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"Dungeons & Dragons"

Queer in den Vergessenen Reichen

Die fünfte Edition des bekannten Tischrollenspiels "Dungeons & Dragons" ist endlich auf Deutsch erschienen. Damit werden auch hiesige Fantasywelten, nach US-Vorbild, diverser und queerer.


So oder so ähnlich sieht eine Runde "Dungeons & Dragons" am Wohnzimmertisch aus (Bild: Screenshot (YouTube / Dungeons & Dragons))

Nichtbinäre Elf*innen, die Seite an Seite mit einem bisexuellen Zwerg kämpfen und nach und nach bösartige Intrigen aufdecken – was klingt, als sei es der Plot einer neuen, progressiven Netflixserie, ist in vielen Wohnzimmern seit einigen Jahren als Teil der Welt von "Dungeons & Dragons" keine ungewöhnliche Erscheinung.

Jetzt ist die deutsche Übersetzung der fünften Edition des traditionsreichen Rollenspiels auf dem Markt erschienen. Fans, die das fortschrittliche Lifting des zwischenzeitlich etwas angestaubten Klassikers genießen wollten, hatten sich seit 2014 mit englischsprachigen Regel- und Quellenbüchern sowie Abenteuern im US-Original begnügen müssen.

Krieger, die Prinzessinnen retten

Dabei war die Spielwelt von "Dungeons & Dragons" anfangs nicht wirklich progressiven Idealen verpflichtet, sondern eher eine typische Fantasypublikation: Prinzessinnen wurden von Kriegern gerettet, und wenn es mal eine Frau mit einem Schwert auf ein Bild schaffte, dann nur großbusig und in einer Rüstung, der wohl mehr an Sexappeal als an Schutz gelegen war. Begehrens- und Beziehungsformen abseits der Heterosexualität tauchten nicht auf.

Doch der Publisher Wizards of the Coast, der seit 1997 das Spiel weiterentwickelt und veröffentlicht, hat sich bereits seit einigen Jahren mit Veränderungswillen hervorgewagt. Illustrierungen wurden weniger sexistisch, und auch die Charaktere, die in die Spielwelt hineingeschrieben wurden, bekamen mehr Tiefgang.

Zuletzt war zudem eine Hinwendung zu größerer Vielfalt zu beobachten – darunter auch zu queeren Charakteren. In den Abenteuerbänden "Storm King's Thunder", "Tomb of Annihilation" und "Dragon Heist", die zwischen 2016 und 2018 erschienen, tauchen jeweils Charaktere auf, die in gleichgeschlechtlichen Beziehungen leben. In "Dragon Heist" wird über die Stadt Waterdeep, die im Deutschen "Tiefwasser" heißt, gesagt, sie sei "eine Zuflucht für die, die selbst entscheiden, was es heißt, Mann oder Frau zu sein."

Anleitung zu queeren Interaktionen

Dabei bleibt es nicht nur bei bloßen Erwähnungen queerer Charaktere. Die Publikationen bemühen sich auch darum, Verständnis für deren Innenleben zu ermöglichen. So treffen die Spieler*innen im Abenteuer "Birds of a Feather" auf die nichtbinäre Person Char.

Das Abenteuerbuch, das nur den Spielleiter*innen vorliegt, gibt vorsorglich Anweisungen, wie mit Fragen der Spieler*innen nach Chars Geschlecht umzugehen ist. Die Antwort Chars, die vorgelesen oder eigenständig interpretiert und geschauspielert werden darf, lautet: "Ich bin, wer ich bin, so fließend und mächtig wie die See selbst. Du willst wissen, wie sich das anfühlt? Als würdest du jeden Tag deine perfekt geschneiderten Lieblingsklamotten tragen."


Im Videospiel "Baldur's Gate III", eine Umsetzung der fünften D&D-Regeln, sind auch gleichgeschlechtliche Romanzen, wie bei diesen beiden Dunkelelfinnen, möglich (Quelle: Screenshot / YouTube)

Auch die Spieler*innen werden in der fünften Edition über die Möglichkeiten, ihre Held*innen mit queeren Aspekten auszustatten, aufgeklärt. Immerhin ermutigten frühere Editionen auch dazu, Liebe, Identität und Begehren auszuspielen – nur eben heterosexuell und cisgeschlechtlich.

