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Psychologische Studie

Hetero-Normen belasten lesbisch-schwule Paare

Die Gesellschaft stigmatisiert Homosexuelle. Personen, die dieses Stigma verinnerlichen, zeigen sich in Stresssituationen kritischer gegenüber der liebsten Person. Dies zeigt eine vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierte Studie.


Für die Studie wurden 42 lesbische und 26 schwule Paare befragt (Bild: ketut-subiyanto / pexels)

Paare bewältigen Stresssituationen leichter, wenn sich die Beteiligten gegenseitig unterstützen und zuhören. Das gilt auch für homosexuelle Paare. Anders ist bei ihnen allerdings, dass sie permanent mit der Stigmatisierung durch die Gesellschaft konfrontiert sind. In Zeiten mit erhöhtem Stress kann dies zur Folge haben, dass Lesben und Schwule die Unterstützung durch ihre jeweiligen Partner*innen kritischer wahrnehmen. Dies zeigt Nathalie Meuwly von der Universität Freiburg und Erstautorin eines Artikels, der kürzlich in der Zeitschrift "Couple and Family Psychology: Research and Practice" erschienen ist. Ihre Arbeit wurde vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützt.

Die Psychologin beschäftigte sich mit dem Bild, das Lesben und Schwule von ihrer sexuellen Identität haben. Dieses kann negativ gefärbt sein, weil sie aufgrund ihrer sexuellen Identität diskriminiert werden. Man spricht in diesem Fall von einem verinnerlichten Heterosexismus – die homosexuellen Personen leiden unter dem Nichtentsprechen der heterosexuellen Norm. Meuwly wollte wissen, wie dies die gegenseitige Unterstützung bei Paaren beeinflusst.

Stress ruft Stigmatisierung wach

Ihre Studie hat gezeigt, dass sich verinnerlichter Heterosexismus normalerweise nicht auf die Zufriedenheit in der Beziehung und die Wahrnehmung der gegenseitigen Unterstützung auswirkt. Besteht hingegen eine Stresssituation, zum Beispiel am Arbeitsplatz oder aufgrund der Gesundheit, nehmen die stärker betroffenen Personen die Unterstützung durch ihre*n Partner*in negativer wahr.

"Stressreiche Situationen scheinen die verinnerlichte Stigmatisierung durch die sexuelle Identität zu aktivieren, was wiederum die Stressbewältigung des Paares erschweren kann", sagt Nathalie Meuwly. "Im Moment wissen wir aber noch nicht, ob der Partner oder die Partnerin tatsächlich weniger Unterstützung bietet, oder ob die Unterstützung von der gestressten Person lediglich negativer wahrgenommen wird".

Noch müssen diese Ergebnisse mit einer größeren Studiengruppe verifiziert werden, doch bereits jetzt tragen sie dazu bei, die Ursachen und Folgen eines verinnerlichten Heterosexismus bei lesbisch-schwulen Paaren besser zu verstehen. "Obwohl die Toleranz gegenüber Personen, die nicht der Norm entsprechen, zugenommen hat, beispielsweise gegenüber Homosexuellen oder Angehörigen ethnischer Minderheiten, sollten sich Psychologinnen und Psychologen sowie die Mehrheitsgesellschaft stärker bewusst werden, welche Folgen Stigmatisierung hat", ergänzt die Forscherin.

Befragt wurden 68 homosexuelle Paare

Für die Studie wurden 68 gleichgeschlechtliche Paare (26 Männer- und 42 Frauenpaare) über Websites, E-Mails, Organisationen und einen Aufruf in einer Zeitschrift rekrutiert. Die Befragten mussten in der Schweiz wohnhaft, mindestens 20 Jahre alt und seit mehr als sechs Monaten in der Beziehung sein. Um die Paarmechanismen zu erfassen, verwendeten die Forschenden mehrere Instrumente: verschiedene Fragebögen, tägliche Messungen der Unterstützung während zwei Wochen und Beobachtung der Interaktionen zwischen den Partner*rinnen.

Um den Grad des verinnerlichten Heterosexismus der einzelnen Personen zu bestimmen, verwendeten die Forschenden einen Fragebogen – eine der neun Fragen lautete zum Beispiel: "Positionieren Sie sich auf einer Skala von 1 ('überhaupt nicht einverstanden') bis 6 ('vollkommen einverstanden') gegenüber der folgenden Aussage: "Ich frage mich oft, ob andere mich wegen meiner sexuellen Orientierung verurteilen."

