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Evangelische Kirche
Latzel predigt als Stargast in unterfränkischer Gemeinde
Der Bremer Hasspastor, der Homosexualität für "todeswürdig" hält, geht offenbar auf Tournee: Am Wochenende wird er in Unterfranken predigen.

In Bremen predigt Hasspastor Olaf Latzel in seiner Kirchengemeinde weiter, als wäre nichts geschehen (hier am 24. Oktober) – und jetzt verbreitet er seine Botschaft auch in anderen Teilen Deutschlands
- 25. Oktober 2021, 14:17h 2 Min.
Die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde im unterfränkischen Rentweinsdorf bietet Hassprediger Olaf Latzel über mehrere Tage eine Plattform: Der 53-Jährige wird von Donnerstag bis Samstag an drei Abenden zu drei unterschiedlichen Themenabenden über die Nachfolge Jesu predigen. Am Sonntagmorgen soll er zudem beim regulären Gottesdienst einen Auftritt erhalten.
Für die Auftritte wirbt die Kirchengemeinde im Landkreis Haßberge unter anderem auf ihrer Facebook-Seite. Auch im Mitteilungsblatt der Verwaltungsgemeinschaft Ebern wurde für die Veranstaltung mit einem Bild Latzels unter der Rubrik "Besondere Gottesdienste" geworben.

Ein Gemeindemitglied zeigte sich gegenüber queer.de über den Auftritt entsetzt: "Ich bin gerade verzweifelt." Das Mitglied erklärte weiter, dass es keine einzige Person kenne, die sich den Auftritt wünsche. Auch die Ankündigung im Mitteilungsblatt hält es für ungehörig: "Das ist nun schon öfters vorgekommen, dass evangelische Fundamentalisten im amtlichen Mitteilungsblatt ihre Botschaften verbreiten dürfen."
Latzel ist Pastor in einer von 61 Kirchengemeinden der Bremischen Evangelischen Kirche. Er war im November 2020 vom Amtsgericht Bremen wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe von 8.100 Euro verurteilt worden (queer.de berichtete). Der Anlass: Der 53-Jährige hatte in einem auf Youtube veröffentlichten "Ehe-Seminar" Homosexualität als "Degenerationsform von Gesellschaft" und als "todeswürdig" bezeichnet, die LGBTI-Community als "Gender-Dreck" herabgewürdigt und CSD-Besucher*innen vorgeworfen, "Verbrecher" zu sein.
Latzel ging nach dem Urteil in Berufung. In diesem Anlauf gab es bereits Streit, weil das Gericht zunächst einen homofeindlichen Theologie-Professor, der für "Homo-Heilung" wirbt, als Experten befragen wollte (queer.de berichtete). Der Professor, der an einer evangelikalen Hochschule in Gießen lehrt, zog sich inzwischen aus dem Verfahren zurück (queer.de berichtete).
Trotz der Verurteilung in erster Instanz darf Latzel derzeit in Bremen weiterpredigen. Seine Predigten werden außerdem auf Youtube veröffentlicht. (cw)















