Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?40338

Religion

Queere Buddhist*innen aus aller Welt trafen sich online

Bei der ersten "International Queer Buddhist Conference" (IQBC) trafen sich über 300 Personen auf Zoom, um Vorträge zu hören, in Workshops zu diskutieren und gemeinsam zu meditieren.


Drei von über 300 Teilnehmer*innen der ersten "International Queer Buddhist Conference" (Bild: Screenshot Zoom)

Die erste "International Queer Buddhist Conference" (IQBC) fand am 23. und 24. Oktober online statt. Thema war ein engagierter Buddhismus, der sich aktuellen Problemen und Herausforderungen stellt und eben keine weltabgewandte Glaubensreligion sein will. Mehr als 300 Personen aus der ganzen Welt waren dabei, um auf Zoom Podiumsdiskussionen zuzuhören, in Workshops zu diskutieren und gemeinsam zu meditieren.

"Schon seit mehreren Jahren – lange vor der Pandemie – merkte ich, dass ich als lesbische non-binäre Frau bei verschiedensten Veranstaltungen entweder mit Vorurteilen konfrontiert oder knallhart gemobbt wurde", erklärte Organisatorin Dr. Rotraut Jampa Wurst zu der Veranstaltung. "Vielen meiner queeren Freund*innen geht es ähnlich, egal ob dies Berufliches betrifft oder Familie/Verwandtschaft etc. Daher machte ich es mir zur Aufgabe, eine Konferenz zu organisieren, die einen 'safe space' für alle Menschen ermöglicht, die nicht in die heteronormative cis-gender Gesellschaft passen. Ich freue mich schon auf viele folgende IQBCs."

Praktizierende und Dharmalehrer*innen vieler Richtungen dabei

Die Themen hatten einen Fokus auf Buddhismus und Feminismus, Queerness sowie Diskriminierung und den Möglichkeiten, gegen diese vorzugehen. Auch die Frage nach Möglichkeiten des Zusammenhalts in der Community wurde gestellt: "Peace in the Community: How can we work together respectfully and effectively, and gain societal support?"

Die Veranstaltung war traditionsübergreifend, und so waren Praktizierende und Dharmalehrer*innen vieler Richtungen vertreten: Tibetischer Buddhismus, Theravada, Zen, Shingon, Jodo Shu, Jodo Shinshu und viele mehr. Gerade der japanische Pure-Land-Buddhismus ist gegenüber queeren Menschen sehr inklusiv – so wurden etwa nach dem Zweiten Weltkrieg in Tempeln in Amerika die ersten gleichgeschlechtlichen Ehen gefeiert. Die US-amerikanische Gesellschaft zeigte sich weniger tolerant.

Todesdrohungen gegen schwulen Mönch

An der Konferenz sprachen auch viele Ordinierte. Ven. Ayya Yeshe zeichnete in ihrem Vortrag "The Accidental Nun of the Slum" ein sehr drastisches Bild über die Lage von Frauen, aber auch von marginalisierten Gruppen wie queeren Menschen, die sie aus ihrer Erfahrung in sozialen Projekten in Indien gewonnen hat.

Yen. Ayya Vimala, Bhante Akaliko und Bhante Sumano reflektierten ihre Lage als Ordinierte in einer Tradition, die sich schwer tut mit Gleichberechtigung zwischen Mönchen und Nonnen, aber oft auch queere Menschen von der Ordination ausschließt. Schockierend war der Bericht von Bhante Akaliko, der als schwuler Mönch von Menschen, die sich als Buddhist*innen bezeichnen, Todesdrohungen erhält. Dass dies niemals im Einklang mit buddhistischen Werten steht, diskutierte Ven. Thich Nu Tinh Quang in ihrem Beitrag "What the Buddha said about LGBTQ".

Buddhistische Perspektive auf "Love, Lust and Loneliness"

In einem weiteren Invited Talk sprach Bhante Akaliko über eine buddhistische Perspektive auf "Love, Lust and Loneliness". Der Vortrag "Gender & Variability (Dis/Ability) – a Queer Buddhist Perspective" beschäftigte sich mit Menschen, deren Körper und Geist von der gesellschaftlich definierten Norm abweichen und die von der Gesellschaft in Folge an der Teilnahme behindert werden.

In dem Vortrag "Possibilities of Buddhist Peacemaking" berichtete Shelley Anderson über ihre Erfahrungen, Schulung und Untersuchung Gender-sensitiver, aktiver, gewaltfreier Konfliktlösungsformen. Sie wurde 2005 für den Friedensnobelpreis zusammen mit 1.000 anderen Frauen nominiert, die unterschiedliche Modelle sichtbar machen, wie man in schwierigen, manchmal hoffnungslos erscheinenden Situationen, kreativ und erfolgreich Konflikte löst.

Ken Ireland berichtete von der Aids-Krise und wie die amerikanische Hospizbewegung von Zen-Buddhist*innen gegründet wurde. Er erinnerte an die Zeit, in der die Überlebenden oft ihren ganzen Freundeskreis durch das HI-Virus verloren .