Die Studie wurde zwischen 2015 und 2017 durchgeführt. (cw/ots)



#1 Gnurfel42Anonym
  • 03.11.2021, 11:49h
  • Ach, Heteronormativität ist schlecht für die Psyche? Käpt'n Offensichtlich hat wieder zugeschlagen!

    Aber gut, das auch mal »offiziell« schwarz auf weiß zu haben.

    Und natürlich schadet Heteronormativät nicht nur Schwule und Lesben, sondern natürlich alle, die aus dem Raster fallen. Bisexuelle, Asexuelle (welche ja immer noch wegignoriert werden), Leute mit anderer romantischer Orientierung, und mehr.

    Ist ein bisschen schwach, dass ausschließlich nur Homosexuelle befragt wurden. Ich mein, es sollte sich langsam rumgesprochen haben, dass es noch mehr gibt??????

    Gerade Asexuelle sind ein interessanter Fall, weil hier nämlich auch die Allonormativität zusätzlich zuschlägt. Deshalb ist es auch so schlecht, dass wir immer wegignoriert werden. Aber ich fürchte, der Glaube, dass wir Asexuellen ja keine »echte« Orientierung haben, ist selbst in der Queer-Community noch weit verbreitet. :-(
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#2 Lesbe71Anonym
#3 Lucas3898Anonym
#4 Lucas3898Anonym
  • 03.11.2021, 12:37h
  • Bei der geringen Teilnehmerzahl würde ich das auch noch nicht mal Studie nennen. Ist eher eine Vorstudie, um zu schauen, was man sich mal genauer anschauen sollte.
    Für eine echte Studie braucht man alleine aus der statistischen Mathematik mindestens eine Stichprobengröße von n>1000.
    Bei n unter 100 ist nicht mal eine Prozentangabe sinnvoll.
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#5 canadianSarahAnonym
  • 03.11.2021, 12:51h
  • Nicht nur das. Heteronormen stellt trans Frauen an die Wand, sie müssten dringend Hetero nach der Transition sein. Sonst bekommen sie keine HRT oder so. Oder sie müssten sehr hyperfeminin sein.
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#6 NevermindAnonym
  • 03.11.2021, 13:17h
  • Antwort auf #1 von Gnurfel42
  • Hallo! Deinem Kommentar zur Heteronormativität stimme ich zu, aber ehrlich gesagt verstehe ich nicht, worin die Diskriminierung Asexueller bestehen könnte? Bzw. wie könnten der Staat oder die Gesellschaft eingreifen, um deren Situation zu verbessern? Für mich stellt sich das so dar: wenn jemand keinen Sex haben möchte, hat er eben keinen so what? 25 Prozent oder so unserer Gesellschaft sind single. Aber ich übersehe hier sicher etwas, also frage ich.
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#7 Lucas3898Anonym
  • 03.11.2021, 13:49h
  • Antwort auf #6 von Nevermind
  • Eine direkte Diskriminierung als asexuell oder aromantisch z.B. in Form von Beleidigungen oder Gewalt wird wohl eher selten sein, einfach weil man es einer Person nicht ansieht.
    Und genau das ist aber wiederum das Problem insgesamt, dass aro/ace in der Gesellschaft unsichtbar ist.
    Und dann aber trotzdem in der Regel ein allo-amato-cis-heteronormatives Weltbild in ihrer Umgebung vorfinden.
    Wo dann z.B. in der Familie immer wieder gefragt wird, ob man schon eine Freundin hat, ohne bei der Fragestellung andere sexuelle Identitäten und Lebensrealitäten zu berücksichtigen.
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#8 AceAroAnonym
  • 03.11.2021, 14:07h
  • Antwort auf #6 von Nevermind
  • Sobald du auch nur einen Piep von Asexualität oder Aromantizität bei Ärzt*innen, Therapeut*innen oder ähnlichen fallen lässt, versuchen die sofort Medikamente dafür zu verschreiben oder das wegzutherapieren. Konversionstherapie und so. Das geht leider bei der Rhetorik um Verbote dergleichen häufig unter.
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#9 Aus dem NordwestenAnonym
#10 KratzbürsteAnonym
  • 03.11.2021, 14:47h
  • Antwort auf #9 von Aus dem Nordwesten
  • Das wäre dir vor 100 Jahren vielleicht auch noch anders gegangen, als Linkshänder*innen dazu gezwungen wurden, mit Rechts zu schreiben, sie ansonsten in der Schule geschlagen wurden, sie therapiert wurden, doch mit der anderen Hand zu schreiben, weil das doch nun mal jeder so macht und sie es nur lange genug ausprobieren müssen und... Huch! Merkst du was?
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