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Gesetzentwurf Anfang 2022

Großbritannien prüft Verbot von "Konversionstherapien"

Die Gleichbehandlungsministerin nennt Pseudo-Therapien gegen Homo- oder Transsexualität "abscheulich". LGBTI-Aktivist*innen und die Opposition kritisieren aber viele geplante "Schlupflöcher".


Liz Truss, hier bei einem USA-Besuch im Juli, ist seit 2019 britische Gleichbehandlungsministerin und seit wenigen Wochen außerdem Außenministerin (Bild: U.S. Department of Agriculture / flickr)

  • 29. Oktober 2021, 12:10h, noch kein Kommentar

Großbritannien prüft ein Verbot sogenannter Konversionstherapien, bei denen die sexuelle Orientierung und Geschlechtsidentität von "Patientinnen" und "Patienten" gezielt geändert werden soll. Anfang 2022 könnte nach einem öffentlichen Konsultationsverfahren ein Gesetzentwurf vorgelegt werden, um das Anbieten solcher Behandlungen unter Strafe zu stellen, teilte London am Freitag mit.

Darin vorgesehen wären nach Angaben des Gleichbehandlungsbüros der Regierung Haftstrafen von bis zu fünf Jahren für Menschen, die Konversionstherapien vornehmen. Die Regelungen sollen nur in den Landesteilen England und Wales gelten. Schottland müsste wegen seiner Teilautonomie ein eigenes Gesetz beschließen, ebenso wie das zum Königreich gehörende Nordirland sowie britische Kronbesitzungen und Überseegebiete.

"In unserer Gesellschaft sollte es für die abscheuliche Praxis von Zwangs-Konversionstherapien keinen Platz geben", erklärte die Ministerin für Frauen und Gleichbehandlung, die Tory-Politikerin Liz Truss, die außerdem britische Außenministerin ist. Sie wolle, dass in Großbritannien jeder und jede in der Lage sei, "zu lieben, wen sie möchten, und sie selbst zu sein".

Richten würde sich das neue Gesetz den Angaben zufolge gegen alle, die unter 18-Jährige einer sogenannten Konversionstherapie unterziehen, oder dies bei Erwachsenen praktizieren, die dem nicht aus freiem Willen zugestimmt hätten. Die Regeln, nach denen die Zustimmung bewertet würde, würden "robust und streng" ausfallen, betonte das Gleichbehandlungsbüro. Nicht als "Konversionstherapie" eingestuft werden demnach bestimmte Praktiken und Aussagen, die sich über die Religion definieren.

Viel Kritik an "Schlupflöchern"

LGBTI-Organisationen und die oppositionelle Labour-Partei kritisierten die Ausnahmeregelungen für religiöse "Konversionstherapien" und für Erwachsene. LGBTI-Aktivist*in Christie Elan-Cane erklärte etwa auf Twitter: "Ist das 'Fortschritt'? Wohl kaum. Statt die schädliche Praxis der 'Konversionstherapien' zu verbieten, schlägt die britische Regierung ein Papier voller Schlupflöcher vor."

Twitter / ChristieElanCan

Auch Labour-Schattengleichbehandlungsministerin Anneliese Dodds kritisierte den Entwurf. Es sei "erstaunlich", dass darin angenommen werde, dass Betroffene "diesen heimtückischen Praktiken aus religiösen Gründen 'zustimmen' können".

Twitter / AnnelieseDodds

In Deutschland sind "Konversionstherapien" seit dem vergangenen Jahr verboten (queer.de berichtete). Verstöße können mit einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr bestraft werden. Allerdings gibt es auch in diesem Gesetz Ausnahmen, etwa für über 18-Jährige. (AFP/dk)