Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?40332

Berliner Volleyball-Meister

Benjamin Patch: Homophobie im Sport "Spiegelbild der Kultur"

Der queere Sportler beklagt Homosexuellenhass im Sport, sieht aber auch positive Entwicklungen.


Benjamin Patch wurde mit den Berlin Recycling Volleys deutscher Meister und Pokalsieger (Bild: Instagram / benpatch13)

  • 27. Oktober 2021, 11:18h, noch kein Kommentar

Benjamin Patch vom deutschen Volleyball-Meister Volleys Berlin hat die diskriminierenden Tendenzen im Sport angeprangert. "Im Allgemeinen denke ich, dass es in allen Sportarten Homophobie gibt. Das ist das größte Problem", sagte der 30 Jahre alte Diagonalangreifer dem "Tagesspiegel" (Bezahlartikel) und ergänzte: "Ich habe selbst miterlebt, wie Spieler sich gegenseitig umarmen und dabei realisieren, dass sie womöglich für schwul gehalten werden könnten."

Zugleich kritisiert der Amerikaner die Sexualisierung von Frauen. Er halte es "für problematisch, wie unter Athleten über Frauen geredet wird – das ist so veraltet. Wie Frauen sexualisiert, entmachtet und auf ihre Körper reduziert werden, ist toxisch." Patch analysiert das Verhalten mit der Unsicherheit von Männern im Umgang mit Männern: "Dann ist der einzige Weg, sich unter seinesgleichen wohlzufühlen, jemand anderen herabzustufen. Und viele Männer denken, das sei bei Frauen leichter, weil sie sich physisch überlegen fühlen."

Allerdings sieht der Volleyball-Profi Tendenzen der Veränderung: "In der Politik sieht man zunehmend Frauen in Führungsrollen und auch im Sport treten immer mehr Männer dafür ein", sagte Patch. Viel wichtiger sei aber der tägliche Umgang der Athleten untereinander, "zum Beispiel auf Busfahrten oder in der Umkleide, wenn sie sich gegenseitig Fotos von Frauen" zeigten. "Ganz ehrlich: Wäre es umgekehrt und homosexuelle Beziehungen wären üblicher als heterosexuelle Beziehungen, und ich würde anderen Leuten auf meinem Handy Bilder von nackten Männern zeigen, wären alle angeekelt", so Patch. In seinem aktuellen Team herrsche dieses Verhalten nicht vor, "aber allgemein ist das, was hinter verschlossenen Türen passiert, ein Spiegelbild der Kultur im Leistungssport".

Patch hatte vor einem Jahr öffentlich gemacht hatte, queer zu sein – als erster Sportler einer deutschen Profiliga (queer.de berichtete). Damals erklärte der er: "Ich sage nicht, dass ich schwul bin und ich sage nicht, dass ich hetero bin, denn für mich bedeutet queer sein, offen zu sein."

Im "Tagesspiegel" outete sich der im Mormonenstaat Utah aufgewachsene Patch auch als Fan der "Ballroom"-Szene und der queeren Fernsehserie "Pose", obwohl er generell wenig Fernsehen schaue. Die Schauspielerin MJ Rodriguez sei eine seiner engsten Freundinnen. (dpa/cw)