In den aktualisierten Regeln zur Erstellung der Spielfiguren wird im Absatz zum Geschlecht darauf verwiesen, dass kein Charakter auf die binäre Vorstellung der Geschlechter und dem Rollenbild der Sexualpartner*innen festgelegt sei. Beispielsweise werde der elfische Gott Corellon Larethian oft als androgyn beschrieben. Manche Elf*innen richteten sich entsprechend nach Larethians Vorbild aus.

Im englischsprachigen Original war jedoch noch die Rede davon, dass Larethian "hermaphroditisch", sprich, intergeschlechtlich sei. Dieser Passus, der auch für Irritation gesorgt hatte, ist in der deutschen Übersetzung verschwunden. Stattdessen wird die Möglichkeit vorgestellt, einen weiblichen Charakter zu spielen, der sich als Mann ausgibt, einen männlichen, der "im Körper einer Frau gefangen ist", oder eine Zwergin, die es hasst, wegen ihres Bartes für einen Mann gehalten zu werden.

Dass solche Formulierungen bisweilen holprig sind und eine Unsicherheit beim Publisher zeigen, überstrahlt allerdings nicht den deutlichen Veränderungswillen bei Wizards of the Coast. Die Community dankt es: Alleine die englische Starterbox der fünften Edition hat sich über 300.000 Mal verkauft.

Eine lange Rollenspielgeschichte

Bei "Dungeons & Dragons" handelt es sich um das populärste der sogenannten "Pen & Paper"-Rollenspiele. Die sind ein Vorgänger späterer Rollenspiele, die wie bei "The Witcher, "Final Fantasy" oder "World of Warcraft" weniger mit der Phantasie der Spieler*innen, sondern mit den Grafikchips von Konsolen und PCs arbeiten.

Im Tischrollenspiel geht es allerdings darum, dass eine Gruppe Spieler*innen zusammen kommt, um in verschiedene Charaktere einer Fantasywelt zu schlüpfen. Goblinzauberer*innen, zwergische Barbar*innen, menschliche Krieger*innen oder elfische Druid*innen sind nur einige der vielen Möglichkeiten, die das 1974 erstmals erschienene Spiel bereithält.

Die Gruppe zieht dann in eine der zur Verfügung stehenden Welten hinaus, um Abenteuer zu erleben. In denen spielen sowohl die im Titel erwähnten "Dungeons", also Verliese, Höhlen oder Festungen, als auch Drachen immer wieder eine Rolle. Verzauberte Wälder, entführte Prinzen, verhexte Schwerter oder der gemeinsame Besuch eines Gasthauses werden durch mündliche Beschreibungen der Spieler*innen und der Spielleitung ins Leben gerufen.

Direktlink | Wie man D&D spielt, wird auch im offiziellen Video für Einsteiger*innen erklärt
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Handbücher leiten dazu an, welche Handlungen wie beschrieben werden können und legen Regeln für handfestere Eigenschaften fest. Etwa wie stark Held*innen sind, welche Zauber sie beherrschen oder wie gut sie mit ihrem Bogen umgehen können. Der Ausgang von Situationen, in denen Handlungen scheitern oder von Gegner*innen verhindert werden können, wird mit den berühmten Würfeln bestimmt.

Spieler*innen werfen zum Beispiel meist 20-seitige Würfel und verrechnen die Stärken und Schwächen ihrer Charaktere. Die Spielleitung vergleicht das Ergebnis mit dem geheimen Schwierigkeitsgrad und gibt Erfolg oder Misserfolg bekannt. So wird in Kämpfen bestimmt, ob ein Schwerthieb einen Volltreffer erzielt oder ins Leere geht, ob eine Lüge glaubhaft erzählt oder der Weg in einem dichten Wald wiedergefunden werden kann.

