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Queerfeindlichkeit

BBC beendet Zusammenarbeit mit LGBTI-Organisation

Nach dem Streit um einen transphoben Artikel legt die BBC nach. Queere Mitarbeiter*innen kritisieren ihren Arbeitgeber scharf – manche verlassen deshalb den Sender.


In der Londoner BBC-Zentrale geht es offenbar noch immer queer­feindlich zu (Bild: Alexander Svensson / flickr)

Die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt BBC geht auf Gegner*innen der LGBTI-Gleichbehandlung zu. Am Mittwoch kündigte der Sender an, dass er aus der "Diversity Champions"-Initiative der LGBTI-Organisation Stonewall aussteigen werde.

Ziel der Initiative ist es, Arbeitgeber für die Bedürfnisse ihrer queeren Mitarbeitenden zu sensibilisieren. Mehr als 900 Unternehmen und Organisationen sind Mitglied, darunter viele staatliche Universitäten, Konzerne wir Vodafone oder die Citibank, die britische Armee, der britische Geheimdienst MI6 und auch BBC-Konkurrenten wie Sky. Stonewall erstellt unter allen Mitgliedern auch die Liste der 100 queerfreundlichsten Arbeitgeber des Königreichs – die BBC hatte es 2020 nicht in diese Liste geschafft.

Die BBC begründete ihren Rückzug damit, dass "sich manche gefragt haben, ob die BBC unparteiisch sein kann, wenn sie über öffentliche politische Debatten berichtet, in denen Stonewall eine aktive Rolle übernimmt". Die Anstalt versicherte, trotz des Rückzuges "weiter unsere LGBTQ-Mitarbeitenden zu unterstützen".

Transphobie-Vorwürfe gegen die BBC

Hintergrund der Schrittes war offenbar die Ausneinandersetzung um die Veröffentlichung eines als transphob kritisierten Artikels auf der BBC-Website. Darin wurde suggeriert, dass immer mehr cisgeschlechtliche Lesben von trans Frauen vergewaltigt würden (queer.de berichtete). In dem Artikel kamen viele Organisationen und Personen zu Wort, die als transphob gelten. Unter den zitierten Frauen war auch die lesbische Pornodarstellerin Lily Cade, die auf ihrem Blog zuletzt Lynch-Fantasien gegen trans Frauen verbreitete (queer.de berichtete). Nach Kritik löschte die BBC am 4. November Zitate Cades aus dem Artikel, ließ aber den pauschalen Vergewaltigungsvorwurf gegen trans Frauen bestehen.

Queere Mitarbeitende der BBC zeigen sich "enttäuscht und frustriert" über ihren Arbeitgeber, wie "Vice News" berichtete. Bei einem Online-Treffen des queeren Mitarbeitendennetzwerks am 8. November hätten viele die BBC-Linie kritisiert. Manche hätten sogar angesichts der LGBTI-Feindlichkeit des Senders ihren Job gekündigt. Eine bisexuelle Ex-Mitarbeiterin wird mit den Worten zitiert: "Organisationen wie die BBC ändern sich nicht. Eine Person, die trans ist und bei der Anstalt arbeitet, ist dort nicht sicher."

Stonewall: Transphobie ist recycelte Homophobie des letzten Jahrhunderts

Stonewall kritisierte die BBC dafür, das "Diversity Champions"-Programm verlassen zu haben. Die Organisation erinnerte daran, dass Hass auf trans Menschen keine gleichberechtigte Meinung sei: "Viele der heutigen Argumente gegen trans Menschen ist recycelte Homophobie aus den Achtzigern und Neunzigern. Wir erinnern uns alle daran, wie uns gesagt wurde, dass schwule Männer Triebtäter und Lesben eine Gefahr für getrennte Räume für Frauen sind. Das war damals bei Lesben, Bisexuellen oder Schwulen nicht wahr und ist heute nicht wahr bei trans Menschen."

Auch die Mediengewerkschaft Bectu kritisierte die BBC. Das Verlassen der Stonewall-Initiative sei "unglaublich schädlich für die Moral der LGBT-Mitarbeitenden und wird die BBC schwächen, künftig gute Mitarbeitende zu finden."

/ bectu

Die Debatte um den Trans-Artikel ist nicht der erste LGBTI-feindliche Schritt der britischen Rundfunkanstalt. Letztes Jahr untersagte die BBC etwa ihren Journalist*innen, sich auf CSDs zu "politisierten oder umkämpften Themen" zu äußern – von vielen wurde die Anweisung so aufgefasst, dass es ein Verbot war, sich zu Trans-Themen zu äußern. Es gab auch Kritik an der Berichterstattung in den BBC-Nachrichtensendungen, weil dort immer wieder extrem queerfeindliche Aussagen als normale Meinungsäußerungen dargestellt wurden.

Direktlink | In BBC-Berichten werden Trans-Hasserinnen gerne einseitig als Opfer dargestellt
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#1 NWDRAnonym
  • 12.11.2021, 12:58h
  • Macht sich da jetzt die Einflussnahme von Johnson und den Seinen bemerkbar - so wie damals bei den Öffentlich-Rechtlichen in den USA unter Trump oder die Sache mit der kinderreichen rechtsextremen Christenlobby im WDR-Rundfunkrat unter Laschet?
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#2 SchleicheRAnonym
  • 12.11.2021, 16:37h
  • Antwort auf #1 von NWDR
  • Naja, ist schon denkbar, dass es in der oberen Etage beim BBC eine gewisse Radikalisierung gab, die sich nun so auswirkt. Irgend jemand flüstert da Böses in BBC-Ohren, welches eine ausgewogene Berichterstattung in Sachen Queerthemen verhindert. Ich finds jedenfalls eigenartig, dass niemand die Chefredakteure namentlich nennt, die diese Texte abgesegnet oder gar selbst verfasst haben. Von wem geht diese queerfeindliche Richtung aus?
    Das finde ich viel interessanter. Dann könnte man auch das Netzwerk dieser Personen untersuchen und käme vielleicht darauf, wer da und warum auf einmal so Partei für Transhasser ergreift.
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#3 SakanaAnonym
  • 12.11.2021, 16:43h
  • Antwort auf #2 von SchleicheR
  • Wenn der jetzige Generaldirektor der BBC von der konservativen Tory-Partei kommt und seine eigene konservative Agenda in dem eigentlich neutralen Medienhaus verfolgt, ist sehr viel queer- und vor allem trans*feindliches möglich.

    en.wikipedia.org/wiki/Tim_Davie

    Jetzt muss zu jeder präsentierten Position auch eine Gegenposition dargestellt werden und das alles auch noch schön ausbalanciert....selbst wenn die Gegenposition kompletter Müll ist inhaltlich (z.B. Klimakrise und anderes).

    Sowas bringt die altehrwürdige BBC an den Rande des Wahnsinns längerfristig.
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