem Blickkontakt, einer Liebesgeste zwischen den beiden. Mein Herz blieb jedes Mal stehen. Es waren einsame Jahre – bis ich Rokia kennenlernte. Ich war 16.

Rokia und ich verliebten uns. In der Schule waren wir mit unseren Freund*innen Samir und Lola eine tolle Clique. Unsere Vorliebe für Provokationen und unsere sprudelnde Energie trieben die Lehrer*innen in den Wahnsinn. In unserer Lieblingskneipe verbrachten wir unzählige Stunden damit, zu rauchen, Kaffee zu trinken und zu kickern. An den Wochenenden trafen sich Rokia und ich bei ihrer oder meiner Mutter. Ihre Haut brachte mich an unbekannte Orte.

An dem Tag, als Rokias Mutter von uns erfuhr, rief sie mich auf meinem Handy an. Es war an einem Sonntagmorgen, direkt nach meinem Fußballspiel. Ich erinnere mich an ihre Worte, als wäre es gestern gewesen. Ich rede besser nie wieder mit ihrer Tochter, sagte sie, sonst würde ihr großer Bruder mich verprügeln. Erschrocken und wütend beendete ich sofort die Beziehung. Rokia erzählte Samir und Lola von uns – ich stritt alles ab. Damals wusste ich nichts von internalisierter Lesbophobie.

Die Feindseligkeiten, die ich gegenüber meinen ersten lesbischen Beziehungen erfuhr, teilte ich mit niemandem. Mit 18 würde ich sogar wieder eine Beziehung mit einem Mann eingehen, nur um endlich "normal" zu sein. Mit Männern zu schlafen, um mein Lesbischsein zu verdrängen, schadete meiner psychischen Gesundheit. Ich wünschte, die Jugendliche, die ich war, hätte damals die Therapeutin gekannt, die mir Jahre später sagte: "Warum in aller Welt versuchen Sie, normal zu sein?! Sie passen sich nicht an – und das ist gut so!"

Glücklicherweise traf ich ein Mädchen im Uni-Basketballteam. Sie haute mich komplett vom Hocker. Dalia war der perfekte Grund, sich bei allen zu outen.

Mehr lesbische* Vorbilder, aber noch ein langer Weg vor uns

Seit Ende der 90er-Jahre haben sich die Dinge geändert. Mädchen wachsen mit lesbischen* Vorbildern auf. Es gibt Instagram und TikTok. Die Musikindustrie zählt eine wachsende Zahl lesbischer* Ikonen wie Angèle, Hayley Kiyoko und Kehlani. Auf der ganzen Welt können sportliche Mädchen Megan Rapinoe, Caster Semenya und andere erfolgreiche lesbische* Sportlerinnen in verschiedenen Disziplinen sehen.

Im Fernsehen ebnete "The L Word" den Weg. Viele TV-Shows mit prominenten lesbischen* Charakteren folgten der Kultserie. Netflix arbeitet an LGBTQ+-Inklusion. Hannah Gadsbys "Nanette" wurde nach seiner Veröffentlichung im Jahr 2018 zu einem globalen Stand-up-Hit. Filme wie "Carol", "Sharayet – Eine Liebe in Teheran", "Küss mich – Kyss mig", "Porträt einer jungen Frau in Flammen" oder "Rafiki" stellen lesbische Romanzen und Liebesgeschichten dar. Die Leute haben sogar angefangen, Geschichten zu erzählen, in denen LGBTQ+-Leute tatsächlich mehr können, als queer zu sein. In Deutschland hat "Princess Charming" kürzlich dazu beigetragen, lesbische* Sichtbarkeit in den Mainstream zu bringen.

Die Dinge haben sich geändert, jedoch liegt noch ein langer Weg vor uns, denn Lesbophobie befindet sich überall. 43 Länder weltweit kriminalisieren immer noch lesbischen* Sex. Die Bestrafungen reichen von Geldstrafen bis hin zu lebenslanger Haft und Tod durch Steinigung. "Lesbophobie gibt's doch in Europa nicht mehr", denkt ihr? Falsch. Die aus rechtlicher Sicht aktuellen positiven Entwicklungen reichen nicht aus. Aus Angst vor Angriffen oder Belästigungen vermeiden es immer noch 46 Prozent der Lesben in der Europäischen Union, mit ihrer Partnerin in der Öffentlichkeit Händchen zu halten.

