Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://www.queer.de/detail.php?article_id=40484
Home > Kommentare

Einzelkommentar zu:
Neues Disney-Feature verbietet das Wort "gay"


#1 Gnurfel42Anonym
  • 16.11.2021, 15:37h
  • In dem Fall ist nicht klar, ob es sich nur um einen peinlichen Software-Bug handelte, oder, ob das böse Absicht war. Andererseits reden wir hier von Disney, die schon immer so drauf waren, also kann letzteres absolut nicht ausgeschlossen werden. 100% festlegen will ich mich aber aufgrund der dünnen Faktenlage noch nicht.

    Dass Disney sich jetzt ausschweigt, macht es nicht besser. Wäre es ein peinlicher Bug, könnten sie sich auch öffentlich dazu äußern. Nur gibt es ein Problem: Sie können nicht beweisen, dass es ein Bug war, selbst, wenn es einer war. Die Gegenseite kann immer entgegnen, dass sie sich ihren Beweis aus dem Arsch gezogen haben zurecht. Denn es handelt sich um proprietäre Software. Der Quellcode ist geheim.

    Die andere Möglichkeit ist, das war wirklich 100% böse Absicht. In einem öffentlichen Code-Repository wäre das aber natürlich sofort aufgeflogen. Aber da der Code nicht-öffentlich ist, sind wir auf reinen Hörensagen und Spekulationen angewiesen größtenteils. Fakt ist aber auch, in einem nicht-öffentlichen Repository sind solche Aktionen besser zu vertuschen. Ich weiß aus langjähriger Erfahrung, dass proprietäre Software grundsätzlich deshalb proprietär ist, weil es dunkle Geheimnisse im Code oder der Entwicklung gibt, die der Benutzer nicht wissen darf. Bösartige Features, die kein Nutzer freiwillig akzeptieren würde, Spyware-Routinen, künstliche Einschränkung von Features, und möglicherweise auch Schweinereien wie die Klassifizierung von »gay« als Kraftausdruck.

    Die Indizien jedenfalls sprechen stark für eine böse Absicht. Die Tatsache, dass auch »Kraftausdrücke« verboten wurden, deutet darauf hin, dass die anderen Wörter wie »gay« bewusst als »Kraftausdruck« klassifiziert wurden, was dann natürlich eindeutig homophob ist. Und »gay« war nicht der einzige Begriff.
    Ferner spielt man die Taktik des Aussitzens. Das deutet darauf hin, man ist sich bewusst, dass man verkackt hat, will den Ball aber flach halten. Wie die Sache genau passiert ist, und, ob dafür schon intern Köpfe gerollt sind, das wissen wir leider nicht. Doch gerade diese Verschwiegenheit spricht ganz klar gegen Disney, und für eine böse Absicht. In der kommerziellen Softwarewelt leider keine unübliche Taktik, denn oft genug funktioniert das Aussitzen schockierend gut.

    Wäre Disney wirklich um queere Politik bemüht, und das hier war nur ein verwirrter Einzeltäter, dann würden sie jetzt alles daransetzen, den Fehler wiedergutzumachen, UND eine 180°-Wende machen UND eine öffentliche Erklärung, wie es überhaupt passieren konnte, abgeben UND Entschuldigung UND einen glaubwürdigen Plan für die Besserung in der Zukunft machen UND sich an diesen Plan auch halten. Nur eines von diesen Dingen zu tun, reicht nicht. Stattdessen hören wir nur betretendes Schweigen. Das ist nicht gut. Aber wie gesagt, in diese Scheiße haben sie sich selbst geritten, also kein Mitleid.

    Der Artikel stellt interessanterweise die Jugendschutzhypothese auf. Also, dass die Begriffe aus einem falsch verstandenen Jugendschutz gesperrt wurden. Ich möchte darauf hinweisen, dass selbst dies aber auch ein 100% homophobes Motiv wäre und sie keineswegs entlasten würde. Da Homosexuelle natürlich keine Gefahr für die Jugend sind, braucht es logischerweise auch keinen Jugendschutz. Wer trotzdem vom Jugendschutz faselt, ist homophob.

    Mit freier Software bzw. mit einem öffentlichem Code-Repository wär das wahrscheinlich nicht passiert. Da würden sich Programmierer schon zweimal überlegen, ob sie in aller Öffentlichkeit einen Änderungssatz hochladen, der »gay« für alle sichtbar offiziell als Kraftausdruck klassifiziert. Aus so einer Nummer kann man sich nicht mehr so leicht rausreden. Mit einem proprietären Algorithmus hingegen kann man jedoch immer plausibel abstreiten. Proprietäre Software schützt daher Homophobie.

    Auch viele der anderen vermuteten (!) Unterdrückungen queerer Inhalte auf TikTok, etc. bauen auf der proprietären Ideologie auf. Die plausible Abstreitbarkeit ist wichtig für das ganze Modell.

    Überhaupt ist TikTok ohnehin ein großer Scheiß. Ein Hacker (einer von der guten Sorte), der TikTok mal untersucht hat, hat TikTok mal als »Datensammelmaschine, die sich als Social-Media-Plattform tarnt« bezeichnet. Niemand sollte TikTok jemals benutzen. Die homophobe Stimmerkennung (ob jetzt böse Absicht oder nicht) reiht sich ein in eine LANGE Liste von Problemen mit TikTok und vielen anderen ähnlichen proprietären Schnüffelprogrammen.

    > Eigenartigerweise waren neben vielen verbotenen queeren Worten einige auch erlaubt etwa "bisexual", "trans" oder "non-binary".

    Das ist überhaupt nicht eigenartig. Das ist 100% vereinbar mit der Böse-Absicht-Hypothese. Homophobe haben oft auch wenig bis null Ahnung von der queeren Community. Gut möglich, dass sie diese Begriffe, vorallem »non-binary«, entweder gar nicht kennen oder schlicht vergaßen. Ich kenne viele, die das Wort »non-binary« oder »nichtbinär« noch nie gehört haben. Das ist traurig aber wahr.
  • Antworten » | Direktlink »