Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?40490

Bandname geändert

Girl Band entschuldigt sich für "misgenderten" Namen

Eine aus vier Männern bestehende irische Band legt nach zehn Jahren ihren Namen ab, weil sich dieser negativ auf Menschen ausgewirkt habe.


Die Jungs von Gilla Band waren zehn Jahre lang als Girl Band bekannt (Bild: Instagram / birl_gand)

Die Dubliner Noise-Rock-Musikgruppe Girl Band hat sich am Dienstag für ihren "misgenderten" Namen entschuldigt und die Umbenennung in Gilla Band bekanntgegeben. Gilla ist ein alter männlicher Vorname aus Irland.

Auf ihrer Instagramseite teilte die Gruppe mit: "Wir werden nicht mehr unter dem Namen Girl Band performen oder Alben herausbringen. Wir entschuldigen uns dafür, einen misgenderten Namen ausgewählt zu haben und entschuldigen uns bei allen, die dadurch verletzt oder beeinflusst worden sind." Am Anfang hätten sich die Bandmitglieder bei dem Namen nicht viel gedacht, ihnen sei es aber später schwerer gefallen, ihn zu rechtfertigen. "Egal, was unsere Absicht war, die Folge unseres Namens war, dass Menschen geschädigt worden sind." Die Band habe damit leider dazu beigetragen, eine "Kultur der Nicht-Inklusivität" in der Musikszene zu fördern. Außerdem bedankte sich die Gruppe bei all jenen, die sie über die Auswirkungen ihres Namens aufgeklärt hätten.

Bereits zuvor hatte die Band mit ihrem Namen gehadert, ihn aber dann verteidigt. 2015 erklärte Bassist Daniel Fox gegenüber "Vice" etwa: "Manche Leute denken wohl, wir verscheißern mit dem Namen Frauen." Nichts liege der Band aber ferner. "Wir wollen keine Frauen und auch sonst niemanden damit beleidigen", so Fox damals.

Die Band, die aus den vier männlichen Mitgliedern Dara Kiely, Alan Duggan, Daniel Fox und Adam Faulkner besteht, ist seit 2011 aktiv und insbesondere in ihrem Heimatland erfolgreich – die beiden Alben "Holding Hands with Jamie" (2015) und "The Talkies" erreichten jeweils Platz elf der irischen Albumcharts.

Auf der Instagramseite von Gilla Band kritisieren viele Fans die Entscheidung als Kniefall vor einer überempfindlichen Gesellschaft. Dabei ist das Ensemble aus der irischen Hauptstadt nicht die erste Musikgruppe, die ihren Namen änderte, weil er ihnen diskriminierend erschien: 2015 benannte sich etwa die kanadische Noise-Rock-Band Viet Cong in Preoccupations um, nachdem der aus weißen Männern bestehenden Gruppe Rassismus und kulturelle Aneignung vorgeworfen worden war. 2020 änderte die kalifornische Rockband Slaves (Sklaven) im Rahmen der Black-Lives-Matter-Bewegung ihren Namen in Rain City Drive. Im selben Jahr benannte sich auch die aus Texas stammende Country-Formation Dixie Chicks in The Chicks um – Grund waren auch hier Anti-Rassismus-Demonstrationen, da Dixie oder Dixieland ein Spitzname für die alten Südstaaten ist, die auf dem Rücken von Sklavinnen und Sklaven aufgebaut worden waren. (dk)



#1 BaoziAnonym
  • 17.11.2021, 12:57h
  • Biologische Männer, die sich als Frauen bezeichnen? Geht ja gar nicht! Das würde ja fast einen subversiven Umgang mit Geschlechternormen bedeuten. Gut, dass die den Namen geändert haben, so bleiben und unsere wertvollen Klischees in der Musikindustrie erhalten, die uns vorgeben wie Boy Groups und Girl Bands auszusehen und zu performen haben.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 spinaldoAnonym
#3 gastAnonym
  • 17.11.2021, 13:11h
  • Jetzt muß sich aber auch Queen sofort umbenennen .... und Twisted Sisters .... und .... und .... und ......
  • Antworten » | Direktlink »
#4 KaiJAnonym
#5 Ith_Anonym
  • 17.11.2021, 14:17h
  • Hm, komplexe Sache. "Misgendering" finde ich hier eindeutig die falsche Beschreibung der Problematik, denn Misgendering ist etwas, das andere dir gegenüber tun. Oder du selbst vielleicht aus tranfeindlichem Selbst-Hass heraus.

