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München

Elektriker soll Männer auf deren Wunsch hin kastriert haben

Ein Elektriker soll ohne Fachkenntnisse mehrere Personen am Penis verstümmelt haben. Jetzt steht der Mann in München vor Gericht.


Das Landgericht München muss in dem Fall entscheiden (Bild: pixel2013 / pixabay)

  • Von Ralf Isermann, AFP
    28. Oktober 2021, 14:01h, 7 Kommentare

Die stoppeligen Haare von Horst B. sind grau, die Augenbrauen sind grau und selbst der Kapuzenpullover, den der 66-Jährige am ersten Prozesstag trägt, ist grau. Unscheinbar wirkt B. – doch vor dem Landgericht München II steht der gelernte Elektriker, weil er an den Abgründen der menschlichen Sexualität operiert haben soll, und das im wahrsten Sinn: B. soll Männer auf deren Wunsch hin kastriert und am Penis verstümmelt haben.

Weil ein Mann Tage nach der laienhaft vorgenommenen Kastration starb, ist B. wegen Mordes durch Unterlassen angeklagt. Er soll mitbekommen haben, dass der Mann als Folge des Eingriffs massive gesundheitliche Probleme bekam, aber nicht geholfen haben. Dazu kommt eine Reihe von Körperverletzungsdelikten – B. droht in dem bis Ende November geplanten Prozess eine lange Haftstrafe.

Motiv: Geldnot

Die Anklage der Staatsanwaltschaft strotzt vor Details, die fassungslos machen. Eine sich aufdrängende Frage ist, was B. antrieb – und eine andere, was seine freiwilligen Opfer antrieb. In dem Prozess geht es vor allem um die erste Frage, und die ist für die Staatsanwaltschaft beantwortet: Aus Geldnot soll B. gehandelt haben, nicht aus sexuellen Motiven.

Der Elektriker, der immer wieder in finanzielle Schieflage geriet, soll nach dem Krebstod seiner dritten Frau wieder pleite gewesen sein. Ein Arbeitskollege soll ihm dann von bezahlten sadistischen und masochistischen Aktivitäten im Internet berichtet haben.

2018 soll der hagere B. im Internet "Behandlungen" wie Stromschläge angeboten haben. Schon nach kurzer Zeit soll er dann in Chatgruppen für "Kastration" oder "Männerkastration" mehr angeboten haben – nämlich schwere Eingriffe an den Geschlechtsorganen der Männer.

Im Juni 2018 fand B. sein erstes Opfer. "Aus einem inneren Zwang heraus" habe dieser Mann jemanden gesucht, der ihn kastriert, erklärte die Staatsanwaltschaft. Die beiden tauschten sich per SMS aus, schon im Juli kam es zum Eingriff.

Auf seinem Küchentisch entfernte B. dem Mann die Hoden. Anschließend zahlte der Mann 1.200 Euro. Dabei erschließt sich nicht, wie die Opfer so leicht Vertrauen zu B. fassen konnten. Er wirkt wenig charismatisch, seine Art eher mürrisch.

Angeklagter soll Opfer angelogen haben

Nach Auffassung der Anklage konnte B. seine Opfer mit einer Lüge letztlich vom Eingriff überzeugen: Er gab stets an, ausgebildeter Rettungssanitäter zu sein. In Kombination mit seinen Operationswerkzeugen hätten diese ihm geglaubt und sich ihm anvertraut.

Insgesamt acht Personen ließen sich von B. operieren, darunter eine trans Person, die ihre Hoden entfernt haben wollte. Ein weiterer Mann sah sich selbst als pornosüchtig an.

Der Mann suchte zusammen mit seiner Ehefrau nach Abhilfe. In mehreren Eingriffen ließ sich der Mann von dem Elektriker am Penis herumschneiden, beim schwersten Eingriff entfernte B. drei Zentimeter davon.

In allen Fällen brachte B. nach Auffassung der Staatsanwaltschaft das Leben seiner Opfer in Gefahr, weil er vollkommen unzureichend arbeitete. Im Fall des tatsächlich gestorbenen Manns ist der Fall indes juristisch am umstrittensten.

