https://queer.de/?40377
"WunderBar"
Hamburg: Junge Männer attackieren Besucher von schwuler Bar
Gewalt gegen Gäste der "WunderBar": Türsteher und Besucher*innen konnten durch "beherztes" Eingreifen Schlimmeres verhindern.
- 2. November 2021, 13:56h 3 Min.
Zu Update springen: Polizei bestätigt homophoben Tathintergrund (04.11.)
In der Nacht zum Sonntag sind zwei Gäste des Szenelokals "WunderBar" in Hamburg Opfer einer möglicherweise queerfeindlich motivierten Attacke geworden. Dabei griffen fünf bis sieben junge Männer offenbar ohne Grund zwei Gäste der Bar in St. Pauli (Spitzname: "Hamburgs schwules Wohnzimmer") an. "Wir sind unfassbar erschüttert über einen Vorfall, der sich in der vergangenen Nacht vor der WunderBar abgespielt hat", erklärte "WunderBar"-Besitzer Axel Strehlitz am Sonntagabend auf Facebook. "Nach bisherigen Erkenntnissen hat eine Gruppe junger Männer einige Gäste von uns ohne Grund und Ankündigung ins Gesicht geschlagen. Unsere Gäste saßen friedlich und kostümiert auf unserer Terrasse."
Die Türsteher und andere Gäste seien "beherzt" dazwischen gegangen und hätten so Schlimmeres verhindern können, erklärte Strehlitz weiter. Er lobte die Menschen wegen ihrer Zivilcourage: "Ihr seid echte Helden. Helden des Alltags. Meldet auch Ihr euch. Denn das ist uns mindestens ein paar Drinks aufs Haus wert."
"Dicke Lippe und blutende Ohren"
Weiter erklärte Strehlitz: "Ein schwacher Trost: zwei dieser Arschgeigen konnte die Polizei schnappen." Das gesamte Team der WunderBar sei tief getroffen. Strehlitz veröffentlichte auch eine Nachricht von einem der Opfer. Die beiden seien mit "dicker Lippe und blutenden Ohren" davongekommen, befänden sich aber "noch im Schock". "Homophobia is real", sei die Botschaft dieser Attacke. Der Lesben- und Schwulenverband rief deshalb dazu auf, alle queerfeindlichen Vorfälle der Polizei zu melden.
??????????? Liebe Gäste, wir sind unfassbar erschüttert über einen Vorfall, der sich in der vergangenen Nacht vor der...
Posted by Axel Strehlitz on Sunday, October 31, 2021
|
Auch der CSD-Verein der Hansestadt verurteilte die Attacke: "Es ist unfassbar: Schon wieder Hasskriminalität gegenüber queeren Menschen", erklärte Hamburg Pride auf Facebook.
Es ist unfassbar: Schon wieder Hasskriminalität gegenüber queeren Menschen. Gestern Abend wurden Gäste der Wunderbar...
Posted by Hamburg Pride – CSD Hamburg on Sunday, October 31, 2021
|
Polizei: Kein Hinweis auf homosexuellenfeindliches Motiv
Gegenüber der "Hamburger Morgenpost" bestätigte die Polizei im Zusammenhang mit der Attacke die Festnahme von zwei 18-Jährigen. Nach Behördenangaben liege aber bislang kein Hinweis auf ein homosexuellenfeindliches Motiv vor. Beide Personen seien als gewaltbereit bekannt.
Die "Mopo" berichtete aber auch, dass einer der Betroffenen erklärt hätte, dass die Täter homophobe Beleidigungen in ihre Richtung gerufen hätten. Außerdem sei Homosexuellenfeindlichkeit nach wie vor Alltag für "WunderBar"-Besuchende. An der Bar gingen "immer Leute vorbei und geben dumme Sprüche ab", wird der Gast zitiert.
Bereits vor knapp einem Monat hatte es einen queerfeindlich motivierten Übergriff gegeben: Im Stadtteil St. Pauli wurden am 10. Oktober vier Männer von Unbekannten erst schwulenfeindlich beleidigt und dann brutal geschlagen. Die Polizei hat eine Täterbeschreibung veröffentlicht und sucht Zeug*innen (queer.de berichtete). (cw)
Update 04.11.: Polizei bestätigt homophoben Tathintergrund
Nach dem Angriff am frühen Sonntagmorgen haben Ermittler*innen des Staatsschutzes im Landeskriminalamt die beiden Verletzten und Zeug*innen vernommen. "Die Erkenntnisse daraus lassen eindeutig eine homophobe Motivation der Tatverdächtigen erkennen", teilte die Polizei am Mittwoch mit.
"Derartige Homophobie ist verabscheuungswürdig und wir tun alles dafür, diese Tat schnell aufzuklären", teilte Polizeisprecherin Sandra Levgrün mit. Sie rief dazu auf, Straftaten dieser Art anzuzeigen. Niemand müsse tolerieren, dass er wegen seiner sexuellen Orientierung beleidigt oder gar geschlagen werde. "Wir versichern potenziellen Betroffenen, dass wir als moderne und weltoffene Großstadtpolizei jederzeit ein offenes Ohr haben", erklärte Levgrün. (cw/dpa)
Links zum Thema:
» Homepage WunderBar

















Was soll es denn bitte sonst sein, wenn sich Täter und Opfer nicht kannten (Annahme meinerseits), eine Beziehungstat somit ausscheidet, und es auch kein Raubdelikt mit finanziellen Motiven war?!