    Andererseits ist eine Gruppe Cis-Männer gegenüber weiblichen Musiker*innen aber nunmal durchaus privilegiert, und da hat es schon etwas von Aneignung, wovon sich Angehörige der tatsächlich benachteiligten Gruppe übervorteilt fühlen können.

    Offensichtlich hat es gesellschaftlich und vor allem auch innerhalb der Branche vergleichsweise benachteiligte Menschen gegeben, die sich herabgesetzt oder angegriffen fühlten. Als Angehöriger einer privilegierten Gruppe in solchen Fällen zuzuhören, zu reflektieren und Dinge ggf. zu ändern, hätte man früher jetzt Rücksichtnahme oder Anstand genannt. Heute wird der Verzicht auf das Treten nach unten dagegen offenbar als unmoralisch empfunden, und stattdessen das forcierte Herumtrampeln auf Leuten eingefordert, die wirtschaftlich vergleichsweise sehr viel schlechtere Chancen haben als eins selbst. Als Rache sozusagen an den Unterprivilegierten, dafür, dass sie es gewagt haben, den Mund aufzumachen. Begleitet von der Empörung darüber, dass die Privilegierten ihrem intrinsischen Auftrag nicht nachkommen, ihre Vormachtstellung mit allen möglichen Mitteln zu sichern (für sich UND die empörten Mit-Privilegierten).

    Sehr traurig, dass man heutzutage nichtmal anständig mit marginalisierten Gruppen umgehen kann, ohne dafür von irgendwelchen Vorkämpfern des Patriarchats verbal auf die Nase zu bekommen.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Gnurfel42Anonym
  • 17.11.2021, 18:04h
  • Antwort auf #5 von Ith_
  • > Andererseits ist eine Gruppe Cis-Männer gegenüber weiblichen Musiker*innen aber nunmal durchaus privilegiert, und da hat es schon etwas von Aneignung, wovon sich Angehörige der tatsächlich benachteiligten Gruppe übervorteilt fühlen können.

    Natürlich haben sie eine privilgierte Position, aber es ist doch unglaublich weit hergeholt, aus dem Namen »Girl Band« eine »Übervorteilung« oder gar »Aneignung« lesen zu wollen. Wenn ich deiner Logik folgen würde, müsste die totale Cisnormativität erzwungen werden, da sich nur Männer Männernamen und nur Frauen Frauennamen geben dürften, und Nichtbinäre und alle anderen hätten die goldene Arschkarte gezogen. TERFs würden dir applaudieren.
    Weißt du, welche Gruppe von Menschen sich auch permanent Dinge »aneignet«? Dragqueens und -kings. Legst du dich mit ihnen auch noch an, oder gibst du zu, dass du gerade verkackt hast?

    > Heute wird der Verzicht auf das Treten nach unten dagegen offenbar als unmoralisch empfunden, und stattdessen das forcierte Herumtrampeln auf Leuten eingefordert, die wirtschaftlich vergleichsweise sehr viel schlechtere Chancen haben als eins selbst.

    Also echt jetzt! Wir reden hier vom Namen »Girl Band«. Das ist alles, nur kein »Herumtrampeln auf Leuten«.

    Meiner Meinung nach darf sich die Band nennen, wie sie will (also natürlich auch »Gilla Band«), wenn es nicht volksverhetzend ist. Das ist ihre freie Entscheidung. Ich kritisiere vielmehr den Druck, der von außen kam.

    »Girl Band« ist nicht volksverhetzend, nicht verächtlich machend, nicht abwertend, nichts von alledem. Nein, das einzige »Argument« gegen diesen Namen ist, dass die Band nicht aus »girls« besteht.
    Das ist somit nichts weiter als ein cisnormatives und sexistisches Pseudoargument! Und dass die Bandmitglieder selbst zufällig cis sind, ändert nichts daran, dass das Argument cisnormative Kackscheiße ist.

    Ich bin nicht prinzipell dagegen, Namen zu ändern, wenn sich rausstellt, diese Namen sind sehr verletzend. Ich bin jedoch sehr empfindlich, wenn von außen irgendetwas mit Pseudoargumenten, die an TERF-Logik erinnern, forciert wird.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 TuckDavisProfil
  • 17.11.2021, 18:10hBad Kreuznach
  • Antwort auf #5 von Ith_
  • Ich habe sicher keine tiefe Einsicht in die Musikbranche, aber aus meiner subjektiven Wahrnehmung heraus ist es eine der wenigen Branchen in denen Cismänner in den unteren Rängen (sprich: Akteur*innen) nicht privilegiert sind.