Richter Thomas Bott sagte, der bisher angeklagte Mord durch Unterlassen, der auch mit einer milderen Strafe verurteilt werden könnte, könne womöglich auch als aktiver Mord verurteilt werden. Dann würde B. auf jeden Fall eine lebenslange Haft drohen. Entscheidend könnte hier die Glaubwürdigkeit von B. werden – direkt am ersten Verhandlungstag entlarvte der Richter dessen Neigung zum Lügen.

Im Fall des Toten muss das Gericht auf Grund der vorliegenden Beweise entscheiden. Im Fall der anderen Opfer wird es Zeugenvernehmungen geben. Dann wird vielleicht klarer, aus welchen Motiven sich die Opfer kastrieren oder den Penis verstümmeln ließen.



#1 StaffelbergblickAnonym
  • 28.10.2021, 14:41h
  • Wow ... die Abgründe einer fragwürdigen Internetkommunikation tun sich auf. Ich stelle mir gerade vor, wie auf dem Küchentisch sich Männer kastrieren und teilweise entmannen lassen. Was geht in diesen Menschen vor, selbst bei psychischem "Bedarf" sich so unprofessionell "behandeln" zu lassen. Aber andererseits reicht auch ein Blick ins Netz. Selbst in den blauen Seiten gibt es fotografische "Dokumente" wie manche Männer Hoden und Hodensack malträtieren.
    Mich würde interessieren, wie die kastrierten Männer inzwischen ihren Testosteronbedarf therapieren.
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#2 RealistInAnonym
  • 28.10.2021, 14:58h
  • Antwort auf #1 von Staffelbergblick
  • >>Abgründe einer fragwürdigen Internetkommunikation

    Ich kann dich beruhigen, es gibt keinen Grund, die digitale Welt zu verteufeln: Diese Art der Kommunikation hat nichts mit dem Internet zu tun und ist auch in entsprechenden Subkulturen analog zu finden.
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#3 Girlygirl
  • 28.10.2021, 16:34h
  • Antwort auf #1 von Staffelbergblick
  • Gar nicht, die Trans Frau nimmt wahrscheinlich Östrogen ein. Eine Kastration bei erwachsenen Männern ist zwar nicht gesund aber sie wird manchmal auf Wunsch durchgeführt bei pädophil veranlagten Männern oder Vergewaltigern, um einer Sicherheitsverwahrung oder längeren Haftstrafe zu entgehen. Im Artikel stand ja auch was von einem Pornosüchtigen, wahrscheinlich wollte er eine weniger ausgeprägte Libido.
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#4 queergayProfil
  • 28.10.2021, 23:48hNürnberg
  • Keinesfalls dürfen derartige Kastrations-Spielchen und Entmannungs-Praktiken bzw. OP-Sex-Eingriffe verharmlost oder gar schöngeredet werden, nur weil es manchen als potentielle Fetisch-Variante in den Kram passt.
    Auch wenn es Leute gibt, die solche 'Action' erregt und als vermeintlichen Sex-Traum ansehen, den es zu realisieren gilt. Es geht hier um Körperverletzung und Verstümmelung, die sogar tödlich enden kann. Und wer sich sowas wünscht, der sollte wirklich besser psychologische Hilfe suchen.
    Im Netz gibt es Sex-Portale, wo man sexuell motivierte Hoden-Penis-Verstümmelungen und Kastrationen im Videoformat sehen kann. Hochgeladen von privater Seite, weil es ja angeblich so geil wäre. Für mich sind solche Praktiken keine Sex-Praktiken, sondern irgendwie krankhaft und wahnhaft angesiedelt. Auch wenn sich sowas mancher wünschen mag, so hat keiner das Recht oder die Pflicht zu einer entsprechenden Wunscherfüllung dieser Extrem-Fantasie.
    Leider lassen die Portal-Betreiber solche Videos meistens im Netz, auch wenn man sie auf den fürchterlichen Inhalt hinweist. Und leider werden manche beim Zuschauen erst dazu angeregt, diesen "Kastrations-Kick" nachmachen bzw. erleben zu wollen.
    Der Angeklagte im geschilderten Prozess verdient keine Nachsicht oder gar Verständnis, weil das ja angeblich nur ein spezielles und ungewöhnliches Fetisch-Spiel für 1.200,- Euro war, das der arme Verstorbene unbedingt erleben wollte.
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#5 SWATklinNZProfil
  • 29.10.2021, 00:39hAhipara
  • Antwort auf #1 von Staffelbergblick
  • Mit dem Internet hat wohl lediglich zu tun, dass die sich in einschlägigen Foren, Chatgruppen leichter finden. Da gibt es diese sexuellen Fetisch - und Sadismus-Foren. Man würde kaum glauben, was Menschen alles mit sich veranstalten lassen, für einen Funken des Geschmacks von Liebe, oder dem, was sie dafür halten. Bei Leuten mit einer gewaltvollen Prägung kann das sein, ausgerechnet ähnliche Erfahrungen dann wieder zu suchen. Andere haben ins Extreme gesteigerte Zwänge oder Fantasmen. Das kann auch mit Erniedrigung oder eingebläuter Minderwertigkeit zu tun haben. Wie du schon erwähntest, spezifisch blaue Seiten, da kanns einem das Fürchten lehren, was sich Manche selbst antun, oder bei Andermann erhoffen.