Neben sexuellen, körperlichen und verbalen Angriffen erleben wir eine andere Form von Gewalt, welche nicht gesetzlich geahndet wird – das Unsichtbarmachen von Lesben*.

An der Schnittstelle von Sexismus und Homophobie

Manchmal wirken verschiedene Vorurteile gleichzeitig, um bestimmte Formen der Diskriminierung hervorzurufen. Dieses Phänomen nennt sich Intersektionalität. Lesbophobie selbst steht an der Schnittstelle zweier Arten von Diskriminierung: Sexismus und Homophobie. Ganz zu schweigen von allgegenwärtigen Diskriminierungsformen wie Rassismus, Transphobie, Bodyshaming und Ableismus, die auch Lesben* erleben.


(Bild: Nontira Kigle)

Im Gegensatz zu unseren Hetero-Schwestern brauchen wir keine Männer. Also fordern wir die heteropatriarchale Gesellschaft und ihre Machtstruktur heraus, indem wir einfach wir selbst sind. Das Problem: Cis Männer besetzen Machtpositionen und sind nicht bereit, im Interesse der Gleichberechtigung das Rampenlicht zu teilen. So bleiben wir in der Politik, den Mainstream-Medien, am Arbeitsplatz und im öffentlichen Raum meist unsichtbar. Diese historische Weigerung, uns anzuerkennen, hat eine Bezeichnung: das Unsichtbarmachen von Lesben*.

Und wenn wir uns doch zeigen, wenn wir gegen das Unsichtbarmachen von Lesben* kämpfen, zieht es harte Konsequenzen nach sich. Die Veröffentlichung von Alice Coffins "Le Génie lesbien" (Lesbisches Genie) im Jahr 2020 verursachte eine große Welle der Empörung. Weiße männliche cis Journalisten behaupteten, ohne das Buch je gelesen zu haben, es sei gegen Männer gerichtet. Das Katholische Institut von Paris stellte die Zusammenarbeit mit der Autorin ein. Alice Coffin erlebte daraufhin Cybermobbing. Und es schien nicht aufzuhören: Im Juni 2020 wurde sie während einer Konferenz öffentlich belästigt.

Lasst uns sichtbar werden?

Da wir nicht in ihre Welt passen, erniedrigen uns cis-heteronormative Gesellschaften aufgrund unserer Identität. Das englische Wort "dyke" war eine Beleidigung, bevor wir das Wort zurückeroberten. Lesben* sind hinter einem imaginären Vorhang verborgen – und es erfordert Mut, herauszukommen. Der Ausgangspunkt unseres Liebeslebens ist ein beschämender, geheimer Ort. An diesem gefangen zu sein, ist sehr bedrückend. Aber die gute Nachricht lautet: Cis-Heteronormativität ist eine menschliche Fiktion. Als solche können wir sie dekonstruieren.

Sich weigern, jemanden zu sehen, bedeutet, dessen Existenz zu leugnen. Da queere Kinder Vorbilder brauchen, um sich selbst zu finden, ist das Unsichtbarmachen von Lesben* ein Thema der öffentlichen Gesundheit. Wir Lesben* sollten uns nicht outen müssen. Wir müssen nichts gestehen – wir sind nicht schuldig. Es ist dringend erforderlich, die nächsten Generationen von dieser Last zu befreien. Gehen wir also voran: Lasst uns uns zeigen.


(Bild: Nontira Kigle)

Wie das Unsichtbarmachen kann auch Schweigen unglaublich gewalttätig sein. Die Abschaffung der giftigen Cis-Heteronormativität bedeutet, unsere sexuelle Identität in Worte zu fassen. Also auf geht's. Lasst uns die Scheuklappen abnehmen und stolz darauf sein, uns Lesben* zu nennen. Alice Coffins "Le Génie lesbien" (Lesbisches Genie) ist eine Meisterleistung: Unterstützt von der öffentlichen Empörung schaffte sie es, Lesben* in die Öffentlichkeit zu rücken. LESBE. Die französische Autorin betont, dass wir das L-Wort schreiben, sagen und wiederholen sollten, bis es kein Tabu mehr ist. Indem sie uns beim Namen nennt, bricht sie das Schweigen. Sie erkennt unsere Existenzen an – und zwingt die ganze Welt dazu.

