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Diskriminierender Modelkommentar
Wolfgang Joop sagt Sorry
Der Modeschöpfer bedauert frauenfeindliche Äußerungen in einem "Spiegel"-Interview.

Wolfgang Joop im Jahr 2019 bei einem Auftritt der Linksfraktion (Bild: Fraktion DIE LINKE. im Bundestag / flickr)
- 15. November 2021, 10:55h 2 Min.
Modeschöpfer Wolfgang Joop hat sich nach scharfer Kritik an seinen Interview-Äußerungen zum früheren Umgang mit weiblichen Models entschuldigt. "Meine Aussage bezüglich der Sünde in der Modewelt war im Kontext deplatziert", schrieb der 76-Jährige in einem am späten Sonntagabend veröffentlichten Beitrag bei Facebook und Instagram.
Für seine Wortwahl im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" wolle er sich bei all jenen entschuldigen, die dies verärgert oder verletzt habe. Ihm sei wichtig zu betonen, dass er "jegliche Form von Machtmissbrauch und Gewalt damals wie auch heute zutiefst ablehne".
Posted by Wolfgang Joop on Sunday, November 14, 2021
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In dem Interview (Bezahlartikel) hatte Joop gesagt, er habe bei Karl Lagerfelds Tod geweint, weil damals eine Ära zu Ende gegangen sei und "diese Welt so wunderbar frivol und frigide war. Alles war käuflich. Die Agenturen gaben die Schlüssel zu den Zimmern der Models, die nicht so viel Geld brachten, an reiche Männer. Und wenn sich ein Mädchen beschwerte, hieß es: Wir können auch auf dich verzichten."
Auf die Entgegnung, dass dies doch fürchterlich sei, antwortete Joop: "Ja. Aber wirklich schön ist die Modewelt nur, wenn es auch die Sünde gibt."
In seiner Entschuldigung erklärte Joop nun, er habe mit drastischen Worten "auf die Korruption und Frivolität der siebziger und achtziger Jahre der Branche" hingewiesen. Deren Bestandteil sei "bedauerlicherweise auch der respektlose und missbräuchliche Umgang mit Models" gewesen.
Kritik für Habeck, Lob für Merkel
In dem Interview kritisierte Joop auch den Kleidungsstil von Grünenchef Robert Habeck ( "Wenn einer sich schlampig anzieht, denkt er auch schlampig, so sehe ich das"). Er erklärte jedoch auch, dass er der scheidenden Bundeskanzlerin Angela Merkel ihre "schlecht geschnittenen" ewig gleichen Blazer verzeihe. Der Grund: "Weil sie schlau ist. Diese festgefrorene Outfitstrategie bei Merkel sagt: Man braucht keine Veränderung zu fürchten. Wenn sie etwas anderes getragen hätte, hätten die Leute gedacht: Jetzt fängt sie an, sich mit ihrer Kleidung zu beschäftigen."
Joop war von 1970 bis 1985 mit einer Frau verheiratet – er hat zwei erwachsene Töchter. 2013 verpartnerte sich der in Potsdam geborene Modeschöpfer mit seinem langjährigen Lebensgefährten Edwin Limberg – der Gang aufs Standesamt wurde aber erst vier Jahre später öffentlich bekannt (queer.de berichtete). (dpa/cw)













Auf die Entgegnung, dass dies doch fürchterlich sei, antwortete Joop: "Ja. Aber wirklich schön ist die Modewelt nur, wenn es auch die Sünde gibt.""
Also genau die Zustände, die von #MeToo angeprangert und öffentlich gemacht wurden: Männliche Machtverhältnisse zu denen die sexuelle Verfügungsgewalt über Frauen in Abhängigkeitsverhältnissen wie selbstverständlich gehörte. Essentieller Kern dieser Machtverhältnisse auch hier bei Joop: Keinerlei Schuldbewusstsein. Rape culture wird von cis Männern "romantisiert". Selbst in der Nachschau noch. Man trauert dieser "Ära der Sünde" hinterher.
Mit anderen Worten: Joop war Teil dieses Systems. Er wusste davon, gehörte zu den männlichen Akteuren, die dieses System der sexuellen Gewalt deckten und hat auch persönlich davon profitiert. Keine Neuigkeit, dass auch schwule cis Männer wie Lagerfeld und Joop dieses rechtsfreie System gedeckt haben.