Seit den Siebzigern sollen über 40 Millionen Menschen bereits ins sogenannte "Multiversum" eingetaucht sein. In den letzten Jahren spielten es laut Angaben des CEO von Wizards of the Coast, Chris Cocks, geschätzte 13,7 Millionen Menschen. Doch die Zahl stammt von vor der Corona-Pandemie. Durch die Ausgangsbeschränkungen soll das gesellige Spiel einen weiteren Popularitätsschub erfahren haben.

Auch wenn "Dungeons & Dragons" schon älter ist, queer war das Spiel in einem bestimmten Aspekt schon immer: Es lud die Spieler*innen von Anfang an dazu ein, die Rolle eines anderen Geschlechts auszuprobieren. Die Videobloggerin Rowan Ellis wies in ihrem Video "Why is D&D so popular with LGBT Nerds?" im April auch darauf hin, dass das Konzept der Identität für das Spiel so wichtig sei und die Möglichkeit biete, eine solche Identität selbst zu erstellen und frei anzupassen.

Direktlink | Der großen Popularität von D&D unter Queers geht Ellis in dieser Vlog-Folge unter anderem auch mit trans Gästen nach, die ihre Identität im Rollenspiel erkunden konnten
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Mehr Diversität auch in "Magic"

Wizards of the Coast versucht sich nicht nur in dem Tischrollenspiel an progressiveren und zeitgemäßen Darstellungen fantastischer Wirklichkeiten. Im Sammelkartenspiel "Magic: the Gathering", dem zweiten großen Pferd im Stall des Publishers, wurde letztes Jahr mit Niko Aris das erste Mal eine nichtbinäre Figur in die Reihen der sogenannten "Planeswalker" aufgenommen. Das sind mächtige Zauberer*innen, die das Schicksal der Welten in "Magic" bestimmen.

Mit der Sonderdition "Secret Lair: Black is Magic", wie die Einführung Aris' ebenfalls vom vergangenen Jahr, setzten die Macher*innen ein Zeichen der Anerkennung gegenüber der Geschichte von BPOC – sowohl in der echten Welt als auch in Magic.



#1 HexeAnonym
  • 23.10.2021, 09:46h
  • Pen and Paper und insbesondere D&D war schon immer queer. Geht mir weg mit dieser queerbaitsch... Die fünfte Edition ist lames Powerplay. Die zweite rulez!
    Heutzutage kann jedes Kind nen Drachen killen, früher musste man sich das noch erarbeiten.
    Aber früher traf man sich auch jedes Wochenende, heutzutage ist eben dank Netflix und anderer schnelllebiger Angebote keine Zeit mehr nen Run über zwei Jahre aufzubauen.

    Kein Plan was gemeint ist mit stereotypen, ich hab die ganzen Regelbücher hier und abgesehen davon das damals vielleicht noch nicht gegendert worden ist ging es ganz sicherlich nie darum ne Prinzessin zu retten.
    Es wurden Verschwörungen aufgedeckt, mächtige Gegner bekämpft und vor allem viel gelacht und Chips und Bier konsumiert. Egal wie alt man war oder welche Sexualität oder Geschlecht man hatte.

    Pen and Paper basiert auf Nutzung der eigenen Fantasie. Wenn man keine hat, naja dann kauft man eben fertige Storys und hatte bis heute keine queeren Charaktere.

    Zum Glück hatten wir solche Probleme nie.

    Gruselig, höre mich an wie ein Boomer.

    Aber mir geht das queerbaiting und pinkwashing gebauso wie bei Star Trek discovery hart auf den Inventarsack.

    Auf einmal ist alles super inlkusiv, was es lächerlich macht, weil es das eigentlich schon immer war.
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#2 EulenspiegelAnonym
  • 23.10.2021, 14:40h
  • Antwort auf #1 von Hexe
  • Yepp so ist es.

    Ich war in den 90ern dabei - wir haben das System aber eh abgewandelt um langweiliges powerplay rauszuhalten.

    Nen Hinterhalt von Armbrustschützen ist halt auch für Helden gefährlich- so wie im Film.

