https://queer.de/?40421
Schwuler Fußballer
Cavallo hat große Angst vor Katar
Der schwule Australier Josh Cavallo kritisiert, dass die nächste WM ausgerechnet im Verfolgerstaat Katar ausgetragen wird.
- 9. November 2021, 07:31h 2 Min.
Der derzeit einzige offen schwuler Spieler einer ersten Fußballliga hat erklärt, dass er um seine Sicherheit fürchten würde, wenn er bei der Weltmeisterschaft im Verfolgerstaat Katar Ende 2022 für sein Heimatland Australien spielen sollte. Der für das Team Adelaide United auflaufende Josh Cavallo sprach am Montag im Podcast der Londoner Tageszeitung "The Guardian" erstmals über diese Angst. Der 21-Jährige hatte sich vergangenen Monat auf der Twitter-Seite seines Vereins als schwul geoutet (queer.de berichtete).
"Ich habe so etwas gelesen, dass es die Todesstrafe für homosexuelle Menschen in Katar gibt. Das ist also etwas, was mir große Angst macht und ich würde nicht wirklich nach Katar gehen wollen", erklärte Cavallo. "Das macht mich traurig. Am Ende ist die WM in Katar ja eine der größten Leistungen, die ein Profi-Spieler erreichen kann, wenn er für sein Land spielt. Und wenn das Land homosexuelle Menschen nicht unterstützt und unser eigenes Leben bedroht, gibt mir das zu denken – ist mein Leben wichtiger oder etwas, was für meine Karriere gut ist?"
In Katar können schwule Muslime oder lesbische Musliminnen nach Scharia-Recht zum Tode verurteilt werden, allerdings sind keine Hinrichtungen aus diesem Grund in den letzten Jahrzehnten bekannt. Außerdem droht eine Haftstrafe von bis zu sieben Jahren nach weltlicher Gesetzgebung. Das Land tut gerade viel, um trotz der barbarischen Gesetze sein Image aufzupolieren: Zuletzt engagierte es den britischen Fußballer David Beckham für 180 Millionen Euro als Werbefigur (queer.de berichtete).
WM in Katar hochumstritten
Die Vergabe der WM nach Katar hatte bereits im Jahr 2010 Kritik ausgelöst und zu Boykottforderungen geführt (queer.de berichtete). Der damalige Fifa-Chef Sepp Blatter löste zudem Kritik aus, als er auf Anfrage schwulen Fans die Empfehlung aussprach: "Ich würde sagen, sie sollten sich von sexuellen Aktivitäten fernhalten" (queer.de berichtete). Später entschuldigte sich der Schweizer für die Aussage (queer.de berichtete). Der WM-Cheforganisator Hassan Al Thawadi forderte homosexuelle Besucher*innen der Fußball-WM in Katar 2019 dazu auf, keine öffentliche Zuneigung zu zeigen (queer.de berichtete).
Cavallo hatte bislang für die australische U20-Auswahl gespielt, allerdings noch nicht für die A-Nationalmannschaft. Das Land hat gute Chancen, sich nach 1974, 2006, 2010, 2014 und 2018 zum sechsten Mal zur WM zu qualifizieren. Die "Socceroos" stehen gerade in einer Qualifizierungsgruppe mit fünf asiatischen Mannschaften auf dem zweiten Platz. Das würde zur Qualifikation ausreichen.
Die WM in Katar soll wegen der klimatischen Bedingungen im Wüstenstaat erstmals seit dem Start des Wettbewerbs 1930 nicht im Sommer, sondern im November und Dezember des kommenden Jahres stattfinden. (dk)
Instagram / joshua.cavallo | Josh Cavallo wurde durch sein Coming-out weltweit bekannt
|













