https://queer.de/?40486
Nach zwei Jahren Beratung
IOC legt neue Richtlinien zu trans Sportler*innen vor
Das Internationale Olympische Komitee will mehr "Fairness, Inklusion und Nicht-Diskriminierung" im Sport erreichen.

Teilnehmende im Olympischen Dorf in Tokio in diesem Sommer (Bild: IOC / Matthew Jordan Smith / flickr)
- 16. November 2021, 19:06h 2 Min.
In der kontrovers geführten Debatte um den Umgang mit trans Sportler*innen hat das Internationale Olympische Komitee einen neuen Regelrahmen (PDF) vorgelegt. Von März 2022 ist eine Abkehr von allgemeingültigen Vorgaben hin zu flexiblen Richtlinien vorgesehen, unter denen jeder Weltverband über die Teilnahme von trans- und intergeschlechtlichen Athleten und Athletinnen entscheiden kann. Zehn Prinzipien sollen sicherstellen, dass faire Zugangsregeln vor allem in Frauen-Wettbewerben unter Beachtung der Rechte aller Betroffenen eingeführt würden, wie das IOC am Dienstag mitteilte.
So gibt der Dachverband kein einheitliches Testosteron-Niveau mehr vor, das von trans Personen für die Teilnahme an Wettkämpfen nicht überschritten werden darf. Künftig soll in jedem Sport entschieden werden, in welchem Fall bestimmte Teilnehmende in dieser Hinsicht einen "unfairen Vorteil" haben könnten.
/ iocmediaFollowing a two-year consultation process with more than 250 athletes and concerned stakeholders, the IOC today released its new Framework on Fairness, Inclusion and Non-Discrimination on the Basis of Gender Identity and Sex Variations.https://t.co/rpRXM7qp4R
IOC MEDIA (@iocmedia) November 16, 2021
|
Gewährleistet werden soll eine größtmögliche Inklusion. Jede Person solle unabhängig von ihrer Geschlechtsidentität, vom Ausdruck des Geschlechts oder von Geschlechtsvariationen "sicher und ohne Vorurteil" am Sport teilnehmen können. Leid und psychische Verletzungen sowie Diskriminierungen sollen vermieden werden. Die bloße Annahme eines Vorteils für trans Sportler*innen ist unzulässig, für Teilnahmebeschränkungen und -verbote bedürfe es klarer Belege.
Rechtlich bindend ist der neue Regelrahmen nicht. In ihm heißt es weiter, die Athlet*innen dürften nicht zu medizinischen Eingriffen gezwungen werden und hätten das Recht auf Privatsphäre. Die Athlet*innnen-Community sei in Entscheidungen einzubinden, die Beschlüsse sollen regelmäßig überprüft werden.
Bei den Olympischen Spielen in Tokio hatte Laurel Hubbard für Aufsehen gesorgt. Die Gewichtheberin aus Neuseeland war bei den Sommerspielen in diesem Jahr die erste Teilnehmerin, die offen eine Geschlechtsanpassung durchführen ließ. Sie konnte im Frauen-Wettbewerb in der Gewichtsklasse über 87 Kilogramm antreten (queer.de berichtete). Gemäß der im November 2015 herausgegebenen IOC-Richtlinien können derzeit trans und inter Athletinnen in der Kategorie der Frauen antreten, wenn ihr Testosteronspiegel vor einem Start mindestens zwölf Monate unter zehn Nanomol pro Liter liegt. (dpa/cw)