So let's be out, loud and proud? Das sagt zumindest mein Herz. Aber die Wahrheit ist viel komplexer als ein einprägsamer Slogan. Wenn Sichtbarkeit Sicherheit bringen und den Abbau von Cis-Heteronormativität einleiten kann, kann sie auch gefährlich sein. Wir sollten uns zeigen und benennen, sofern es nicht unser Leben, unsere geistige Gesundheit oder körperliche Unversehrtheit gefährdet – sofern wir uns stark genug fühlen, um Lesbophobie zu begegnen. Sich outen ist eine persönliche Entscheidung. Und es ist okay, es nicht zu tun.

Lesbophobie bekämpfen – informiert euch!

Kinder sind wie Schwämme. Sie nehmen unsere Werte auf, handeln durch Nachahmung und glauben, was sie hören. Daher liegt es in unserer Verantwortung, mit gutem Beispiel voran zu gehen. Und es ist allerhöchste Zeit: Wir müssen Räume schaffen, in denen sich unsere Kinder sicher fühlen – zu Hause, in der Schule, auf der Straße. Wir müssen uns von sexistischen und homophoben Mustern befreien. Wir müssen eine inklusive Sprache verwenden. Wir müssen fürsorglich miteinander umgehen. Und falls euer Kind queer ist, hört auf, euch zu fragen, wer Schuld hat. Hört auf, nach Gründen zu suchen. Umarmt es einfach und sagt "Ich habe dich lieb".

Zur Autorin

Élisabeth Chevillet (sie/ihr) ist eine französische Texterin und Übersetzerin mit Sitz in Augsburg. Sie studierte Philosophie in Lyon und lebte in Montreal, bevor sie sich 2009 für Deutschland als Wahlheimat entschied. Als Feministin und Lesbe engagiert sie sich für verschiedene Projekte innerhalb der LGBTQ+-Community. Zusammen mit Journalist*innen, Aktivist*innen und verschiedenen NGOs beteiligt sie sich am europäischen Projekt "Writing for diversity – LGBTQ issues in cross-border journalism". Im Jahr 2021 hat sie L*-AUX – ein sicherer Raum für Lesben* und queere Frauen in Augsburg – mitgegründet.
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#1 ZezeAnonym
  • 23.10.2021, 12:21h
  • Toller und gefühlvoller Text. Unsichtbarkeit als Teil von Diskriminierung ist tatsächlich ein Phänomen, das uns besonders trifft.
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#2 WahrheitIstRelativAnonym
  • 23.10.2021, 13:28h
  • Ich bin zwar bisexuell, doch es ist mir ziemlich schnurz, wenn ich im Falle einer Freundin für lesbisch gehalten werde. Da ich sehr monogam bin, empfinde ich in so einer Beziehung dann auch so, denn ich sehe niemand anderen, also auch keine Männer. Ich fühle mich dann Stocklesbisch. Eigentlich bin ich das dann aber garnicht, sondern bin Stockmeike - so, wie ich vor Jahren Stockandreas war :-). Einfacher habe ich es dann auch nicht. Ich kann mich zwar in Männer und Frauen verlieben aber ich kann das vorab nicht entscheiden. Wenn ich in eine Frau verliebt bin, kann ich also nicht sagen, ach nee, ich verlieb mich lieber in einen Mann. Da ich in kaum einem Bereich normativ bin war mein Outing einfach, denn ich kann meine Familie eh mit nichts mehr schocken :-). Für meine Mutter war das sogar die Chance, etwas wieder gut zu machen, denn sie hatte mich früher nicht akzeptiert, wie ich bin und ich daraus Konsequenzen durch Distanz gezogen. Nun wird sie langsam alt und hat erkannt, was wichtig ist im Leben. Ich wusste vor meinem Outing, dass sie mir mit allen Mitteln beweisen will, dass sie mich so nimmt, wie ich bin und das hat die Mauer zwischen uns eingerissen. Ich wohne sehr ländlich und mache nirgends schlechte Erfahrungen! Mein Sohn hatte Angst, dass ich attackiert werde, aber ich laufe auch mit Regenbogenarmband durch seine Oberschule-keiner macht einen Spruch, denn so mutig sind Jugendliche vor Erwachsenen nicht und ein Trans Junge schaute mich sehr dankbar an für meine "Sichtbarkeit". Leider ist allerdings niemand im Kollegium geoutet. Das kann ich aber teils gut nachvollziehen. Meine große Liebe (Lehrerin) ist nicht nur materiell von diesem Ort abhängig. Sie hat auch keine Kinder und Geschwister und entsprechend wichtiger werden Freundes-und Kollegenkreis. Und man möchte kein beschmiertes Auto, lesbisch-sexuelle Nachahmung hinterm Rücken, Gewalt oder eine Entfremdung der Schüler*innen, weil homophobe Eltern Zuhause schlecht über dich sprechen. Bei den Erfahrungen, die ich so mache glaube ich aber eher, dass nach so langer Zeit alle nach einem Outing eher bestürzt wären " Sind wir nicht vertrauenswürdig?", " Haben wir was falsch gemacht?", " Müssen wir hier ein anderes Klima schaffen?" Das wären doch sehr rührende Reaktionen und die einzelnen homophoben Ausnahmen, die es natürlich auch immer gibt, die würden sich von selber ins Abseits katapultieren.
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#3 EulenspiegelAnonym
  • 23.10.2021, 14:47h
  • Außerdem meines queeren Sportvereins habe ich bis jetzt eine offen lebende Lesbe kennengelernt.

