https://queer.de/?40440
Jetzt auf Sky
"Her Story": Unbedingt verstehen wollen
Sky porträtiert Dunja Hayali als engagierte Journalistin, die unbedingt verstehen möchte. Regisseurin Arabella Bartsch gelingt es, sie darüber hinaus in sehr persönlichen Momenten zu zeigen.

In "Her Story" nimmt Dunja Hayali die Zuschauer*innen mit in ihren beruflichen und privaten Alltag (Bild: Sky / Ulrich Hartmann)
- Von
11. November 2021, 04:55h - 4 Min.
Schon als Kind hätte sie stets alles ganz genau wissen müssen, sei mit keiner Antwort zufrieden gewesen. Dass sie Journalistin werden würde, hat die Menschen in ihrem Umfeld daher wenig überrascht.
Dunja Hayali moderiert seit 2007 das renommierte ZDF-Morgenmagazin. Das heißt, jede zweite Woche von Montag bis Freitag frühmorgens zwei Stunden lang live auf Sendung und dabei immer bestens informiert und vorbereitet zu sein, um die einflussreichsten Politiker*innen, Wirtschaftsvertreter*innen und Expert*innen des Landes zu interviewen.
Die Doku-Reihe "Her Story" nimmt mit ihr eine der wichtigsten deutschen Medienvertreter*innen in einer 60-minütigen Episode in den Blick und nähert sich ihr vor allem über ihren Karriereweg an. Claus Kleber kommentiert, dass sie sich ihren Platz als Co-Moderatorin beim "heute-journal" zuerst über ihre Persönlichkeit ergattert hat: "Jemanden wie sie hatten wir einfach noch nicht."
Gesprächsbereit trotz Hassbotschaften
Das überrascht kaum: Mit ihrem raspelkurzen Haar, ihren Tattoos und ihrem burschikosen Auftreten sticht Hayali in der bisweilen biederen deutschen öffentlich-rechtlichen Medienlandschaft hervor. Dass das nicht immer mit angenehmen Erfahrungen verbunden ist, macht das Porträt von Arabella Bartsch sehr deutlich. Bereits während ihrer ersten breitenwirksamen journalistischen Stationen wird sie offen angefeindet, erhält Hassbotschaften wegen ihres nicht "deutsch" klingenden Namens und ihrer irakischen Wurzeln.
Als die Asyldebatte vor einigen Jahren hochkochte und Hayali offen für humanitäre Werte eintrat, nahm die Menge an Beschimpfungen und Drohungen ein neues, trauriges Ausmaß an. Doch davon lässt sie sich nicht abbringen. Im Gegenteil: Es scheint fast so, als würde sie die Ablehnung erst recht dazu antreiben, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Sie hat sich vorgenommen, alle Nachrichten zu lesen und zumindest auf das meiste zu antworten.
Auch jetzt noch, während der Pandemie, wo die Welle an Hass – diesmal vor allem von "Querdenker*innen" ausgehend – wieder hochschwappt. "Her Story" begleitet sie auf eine entsprechende Demonstration, wo sie verstehen möchte, was die Teilnehmer*innen denken und versucht, sie mit Argumenten zu überzeugen. Das ist einer der zentralen Eindrücke, die die Doku hinterlässt: Das, was Hayali motiviert, ist der unbedingte Wille, zu verstehen. Auch – oder gerade dann – wenn jeder Erkenntnisgewinn fast unmöglich scheint.
Bruch mit Konventionen

Poster zur Doku: "Her Story" ist ab 11. November 2021 exklusiv bei Sky Documentaries, Sky Ticket sowie auch auf Abruf über Sky Q zu sehen.
Zu Wort kommt auch ihr langjähriger Kollege und mittlerweile guter Freund Mitri Sirin: "Nur 1,60 Meter groß und so eine große Klappe, so eine Haltung", so erinnert er sich an die ersten Erinnerungen an sie. Er spricht aber auch von einer Herzlichkeit, die er gleich wahrgenommen habe. "Her Story" fängt beides ein: Ihre Angespanntheit, in der sie bisweilen etwas fahrig wird, und ihre Gelöstheit, in der sie vor allem Wärme ausstrahlt.
So ist das Porträt trotz der professionellen Ebene, auf der sich der Film der Journalistin nähert, auch sehr persönlich, zeitweise sogar berührend, geraten. Vor einer Lesung aus ihrem Buch "Haymatland" geht sie noch einmal die Punkte durch, über die sie sprechen wird. Als es um ihre Eltern geht, laufen Tränen: "Ich musste in den letzten vier Jahren sehr, sehr viel loslassen", kommentiert sie. Ihre Eltern seien in dem Moment, als ihre Karriere an Fahrt aufnahm, an Parkinson und Demenz erkrankt, auch der Tod ihrer Hündin und ständigen Begleiterin Emma habe ihr stark zugesetzt.
Mit ihrer wichtigsten Bezugsperson, ihrer elf Jahre älteren Schwester, ist sie immer wieder im Gespräch zu sehen. Zwischen Terminen ruft sie sie an, bittet sie auch immer wieder um Rat, wenn es darum geht, Stellung zu politischen Fragen zu beziehen.
Ihre "flexible Sexualität" ist für Hayali kein Thema
Später geht es auch um das öffentliche Interesse an ihrer sexuellen Orientierung. Sie berichtet, dass sie von Pressevertreter*innen kontaktiert wurde, um sich zu ihrer "flexiblen Sexualität", wie sie es selbst ausdrückt, zu äußern. Für sie persönlich sei das nie ein großes Thema gewesen. Umso mehr habe es sie verwundert, wieso das in irgendeiner Weise von Belang sein sollte. Sie sei eine Bürgerin, die stets versucht, das Richtige für die Gemeinschaft, ihre Freund*innen und die Familie zu tun – wieso solle es dabei irgendwie darauf aufkommen, dass sie Frauen liebt, fragt sie mit erkennbarer Erschütterung.
Auch das macht die Doku unmissverständlich klar: Dunja Hayali bricht mit Konventionen, ohne es darauf anzulegen. Sie ist einfach sie selbst, und das genügt manchmal schon.
Die 60-minütige Dokumentation "Her Story" über Dunja Hayali ist ab 11. November 2021 exklusiv bei Sky Documentaries, Sky Ticket sowie auch auf Abruf über Sky Q zu sehen.
Mehr zum Thema:
» Mehr TV-Tipps zu LGBTI-Themen täglich auf queer,de
Mehr queere Kultur:
» auf sissymag.de
20:15h, Arte:
Albert Nobbs
Der Butler Albert Nobbs wird von den Kollegen geschätzt, bei den Gästen ist er gern gesehen ist. doch keiner ahnt, dass Albert in Wahrheit eine Frau ist.
Spielfilm, GB/IRL 2011- 5 weitere TV-Tipps »















