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Psychologische Studie

Hetero-Normen belasten lesbisch-schwule Paare

Die Gesellschaft stigmatisiert Homosexuelle. Personen, die dieses Stigma verinnerlichen, zeigen sich in Stresssituationen kritischer gegenüber der liebsten Person. Dies zeigt eine vom Schweizerischen Nationalfonds finanzierte Studie.


Für die Studie wurden 42 lesbische und 26 schwule Paare befragt (Bild: ketut-subiyanto / pexels)
  • 3. November 2021, 08:57h 26 3 Min.

Paare bewältigen Stresssituationen leichter, wenn sich die Beteiligten gegenseitig unterstützen und zuhören. Das gilt auch für homosexuelle Paare. Anders ist bei ihnen allerdings, dass sie permanent mit der Stigmatisierung durch die Gesellschaft konfrontiert sind. In Zeiten mit erhöhtem Stress kann dies zur Folge haben, dass Lesben und Schwule die Unterstützung durch ihre jeweiligen Partner*innen kritischer wahrnehmen. Dies zeigt Nathalie Meuwly von der Universität Freiburg und Erstautorin eines Artikels, der kürzlich in der Zeitschrift "Couple and Family Psychology: Research and Practice" erschienen ist. Ihre Arbeit wurde vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützt.

Die Psychologin beschäftigte sich mit dem Bild, das Lesben und Schwule von ihrer sexuellen Identität haben. Dieses kann negativ gefärbt sein, weil sie aufgrund ihrer sexuellen Identität diskriminiert werden. Man spricht in diesem Fall von einem verinnerlichten Heterosexismus – die homosexuellen Personen leiden unter dem Nichtentsprechen der heterosexuellen Norm. Meuwly wollte wissen, wie dies die gegenseitige Unterstützung bei Paaren beeinflusst.

Stress ruft Stigmatisierung wach

Ihre Studie hat gezeigt, dass sich verinnerlichter Heterosexismus normalerweise nicht auf die Zufriedenheit in der Beziehung und die Wahrnehmung der gegenseitigen Unterstützung auswirkt. Besteht hingegen eine Stresssituation, zum Beispiel am Arbeitsplatz oder aufgrund der Gesundheit, nehmen die stärker betroffenen Personen die Unterstützung durch ihre*n Partner*in negativer wahr.

"Stressreiche Situationen scheinen die verinnerlichte Stigmatisierung durch die sexuelle Identität zu aktivieren, was wiederum die Stressbewältigung des Paares erschweren kann", sagt Nathalie Meuwly. "Im Moment wissen wir aber noch nicht, ob der Partner oder die Partnerin tatsächlich weniger Unterstützung bietet, oder ob die Unterstützung von der gestressten Person lediglich negativer wahrgenommen wird".

Noch müssen diese Ergebnisse mit einer größeren Studiengruppe verifiziert werden, doch bereits jetzt tragen sie dazu bei, die Ursachen und Folgen eines verinnerlichten Heterosexismus bei lesbisch-schwulen Paaren besser zu verstehen. "Obwohl die Toleranz gegenüber Personen, die nicht der Norm entsprechen, zugenommen hat, beispielsweise gegenüber Homosexuellen oder Angehörigen ethnischer Minderheiten, sollten sich Psychologinnen und Psychologen sowie die Mehrheitsgesellschaft stärker bewusst werden, welche Folgen Stigmatisierung hat", ergänzt die Forscherin.

Befragt wurden 68 homosexuelle Paare

Für die Studie wurden 68 gleichgeschlechtliche Paare (26 Männer- und 42 Frauenpaare) über Websites, E-Mails, Organisationen und einen Aufruf in einer Zeitschrift rekrutiert. Die Befragten mussten in der Schweiz wohnhaft, mindestens 20 Jahre alt und seit mehr als sechs Monaten in der Beziehung sein. Um die Paarmechanismen zu erfassen, verwendeten die Forschenden mehrere Instrumente: verschiedene Fragebögen, tägliche Messungen der Unterstützung während zwei Wochen und Beobachtung der Interaktionen zwischen den Partner*rinnen.

Um den Grad des verinnerlichten Heterosexismus der einzelnen Personen zu bestimmen, verwendeten die Forschenden einen Fragebogen – eine der neun Fragen lautete zum Beispiel: "Positionieren Sie sich auf einer Skala von 1 ('überhaupt nicht einverstanden') bis 6 ('vollkommen einverstanden') gegenüber der folgenden Aussage: "Ich frage mich oft, ob andere mich wegen meiner sexuellen Orientierung verurteilen."

Die Studie wurde zwischen 2015 und 2017 durchgeführt. (cw/ots)

-w-

#1 Gnurfel42Anonym
  • 03.11.2021, 11:49h
  • Ach, Heteronormativität ist schlecht für die Psyche? Käpt'n Offensichtlich hat wieder zugeschlagen!

    Aber gut, das auch mal »offiziell« schwarz auf weiß zu haben.

    Und natürlich schadet Heteronormativät nicht nur Schwule und Lesben, sondern natürlich alle, die aus dem Raster fallen. Bisexuelle, Asexuelle (welche ja immer noch wegignoriert werden), Leute mit anderer romantischer Orientierung, und mehr.

    Ist ein bisschen schwach, dass ausschließlich nur Homosexuelle befragt wurden. Ich mein, es sollte sich langsam rumgesprochen haben, dass es noch mehr gibt??????

    Gerade Asexuelle sind ein interessanter Fall, weil hier nämlich auch die Allonormativität zusätzlich zuschlägt. Deshalb ist es auch so schlecht, dass wir immer wegignoriert werden. Aber ich fürchte, der Glaube, dass wir Asexuellen ja keine »echte« Orientierung haben, ist selbst in der Queer-Community noch weit verbreitet. :-(
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#2 Lesbe71Anonym
  • 03.11.2021, 12:03h
  • Antwort auf #1 von Gnurfel42
  • Kaum geht es mal nur um schwul-lesbisch, muss sich gleich wieder eine andere Randgruppe aufregen. Auch Schwule und Lesben können übrigens asexuell sein.
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#3 Lucas3898Anonym
  • 03.11.2021, 12:08h
  • Antwort auf #2 von Lesbe71
  • Oder aromantisch. ;)

    Wobei von der Unterscheidung zwischen sexueller und romantischer Orientierung wohl 95% noch nie was gehört haben und Forschung findet man dazu leider auch nicht.
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