    Die erzählt halt von ihrer Frau und rückt das damit für viele die sie nicht kennen ins normale.
    Vor solchen Leuten braucht es mehr - stnknormale queere Leute die offen leben und damit als Vorbilder dienen.
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#4 CarbolinaAnonym
  • 23.10.2021, 16:53h
  • Ich bin total bewegt und erschüttert von dieser Biografie. Endlich spricht das mal jemand aus! Hier im Osten wird man leider immer noch schräg angesehen, wenn man nicht ins Raster passt. Und dagegen müssen wir kämpfen, wir müssen sichtbar werden! Die Angst vor Lesbischer Liebe reicht bis in die höchsten Spitzen der Gesellschaft, ich möchte sagen, bis ins Kanzleramt (Beate Baumann). Und denkt noch jemand an die Ministerin, die mit Andeutungen über lesbische Identität so unter Druck gesetzt wurde, dass sie aufgeben musste (nein, ich werde den Namen nicht nennen, aber aufmerksame Beoachter*Innen wissen, wen ich meine)
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#5 SchonProfil
  • 24.10.2021, 13:40hFürth
  • Ich lebe seit 1992 offen. Selbst in meiner Heimat der Oberpfalz war das kein Problem. Einmal hatte ich ein Bewerbungsgespräch, bei dem mir empohlen wurde, "das nicht so offen zu zeigen". Damit war für mich das Gespräch beendet. Es gibt sehr sehr wenige Berufe, bei denen die Sexualität eine Rolle spielt. Nebenbei bemerkt, ist auch das Gender für die meisten Berufe nicht relevant. Das muss man manchmal den Jungs im Management ab und an in Erinnerung rufen.
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#6 TrefferAnonym
  • 24.10.2021, 18:28h
  • Der Artikel trifft es auf den Punkt.
    Fast unbemerkt haben sich die schwul-lesbischen Events in den letzten Jahren stark reduziert.
    Aber wenn ich drüber nachdenk, mehr schwule Themen in der Öffentlichkeit als lesbisches.
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#7 ElimAnonym
  • 25.10.2021, 08:09h
  • Antwort auf #6 von Treffer
  • Jahrelang dachte ich, die Lesben müssten sich "einfach mehr einsetzen" - In der Orga eines LBGTIQ-Netzwerkes waren es gefühlt immer wir schwulen cis-Männer, die die ganze Arbeit hatten...

