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"Abschiedsinterview"

Hirschfeld-Stiftung will weg vom Justizministerium

Die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld soll künftig an das Bundesministerium für Bildung und Forschung angebunden werden, fordert der scheidende Vorstand Jörg Litwinschuh-Barthel.


Das Türschild der Stiftung in der Berliner Mohrenstraße (Bild: BMH)

Jörg Litwinschuh-Barthel, der scheidende Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, hat die nächste Bundesregierung aufgefordert, die vor zehn Jahren gegründete Institution künftig beim Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) anzusiedeln. Bislang hat das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (BMJV) die Fachaufsicht. Die amtierende Justizministerin Christine Lambrecht (SPD) ist qua Amt Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung.

Die Anbindung an das BMJV sei 2011 "die richtige Entscheidung" gewesen, sagte Litwinschuh-Barthel in einem "Abschiedsinterview" mit dem Berliner "Tagesspiegel". "Wenn in den kommenden Jahren die rechtliche Gleichstellung erreicht ist, muss die gesellschaftliche Gleichstellung über Bildung und Forschung erzielt werden. Und deshalb würde ich es begrüßen, wenn die nächste Bundesregierung die Hirschfeld-Stiftung am Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) ansiedelt, weil dort mehr Querschnittsaufgaben und Zusammenarbeit auf inhaltlicher Ebene möglich sind."

Hoffnung auf größere Fördertöpfe


Jörg Litwinschuh-Barthel (Bild: BMH / Sabine Hauf)

Durch einen Wechsel erhofft sich der scheidende Vorstand auch eine bessere finanzielle Absicherung der Stiftung, die aktuell kaum Zinseinnahmen erzielt und auf Fördermittel des Bundes angewiesen ist. "Und das will ich auch ganz offen sagen: Natürlich hat so ein riesiges Haus wie das BMBF ganz andere finanzielle Mittel zur Verfügung", erklärte Litwinschuh-Barthel. "Das alles sage ich nach zehn Jahren sehr guter, vertrauensvoller Zusammenarbeit mit dem BMJV, die unheimlich viel vorangebracht haben."

Den Finanzbedarf bezifferte er auf "weit über eine Million Euro jährlich" – zurzeit erhält die Hirschfeld-Stiftung bis zu 700.000 Euro aus dem Bundeshaushalt.

Knatsch zwischen Stiftung und Ministerin

Ganz so reibungsfrei, wie es Jörg Litwinschuh-Barthel im "Tagesspiegel"-Interview darstellt, war das Verhältnis zwischen Stiftung und Justizministerium nicht immer. Erst in der vergangenen Woche schrieb etwa der Vorsitzende des Fachbeirats, Prof. Michael Schwartz, einen scharfen Protestbrief an Christine Lambrecht. Anlass war eine Antwort ihres Ministeriums auf eine Kleine Anfrage der FDP, in der Entschädigungen für lesbische Mütter, denen das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen wurde, abgelehnt und dies mit einer "unzureichenden Datenlage" begründet wurde (queer.de berichtete).

Schwartz wies in dem Schreiben, das queer.de vorliegt, darauf hin, dass die Hirschfeld-Stiftung zusammen mit dem Institut für Zeitgeschichte im Januar eine ausführliche Studie zum Thema veröffentlicht hatte (queer.de berichtete), Die Datenlage sei "in entscheidenden Punkten eindeutig geklärt", widersprach er der Justizministerin. Von der SPD-Politikerin würde er gerne erfahren, "warum gänzlich darauf verzichtet worden ist, auf jene interdisziplinäre Expertise zurückzugreifen, die im Fachbeirat der Bundesstiftung personell und materiell versammelt ist".

Litwinschuh-Barthel verlässt Stiftung am 9. November

Auf persönliche Veranlassung der Bundesjustizministerin war im Mai auch der Vorstandsposten der Hirschfeld-Stiftung erstmals öffentlich ausgeschrieben worden – obwohl Jörg Litwinschuh-Barthel in Community, Politik, Wirtschaft und Verwaltung hohes Ansehen genießt und sich viele eine weitere Amtszeit wünschten (queer.de berichtete). Der so düpierte Gründungsvorstand verzichtete schließlich darauf, sich auf seine eigene Stelle zu bewerben. Sein letzter Arbeitstag ist am 9. November 2021.

Die Nachfolge von Litwinschuh-Barthel wird im kommenden Jahr Dr. Gero Bauer antreten, bislang Geschäftsführer des Zentrums für Gender- und Diversitätsforschung an der Universität Tübingen (queer.de berichtete). Aus der Community wurde kritisiert, dass auf einen weißen schwulen Mann an der Spitze der Stiftung erneut ein weißer schwuler Mann folgt. (mize)



#1 StaffelbergblickAnonym
  • 26.10.2021, 18:30h
  • jo vollkommen richtige Entscheidung. Was hat diese Stiftung mit der Justiz zu tun? Forschung und Bildung ist das entscheidende Ministerium hierfür.
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#2 Felix-baerlinAnonym
  • 26.10.2021, 18:59h
  • Ein guter Vorschlag.
    Bereits das Bundesnetzwerk Schule der Vielfalt hatte die eigene Zuordnung an das BMBF empfohlen. Hoffentlich schafft es die neue Bundesregierung, eine koordinierte und fachlich kompetente LSBTIQ*-Akzeptanzarbeit in diesem Ministerium anzusiedeln.
    Und dann kommt es noch auf den_die Minister:in an, was die Erfahrungen der Vergangenheit sowohl beim Bildungs- wie auch beim Justizministerium gezeigt haben. Good luck!
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#3 dellbronx51069Anonym
  • 27.10.2021, 08:05h
  • Schon wieder ein weisser schwuler Mann.?
    Warum hat die Ministerin sich nicht persönlich dafür eingesetzt, das eine nichweisse lesbische Frau diesen Posten erbt? Oder gab es keine geeigneten lesbischen Kandidatinnen? Oder Transpersonen?
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