Vorträge sollen veröffentlicht werden

Dies ist nur ein Ausschnitt der Themen, die an den beiden Tagen stattfanden. Das vollständige Programm findet sich auf der Website der Konferenz. Die Vorträge und Schriften sollen in den kommenden Wochen veröffentlicht werden. Die Veranstalter*innen hoffen, dass die IQBC der Auftakt einer Reihe von Konferenzen wird, die zeigen, wie sich buddhistische Philosophie und Praxis nutzen lässt, Barrieren zwischen Menschen niederzureißen.

In buddhistischen Schriften wird Harmonie nicht nur in zwischenmenschlichen Beziehungen, sondern insbesondere in sozialen Gemeinschaften thematisiert. Dieser wichtige Teil der Befreiung wurde über Jahrtausende in einem patriarchalen Kontext interpretiert, der oft das, was nicht der patriarchalen Norm entsprach, deklassierte und für unmaßgeblich erklärte. Die Veranstalter*innen der IQBC hoffen, dass die Konferenz einen Beitrag leisten kann, dies zu ändern. (cw)



#1 Nein Nein NeinAnonym
#2 LegatProfil
  • 28.10.2021, 10:34hFrankfurt am Main
  • Wunderbar, genau so sollten Religionsgemeinschaften ihre Obsession untereinander aushandeln. Kein Grund, dafür weltanschaulich neutrale CSDs zu kapern, wie das aktuell mal wieder die Christen in Berlin versuchen. Gut, dass queere Buddhisten hier ein besseres Beispiel vorleben.
  • Antworten » | Direktlink »
#3 SakanaAnonym
#4 DharmaBuddyProfil
  • 28.10.2021, 15:05hMainz
  • Antwort auf #3 von Sakana
  • Im Buddhismus ist die Ehe kein Sakrament. In den überlieferten Schriften Buddhas wurde die Ehe weder empfohlen noch abgelehnt, sondern nur diskutiert, wie man eine respektvolle Beziehung führen kann. Wenn Buddhist:innen ihre Ehe segnen lassen, dann tun sie das nicht vor einem Gott, sondern weil es ist die Besinnung auf eine Ethik, die ihnen hoffentlich hilft, eine harmonische Beziehung zu führen - und weil sie es feiern wollen.

    Die queeren Menschen, die nach dem zweiten Weltkrieg in die Jodo Shinshu-Tempel gingen, war zum Großteil noch nicht einmal Mitglied im Tempel, sondern suchten lediglich einen geschützten Ort, in dem sie mit Freund:innen feiern konnten. Die Shin-Buddhist:innen haben ihnen geholfen, denn sie vertreten eine Ethik, die es gebietet, allen zu helfen, die sich mit einem ernsthaften Anliegen an sie wenden.

    Es haben auch queere Mitglieder der Tempelgemeinschaften dort ihre Beziehung gefeiert, weil sie gleichberechtigt in ihren Gemeinschaften leben wollen. Und diese Shin-Buddhisti:innen kämpfen seit geraumer Zeit für die Rechte der queeren Community. Ein gutes Beispiel ist der Star Trek-Darsteller George Hosato Takei.

    Niemand muss die Shin-buddhistische Ethik teilen. Aber ich meine, dass die queere Community ein Mindestmaß an Respekt haben sollten vor Gemeinschaften, die sie immer unterstützt haben, ohne Bedingungen zu stellen, ohne zu missionieren usw. Sie sind Teil ein Teil der Vielfalt in den USA, sie kämpfen für diese Vielfalt, da sie erfahren mussten, wie sie im zweiten Weltkrieg interniert wurden. Takei hat viel darüber geschrieben. Niemand ist gezwungen, diese Art des Buddhismus gut zu finden. Aber ich sehe keinen Grund, die Leistung dieser Allys in Frage zu stellen oder schlecht über sie zu reden. Sind Teil der Vielfalt und stehen neben uns und helfen uns.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 SakanaAnonym
  • 28.10.2021, 15:32h
  • Antwort auf #4 von DharmaBuddy
  • Danke für deine ausführliche Beschreibung!

    Mein Kommentar bezog sich auch mehr auf eine andere Diskussion, die hier immer noch erbittert geführt wird an anderer Stelle.

