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Eine doppelte Transition in der Flüchtlingsunterkunft
Die berührende Doku "Zuhurs Töchter" porträtiert die trans Schwestern Lohan und Samar. Sie kamen mit ihrer syrischen Familie nach Deutschland. Hier können sie freier leben, doch ihre Eltern tun sich noch schwer.

Die Schwestern Lohan (l.) und Samar warten auf ihren Termin bei der Beratungsstelle der Krankenkasse (Bild: Camino Filmverleih)
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4. November 2021, 02:27h - 3 Min.
Sie könnten einen Oscar dafür bekommen, wie sie sich hier auf der Parkbank schminken, sagen sich die zwei Schwestern. Dass Lohan und Samar Schwestern sind, merkt man vor allem daran, wie sie sich gegenseitig ärgern. So gemein und doch so herzlich, wie es nur Geschwister können.
Die zwei jungen Frauen verbindet jedoch noch mehr: Sie sind trans, beide wollen geschlechtsangleichende Operationen, und zwar so schnell es geht. Sie sind mit ihrer Familie aus Syrien geflohen. Jetzt leben sie gemeinsam in einer Stuttgarter Unterkunft.
Trans Coming-out mit 14 Jahren
Mit 14, erzählt eine von ihnen im Dokumentarfilm "Zuhurs Töchter", habe sie gemerkt, dass sie anders ist. Bald schon habe sie verstanden, dass es ihrer Schwester ähnlich geht. Sie haben dieselben Sachen unternommen, mögen sogar dieselbe Art, wie Männer ihren Bart tragen. Irgendwann haben sie sich voreinander geöffnet.
Gerne hätte man noch mehr erfahren über die Beziehung dieser ganz besonderen Schwestern untereinander. Der Film zeigt sie beim Feiern, beim Streit mit der Familie, beim Schminken. Sprechen sie miteinander über ihre Gefühle? Wie war das, ganz früher, als sie gemerkt haben, anders zu sein?
Die Zerrissenheit der Eltern

Poster zum Film: "Zuhurs Töchter" startet am 4. November 2021 im Kino
In Deutschland können sie freier leben als in Syrien. Doch ihre Familie ist noch dieselbe. Es ist berührend zu sehen, wie die Eltern von Lohan und Samar mit sich ringen. "Keine Mutter will, dass ihre Kinder so werden", sagt Mutter Zuhur, nur um dann zu ergänzen, dass es ja okay wäre, wenn die zwei wenigstens glücklich wären. Das glaubt sie nämlich nicht. Dass sie natürlich ihre Kinder bleiben.
Der Vater äußert sich ähnlich. Es ist erstaunlich, wie offen beide über das Tabuthema sprechen. Er schämt sich und hat Angst, dass seine anderen Kinder wegen ihrer trans Schwestern gemobbt werden. Die anderen in der Unterkunft reden schlecht über die Eltern, die diese "Sünden" zulassen. Der Vater wünscht sich deshalb von Allah, dass alles wieder wie früher wird. Lohan und Samar jedoch wollen genau das Gegenteil: Ihnen kann die Vollendung ihrer Transition gar nicht schnell genug gehen, sie wollen "richtige Mädchen" werden, wie sie sagen.
Der unerschütterliche Wille, sie selbst sein zu wollen
Für den Film "Zuhurs Töchter" hat das Regie-Duo Laurentia Genske und Robin Humboldt ihre Protagonistinnen drei Jahre lang begleitet. Eine Zeit, in der sie sich weiterentwickelt haben, in der sie in ihrer weiblichen Identität genauso immer mehr angekommen sind wie in ihrer neuen Heimat. In der sie aber auch angefeindet werden, sich in ihrer Familie behaupten müssen, am Gesundheitssystem verzweifeln. Und eine Zeit, in der sie stets den unerschütterlichen Willen zeigen, sie selbst sein zu wollen, und alles dafür geben.
Es ist beachtlich, wie nah das Regie-Team der Familie dabei gekommen ist. "Zuhurs Töchter" ist ganz nah dran, wenn die Mutter mit der jüngeren Tochter Essen zubereitet, wenn sie gemeinsam im Kreis beim Mittagessen sitzen, wie sie Silvester feiern oder wenn Zuhur betet, während sich die Tochter nebenan bei Partymusik schminkt. Trotz aller Probleme und Schwierigkeiten vergisst der Film seine Heiterkeit nicht, die seine Protagonistinnen ausstrahlen.
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Zuhurs Töchter. Dokumentarfilm. Deutschland 2021. Regie: Laurentia Genske, Robin Humboldt. Laufzeit: 89 Minuten. Sprache: arabisch-kurdisch-englisch-deutsche Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 12. Verleih: Camino. Kinostart: 4. November 2021
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