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Berlin

Trans Aktivist ist Ko-Chef der Bundesstiftung Gleichstellung

Arn Sauer und Lisi Maier treten am Montag ihre Ämter als erste Direktor*innen der neuen Bundesstiftung Gleichstellung an. Die Errichtung hatten Union und SPD im Bundestag beschlossen.


Arn Sauer bei einer vom Bundesverband Trans* organisierten Podiumsdiskussion (Bild: BVT*)
  • 30. Oktober 2021, 06:48h, noch kein Kommentar

Mit Arn Sauer und Lisi Maier treten zum 1. November 2021 ein trans Mann und eine cis Frau ihre Ämter als Direktor*innen der Bundesstiftung Gleichstellung an. Nachdem die Stiftung im Mai dieses Jahres per Gesetz errichtet wurde, nimmt damit das geschäftsführende Organ der Stiftung seine Arbeit auf.

"Ich freue mich sehr, dass wir mit Lisi Maier und Dr. Arn Sauer ein innovatives und engagiertes Tandem für die operative Leitung der Bundesstiftung Gleichstellung gewinnen konnten", erklärte die geschäftsführende Bundesfamilienministerin Christine Lambrecht (SPD) im Namen des Stiftungsrates am Freitag in einer Pressemitteilung. "Ich bin mir sicher, dass die Stiftung unter ihrer Leitung die Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland beschleunigen wird. Beiden wünsche ich für ihre neuen Aufgaben viel Freude und gutes Gelingen."

Engagiert im Bundesverband Trans* und bei TransInterQueer

Arn Sauer war seit 2012 wissenschaftlicher Mitarbeiter für Gender Mainstreaming im Umweltbundesamt. Ehrenamtlich engagierte er sich als Vorstandsmitglied im Bundesverband Trans* und beim Verein TransInterQueer (TrIQ) in Berlin. Viele in der Community kennen den Politologen und Historiker auch als Referenten an der Akademie Waldschlösschen. Sauer war bislang auch Mitglied des Fachbeirats der deutlich kleineren Bundesstiftung Magnus Hirschfeld.

"Ich freue mich auf und über diese neue, spannende Aufgabe, zusammen mit Lisi Maier der neu gegründeten Bundesstiftung Leben einhauchen zu dürfen. Ich werde mich mit voller Kraft für Gleichstellung einsetzen", schrieb Arn Sauer auf seiner Facebookseite. "Mir persönlich ist dabei auch wichtig, Mehrfachdiskriminierungen und die Komplexität und das Ineinanderwirken unterschiedlicher Ausgangslagen, Strukturen und Lebensrealitäten im Blick zu haben."

Ko-Direktorin Lisi Maier war seit 2016 als stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Frauenrats gleichstellungspolitisch auf Bundesebene und im europäischen Kontext aktiv und gehört dem Rat für nachhaltige Entwicklung an. "Die Bundesstiftung Gleichstellung will ich zusammen mit meinem Ko-Direktor zu einer starken Wissens-, Beratungs- und Vernetzungsstruktur für und mit Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Politik und Wirtschaft aufbauen", erklärte Maier. Sie wolle mithelfen, einen "gesamtgesellschaftlichen Kulturwandel anzustoßen". Sauer und Maier wurden für eine Amtszeit von fünf Jahren berufen.

Stiftung soll über 30 Mitarbeiter*innen haben

Die Errichtung der Bundesstiftung Gleichstellung war im Koalitionsvertrag von Union und SPD vereinbart worden. Begründet wurde sie damit, dass die im Grundgesetz verankerte Gleichberechtigung von Frauen und Männern trotz Fortschritten noch nicht zu einer tatsächlichen Gleichstellung geführt hat. Aufgabe der Stiftung ist es, Informationen bereitzustellen, die Praxis zu stärken und die Entwicklung neuer Ideen für die Gleichstellung zu unterstützen. Sie soll darüber hinaus ein Ort sein, in dem gleichstellungspolitische Initiativen arbeiten und sich vernetzen können.

Kalkuliert wird mit Kosten für das laufende Jahr in Höhe von 3,2 Millionen und ab 2022 mit rund 5,2 Millionen Euro jährlich. Eingeplant sind inklusive Direktorium 33 Stellen. Die Geschäftsführung der Stiftung steht unter Aufsicht eines Stiftungsrats, der von der amtierenden Leitung des Bundesfamilienministeriums geführt wird.

Birgit Kelle ätzt gegen Finanzierung der "Gender-APO"

Im Bundestag hatten sich Linke, FDP und Grüne bei der Abstimmung über das Gesetz zur Errichtung der Stiftung der Stiftung enthalten. Die Aufgaben und Kompetenzen seien zu schwammig formuliert worden, kritisierten die demokratischen Oppositionsparteien. Es bestehe die Gefahr, dass sie zum "verlängerten Arm des Bundesfrauenministeriums" werde, so etwa die Grünen-Abgeordnete Ulle Schauws. Die AfD stimmte dagegen.

Von Rechtsaußen wird die neue Bundesstiftung bereits scharf attackiert. "Damit hat man einem inoffiziellen Expertentum durch einschlägige Lobbygruppen den Weg bereitet, ohne parlamentarische Kontrolle, aber mit sicheren Etats", empörte sich "Gendergaga"-Autorin Birgit Kelle in der vergangenen Woche in einem Gastbeitrag für den "Focus". "Eine vorparlamentarische Gender-APO ist damit auf Jahre durchfinanziert, den Zugang zu dem Geldsegen regelt derzeit die SPD." (mize/pm/dpa)