    Für Transfrauen mag das einfach die Not sein. Wem das bisher nötige Verfahren, durch die Quälerei-Waschstraße einer Selbstentblößung gehen zu müssen, und sich psychiatrisch die Fleischbeschau zu holen, zu anstrengend ist, zumal das persönlich degradierend und zur Erkrankten abstempelnd und ganz schön teuer wird, wählt vielleicht manch Eine die anonymere Methode. Auch wenn das Risiko hoch ist, dass da Verletzungen schlecht abheilen oder eine Wundinfektion folgt.

    Auch wegen solchen Notlagen ist es wichtig, dass diese auf der anderen Seite gesetzzlich ermöglichte Form von "Alternativwegen" cht und mit einem den Betroffenen dienlichen Gesetz reformiert oder ausgetauscht wird - dies m Rande.

    Wenn einer aus Geldnot solche Stümper-OP's durchführt, muss aber noch mehr dahinter stecken. Er hätte sich ggf. einfach Arbeit suchen können. Grade im ungelernten Bereich lässt sich doch auch was Einfacheres finden, also da stimmt wohl doch einiges mental auch nicht so wirklich.
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#6 Anonyma
  • 29.10.2021, 12:21h
  • Antwort auf #3 von Girlygirl
  • Dein Kommentar ist eine absolute Katastrophe. Nicht nur, dass Du trans Frauen einfach mal so als "kastrierte Männer" betrachtest (Staffelbergblick hatte konkret danach gefragt, wie denn wohl die von diesem Elektriker KASTRIERTEN MÄNNER ihr TESTOSTERON nun substituieren würden) - nein, Du musst selbstverständlich zur Dekoration dieses an sich schon extrem toxischen Narrativs auch noch einen Schlenker zu Pädophilen, Vergewaltigern und Pornosüchtigen einbauen... Wer solche "Verbündeten" wie Dich hat, braucht definitv keine Feinde mehr.
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#7 Girlygirl
  • 29.10.2021, 14:21h
  • Antwort auf #6 von Anonyma
  • Ich glaube, da hast du was falsch verstanden. Ich habe den Artikel gelesen und da steht: "Insgesamt acht Personen ließen sich von B. operieren, darunter eine trans Person, die ihre Hoden entfernt haben wollte." Queer.de hat in der Überschrift die Trans Person (die ich in meinem Kommentar als Trans Frau bezeichnet habe) ignoriert, nicht ich. Ich würde Trans Frauen nie als Männer bezeichnen und falls es anders rübergekommen ist, ist es ein Missverständnis. Meine Aussagen zu Pornosüchtigen, Pädophilen und Vergewaltigern waren rein sachlicher Natur und kein Gutheißen solcher Praktiken. Ich habe lediglich Fakten wiedergegeben.
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