    Früher musste man* singen können um Erfolgreich zu sein, später musste man* gut aussehen und singen können. Heute verheizt die Branche komplett diskriminierungsfrei alles, was nicht bei drei auf dem Baum ist und nach Geld aussieht.

    Wie gesagt, nur mein Eindruck ;-)
  • Antworten » | Direktlink »
#8 Gnurfel42Anonym
  • 17.11.2021, 18:28h
  • Erstmal dürfen sie ihre Band nennen, wie sie wollen, solange es nicht offensichtliche Volksverhetzung ist. Wenn sie für sich selbst entschieden haben, dass sie nun »Gilla Band« heißen, ist das völlig OK. Das will ich ihnen nicht absprechen.

    ABER: Den offiziellen Grund der Namensänderung halte ich jedoch für eine gefährliche Logik. Der Name ist nicht »misgendernd«, denn beim Misgendering geht es um konkrete Personen und Gruppen. Dies war aber ein Name, den sie SICH SELBST gegeben haben. Das Misgendering kann hier also nicht greifen.

    Wenn wir diese Unlogik weiterdächten, müssten wir auch Männer, die bewusst einen sterotypen »Frauennamen« für sich wählen, anmaulen, sowie Frauen, die bewusst einen stereotypen »Männernamen«, weil sie sich angeblich etwas »aneignen«. Es kann viele Gründe dafür geben, es kann, muss aber nicht eine trans oder inter Identität sein. Es kann auch banal darum gehen, um mit Gendernormen zu spielen. Konsequenterweiese müsste man auch alle Dragqueens und -kings anbrüllen, denn die betreiben schließlich »Aneignung« hoch zehn. Und viele Nichtbinäre hätten dann die goldene Arschkarte gezogen, die ecken garantiert irgendwo an. Das alles ist nicht befreiend, sondern einengend. Das kann nicht der Sinn (gender)queerer Politik sein.

    Diese Leute sind logisch nicht konsequent. Sie MÜSSTEN eigentlich auch Dragqueens und -kings anbrüllen, um logisch konsistent zu bleiben. Tun sie aber nicht. Denn wenn sie es täten, würden sie sich als reaktionär demaskieren. Am Ende führt diese Unlogik zur Cisnormativität, und keiner gewinnt irgendwas.

    Ich kritisiere ausdrücklich nicht die Band selbst für ihre Entscheidung der Namensänderung, sondern eher die Leute, die sie dazu drängten, den Namen zu ändern. Ich kann nicht nachvollziehen, wie der Name »Girl Band« so schlimm sein soll. Wäre die Band auch kritisiert worden, wenn die Bandmitglieder Frauen wären? Oder nichtbinär? Wahrscheinlich nicht. Die Aufregung über den Namen »Girl Band« stufe ich daher als sexistisch und cisnormativ ein.
    Wohl gemerkt, ich kritisiere, die Aufregung darüber. Die Band selbst trifft meiner Meinung nach keine Schuld. Sie haben einfach nur reagiert.

    Die anderen im Artikel genannten Bandumbenennungen will ich explizit NICHT bewerten, weil es bei denen nicht um Gender ging. Man kann diese Umbenennungen nicht wirklich vergleichen, da ganz verschiedene Bereiche betroffen waren. Da der Kontext bei diesem Umbenennungen ein anderer ist, kann man daher auch nicht die gleiche Argumentation auf sie anwenden. Der Artikel macht hier also einen Kategorienfehler, indem er all diese Umbenennungen unzulässig in einen Topf als gleichwertig wirft. Der Name »Girl Band« ist überhaupt nicht zu vergleichen mit z.B. »Slaves«.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 saxominoAnonym
#10 Ith_Anonym
  • 17.11.2021, 19:29h
  • Antwort auf #6 von Gnurfel42
  • "Legst du dich mit ihnen auch noch an, oder gibst du zu, dass du gerade verkackt hast?"

    Ach, weißt du, ich kenne einfach den Unterschied zwischen cis-Männern und Leuten, die NICHT die Privilegien von cis-Männern genießen, und stell' mich nicht absichtlich dämlich, um vollkommen absurde Übertragungen zu konstruieren.

    Aber ich leg mich halt auch lieber mit Leuten an, die gesellschaftlich über mir stehen, statt nach unten zu treten. Kommt mir einfach weniger ungerecht vor.
  • Antworten » | Direktlink »