    Und es war so queer wie die jeweiligen Spieler wollten. Meine Elfen waren berüchtigt. Seit dem gelten die in meinen Freundeskreis als pan...

    Und auch so klischermässig oder nicht - ein Mädel hat mal eine voll gerüstete Kriegerin gespielt, mal eine bauchfreie Hexe.
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#3 AlexAnonym
  • 23.10.2021, 16:47h
  • Ja, D&D war immer so queer wie die Spieler es haben wollten. Die neue Edition ist aber nicht für die alten Veteranen gemacht worden, sondern für die nächste Generation von neuen Spielern. (Und vor allem, neuen DMs) Und von daher ist es sinnvoll, der Phantasie den ein oder anderen Schubs zu geben.

    Die Alteingesessenen dürfen ja gerne weiter 2nd Edition spielen - nur mit elitärem Gehabe werden diese keine neuen Spieler begeistern können - nur mal so am Rand angemerkt. Man muss 5E nicht deswegen schlechtreden, weil es etwas einfacher (und damit Beginnerfreundlicher) aufgebaut ist.

    Das letzte Wort bei den Regeln und beim Worldbuilding hat ohnehin immer der Meister. Daran hat sich nichts geändert.
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#4 HexeAnonym
  • 23.10.2021, 23:08h
  • Antwort auf #2 von Eulenspiegel
  • Haus-Regeln sind super! Viele der original Regeln machen ja auch oft keinen Sinn im bestimmten Situationen oder ab gewisser Level.

    Ich wollte mich eigentlich gar nicht so anhören wie ne alte Oma die über die Jugend schimpft.

    Aber irgendwie tun die mir leid.
    Dieses (Over)Powerplay..
    Naja jeder Generation das seine..

    Ich mag es old school. Magisches Geschoss, Feuerball..

    Hinterhältiger Schaden, Taschendiebstahl und Schleichen..

    Und natürlich sind Elfen Homos :D
    So wie alle Tieflinge Trans sind.
    Logisch!

    :P
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#5 LegatProfil
  • 24.10.2021, 15:26hFrankfurt am Main
  • In meiner Jugend waren wir alle viel zu zugeknöpft, um Sexualität im Rollenspiel überhaupt zu thematisieren. Später habe ich als Spielleiter immer mal wieder versucht das reinzubringen, aber entweder lief das dann auf total spätpubertärem Niveau oder wurde pikiert abgelehnt. Mein schwuler Kumpel mit dem ich lange Jahre in einer Runde war, war der einzige, mit dem da mal irgendwas lief, aber unsere Hetenfreunde wollten generell keine Sexualität im Rollenspiel.

    Ist das für junge Spieler:innen heutzutage denn so anders? Wie sind da eure Erfahrungen?

    Das queerste an vorgefertigten Fantasy Abenteuern ist aktuell übrigens nicht D&D 5th Edition sondern Pathfinder. Da komt sogar mal ein Trans* Charakter mit wichtiger Rolle vor.
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#6 ShoggothAnonym
  • 26.10.2021, 10:02h
  • "Fans, die das fortschrittliche Lifting des zwischenzeitlich etwas angestaubten Klassikers genießen wollten, hatten sich seit 2014 mit englischsprachigen Regel- und Quellenbüchern sowie Abenteuern im US-Original begnügen müssen."
    Das ist so leider nicht richtig. Die erste deutsche Übersetzung der fünften Edition hat Ulisses Spiele unter Lizenz schon 2017 auf den Markt gebracht.
    Jetzt hat sich nur WotC die Lizenz wieder ins eigene Haus geholt und eine eigene Übersetzung rausgebracht. Diese unterscheidet sich auch nur unwesentlich von der Ulisses-Version.

    Und klar: PnP ist so divers, wie die Spielenden das möchten. Trotzdem ist bei 5e ein eindeutiger Schritt seitens WotC zu mehr Diversität und Inklusivität zu erkennen. Das ist mitnichten bei allen PnP-Regelwerken der Fall. Oftmals findet dort keine Sensibilisierung für solche Themen statt.
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