    Es stimmt schon, dass es sehr vorteilhaft sein kann, wenn religiöse Gemeinschaften selbstlos und ohne Hintergedanken queeren Menschen Schutzräume anbieten, damit sie Ruhe von der Welt finden können. Meiner Einschätzung nach haben buddhistische Klöster und Gemeinschaften da tatsächlich einen Vorsprung gegenüber christlichen Kirchen, die in so mancher "religiöser Ideologie" verhaftet sind.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 DharmaBuddyProfil
  • 28.10.2021, 16:03hMainz
  • Antwort auf #5 von Sakana
  • Entschuldige, ich habe mich bei dem Kommentar verklickt. Ich habe ich auf einen Kommentar bezogen der sagte, dass die Eheschließungen in Shin-buddhistischen Tempeln gesellschaftlich nichts bewirkt haben. Und ich meine, das hat es. Die Japaner wurden in den USA im zweiten Weltkrieg in Camps interniert. Und aus dieser Erfahrung beschlossen Shin-Buddhisten allen zu helfen, speziell denjenigen, die gesellschaftlich ausgeschlossen wurden wie sie. Diese Hilfe ist in ihrer Ethik quasi ein No-Brainer - nicht zu helfen ist keine Option.

    Wie viel "besser" der Buddhismus wirklich ist, wird sich zeigen. Die Deutsche Buddhistische Union und auch einige Mitgliedsgemeinschaften unterstützen die Konferenz. Der Grund ist klar - es gibt auch im Buddhismus patriarchale Strukturen. Und darüber muss geredet werden.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 Girlygirl
  • 28.10.2021, 16:19h
  • Antwort auf #5 von Sakana
  • Ich spreche ein Lob an alle LGBT und Frauen freundlichen Buddhist:innen aus. Dennoch komme ich nicht umhin anzumerken, wie wenig die meisten (westlichen) Menschen über die buddhistische Community außerhalb Europas/Nordamerika wissen. Buddhist:innen werden oft als bessere Religiöse angesehen und das ist falsch. Der blutige Bürgerkrieg in Sri Lanka zwischen der buddhistischen Mehrheit und der hinduistischen (und christlich/muslimischen) Minderheit passt mal so gar nicht ins Bild. Und selbst der Genozid und Verfolgung an den muslimischen Rohingya begangen von dem mehrheitlich buddhistischen Myanmar ist schon längst wieder vergessen. Thailand, ein buddhistisches Land, ebenfalls kein Beispiel für Menschenrechte und Fortschrittlichkeit. Selbstverständlich haben die "Queeren Buddhist:innen aus aller Welt" damit nichts zu tun, genauso wenig wie tolerante Muslim:innen, Christ:innen oder Jüd:innen. Ich möchte damit sagen, dass der Buddhismus im allgemeinen keine bessere Religion ist als die drei Weltreligionen.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 SakanaAnonym
  • 28.10.2021, 17:08h
  • Antwort auf #7 von Girlygirl
  • Hab ich im Übrigen auch nicht behauptet. Meines Wissens nach definiert sich der Buddhismus eher in Richtung Ethik als Religion, aber natürlich ist es nicht ausgeschlossen, dass sich einige Untersekten ihrer "religiösen Ideologie" folgend in fast genozidalen Diskursen andere gesellschaftliche Gruppen betreffend ergehen und auch zu Morden bereit sind. Der buddhistische Mönch Ashin Wiratu wird auch deshalb nicht grundlos als "Hitler von Myanmar" betitelt in seinem Hass gegenüber den muslimischen Rohingya.

    www.stern.de/politik/ausland/ashin-wirathu-aus-myanmar--der-
    buddhistische-moench--der-nur-hass-kennt-7628978.html


    Deshalb sind solche Veranstaltungen wie diejenige der queeren Buddhist:innen weltweit so wichtig, um auch da vermitteln zu können, dass es auch andere menschlichere Wege des Buddhismus gibt.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 DestroyaAnonym
  • 28.10.2021, 17:58h
  • Antwort auf #7 von Girlygirl
  • Ich denke schon dass es eine bessere Religion an sich ist, denn es gibt fundamentale Unterschiede zu den Abrahamiten im Bezig auf Queers.

    Der erste ist, dass niemand sich zum Dharma bekennen muss. Abrahamiten setzen den Glauben für das Recht auf Leben und Besitz voraus.
    Von Ungläubigen darf Geld verlangt werden, ihr Land genommen werden und sie getötet werden.

    Yehova sagt dass er das Land der Heiden an die Gläubigen geben wird und dass das Schwert sie vertilgen soll.
    Im Alten Testament heißt es sogar, dass wer von seinen Gläubigen nicht seinem Wort gegen die Heiden folgt, bestraft wird.

    Es heißt auch, dass man einen Mann der bei einem Mann wie bei einer Frau liegt, nicht am Leben lassen soll.

    Es mag sein, dass es auch Buddhisten gibt, die ähnlich denken, aber ist es nicht Teil der Lehre einer Buddhistischen Schule oder gar irgendein Grundsatz im Buddhismus.

    Im Buddhismus sind grundsätzlich Handlungen zu vermeiden, die zu Leid führen und die aus reiner Begierde begangen werden. Das kann z.B. auch ungeschützter Sex sein oder Außerehelicher Sex, der zu sozialen Dramen führt. Das sidn aber keien Gesetzte eines Gottes, sondern Regeln die auf der Überlegung um die Folgen des eigenen Handels beruhen.
  • Antworten » | Direktlink »
#10 LegatProfil