    Ich hab erst ein intensives Projekt mit Trans*Leuten gebraucht um zu kapieren, daß unsere männlich geprägten Kommunikationsmuster Lesben*, bzw das ganze FLINT-Spektrum praktisch aktiv ausladen, sich einzubringen. Die Trans*Perspektive ist Gold wert zum Erkennen (und hoffentlich Überwinden) eingefahrener Rollenmuster.
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#8 SWATklinNZProfil
  • 27.10.2021, 02:28hAhipara
  • Mich hat das erwischt, wo sie beschreibt, wie sie, um §normal" gelesen zu werden, mit Männern Beziehungen eingeht. Weil sie sich damit ein ganzes Stück wegdrückte und Schaden in Kauf nimmt. Ich hätte mir nie zugetraut, ne Beziehung anzufangen, um als nicht schwul zu erscheinen, obwohl ich auch gut 20 Jahre damit zubrachte zu versuchen, mich unter dieses Normenkonzept zu zwängen, und das von der Familie so erwartet wurde.

    Viele ihrer Erlebnisse sind ja doch stark ähnlich, nur ist sie ne Frau, ich bin ein Kerl, und Kerle, die sich in Kerle verlieben, das ist auch nicht überall erwünscjht. Es war in Deutschland sehr schwierig, wenn man nicht in eine gewisse Szenenorm fiel, nicht so der Sexuelle ist, dann auch noch Fetischist. Und wenn man Polizisten lieb hat, unter Leuten, die sie oft hassen ... vergiss es.

    Was ich nie verstand war, dass man über Lesben kaum was liest, sie nicht in Chats, noch in den ganzen Single-Welten vertreten schienen, und an der LGBTIQ* -Welt anscheinend nur den ersten Buchstaben beisteuerten, und auch das nur wegen einer Regel aus Zeiten, in denen Charme und Ladies first noch wirklich zählten.
    Ich hab mir damals den Reim drauf gemacht, dass es wohl daran liegt, dass ich als Kerl eben keinen Zugang zur Welt der Lesben habe - logischer Weise, was soll ich da als Kerl auch? Aber so richtig erklärte das diese Unsichtbarkeit nicht, denn man müsste doch unbeteiligt darüber lesen, das lesen, was Lesben kommunizieren, das sehen, wo und wie sie den offenen Teil ihrer Lebenswelt in die Gesellschaft einbringen. Es müsste dieser Anteil ebenso, wenn nicht weiter vielfältig und prominent sein.
    Meine Idee war, vielleicht sind Lesben feiner differenzierte Leute, vielleicht wollen die ihre Ruhe unter sich, vielleicht ist man als Typ nur unpassend, ungeeignet um ihre Welt zu erkennen.
    Well, das waren so eigene Schlüsse - dass es eine regelrechte Systematik des Ausblendens gäbe, auf die Idee wäre ich nicht gekommen.

    Selbst hier schreiben einige Wenige mit, wohl, weil Männerthemen immer noch dominieren. Ich finde es schon toll,. was sich bezüglich der Trans*-Themen getan hat, da darf man die Redaktion auch ausdrücklich loben. Vor einigen Jahren sah das noch relativ Schwulen-lastig oder Männer-lastig hier aus.

    Ich vermisse auch eine Mitschreiberin, die sich hier ansonsten relativ vielseitig eingebracht hatte. Leider gingen wohl Leute weg, weil auch hier sie mit Anfeindungen in Kommentaren zu tun bekamen, wie man vereinzelt mitliest.

    Auch das sollte nicht sein müssen. Ob Kerl, ob Frau, wir sollten doch im Jahr 2021 über dieses affige (Verd)Ränge-Spiel weg sein, und ALLEN Stimmen aus LGBTIQ* den Raum für ihre Stimme geben können.

    Es ist traurig zu sehen, dass das 2020 nach der genannten Film-Veröffentlichung nicht ging, und sich die Cis-Männer Frankreichs wohl aufregten. Man fragt sich, warum. Angst vor einer lesbischen Präsidentin?
    (Weil ich nun dieses Geschlecht mit dem Pfeilzeichen habe, habe ich mich schon oft fremdgeschämt. Mir ist klar, dass das zum bitter Lachen ist, doch Niemandem was bringt.)

    Als Kind mit der "Krankheit" anders zu sein akzeptiert zu werden. Ja, das wäre ein hoher Traum gewesen.
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