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Toxische Männlichkeit im Wilden Westen

Benedict Cumberbatch als Rancher, der seine Homosexualität unterdrückt: Mit "The Power of the Dog" ist Jane Campion ein visuell, schauspielerisch und psychologisch eindrucksvolles Westerndrama gelungen.


Mit Benedict Cumberbatch hat Regisseurin Jane Campion einen so überraschenden wie überzeugenden Hauptdarsteller gefunden (Bild: Kirsty Griffin / Netflix)

Die Illusion, dass es sich bei "The Power of the Dog", dem neuen Film der neuseeländischen Regisseurin Jane Campion, um einen herkömmlichen Western handeln würde, hält nicht lange an. Sicherlich, es geht hier um Männer in Cowboystiefeln und -hüten, die auf Pferden durch die kargen Weiten Montanas in den 1920er Jahren reiten und sich auf ihrer Ranch um die Rinder kümmern. Doch schnell wird auch klar, dass es ihr sowohl in der Handlung als auch im darunter liegenden Subtext bald um viel mehr geht als alte Klischees.

Tatsächlich ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans des schwulen Autors Thomas Savage (der im Dezember mehr als 50 Jahre nach Veröffentlichung erstmals auf Deutsch erscheint) nämlich zunächst einmal eine Familiengeschichte. Besagte Ranch wird von zwei ungleichen Brüdern betrieben, dem aggressiv-wortkargen Phil (Benedict Cumberbatch) und dem besonnenen George (Jesse Plemons). Als letzterer eines Tages unerwartet die labile Witwe Rose (Kirsten Dunst, die auch in echt Plemons' Frau ist) heiratet, die auch noch ihren jugendlichen Sohn Peter (Kodi Smit-McPhee) mit in die neue Familienkonstellation bringt, setzt Phil alles daran, dieses Glück zu zerstören.

Phil unterdrückt seine Homosexualität

Rose versucht er, mit seinem Hass in den Suff zu treiben, doch vor allem an dem sensibel und zart Peter scheint er sich besonders zu reiben, verlacht ihn als weibisch und beschimpft ihn als Schwuchtel. Was auch damit zu tun haben könnte, dass Phil hinter seinem brutalen Macho-Auftreten massiv mit erdrückenden Männlichkeitsidealen und vor allem seiner eigenen sexuellen Identität ringt. Sein verstorbener Mentor Bronco Henry, von dessen kerniger Kerligkeit Phil noch immer schwärmt, dürfte in jedem Fall emotional für ihn mehr gewesen als nur ein väterlicher Freund.


Der sensible Peter (Kodi Smit-McPhee) wird von Phil gemobbt (Bild: Kirsty Griffin / Netflix)

Wie intensiv man sich einlassen mag auf ihre Auseinandersetzung mit der toxischen Männlichkeit und Homophobie, in der ihr Protagonist gefangen ist, überlässt Campion ganz dem Publikum. Statt auf den Holzhammer setzt sie auf die Subtilität des Ungesagten und Auslassungen – nicht zuletzt die Fragen, ob Peter eigentlich homosexuell ist oder was genau zwischen den beiden passiert, wenn sie in der zweiten Filmhälfte in die Wildnis ausreiten, bleibt den Gedanken der Zuschauer*innen überlassen.

Durch die Bank exzellente Darsteller*innen

Das funktioniert auch deswegen so hervorragend, weil Campion in Benedict Cumberbatch einen so überraschenden wie überzeugenden Hauptdarsteller gefunden hat. Selten war der Brite, der hier seine übliche intellektuelle Feinsinnigkeit durch die testosteronschwangere und muskelbepackte Breitbeinigkeit seiner Figur durchscheinen lässt, besser. Wie überhaupt auch Kirsten Dunst, Kodi Smit-McPhee und der Rest des Ensembles durch die Bank exzellent sind.


Phil und Peter kommen sich näher (Bild: Kirsty Griffin / Netflix)

Darüber hinaus ist "The Power of the Dog" aber, wie immer bei Campion, natürlich auch ein Film von geradezu poetischer Schönheit, der nicht zuletzt von den beeindruckend prächtigen Bildern der Kamerafrau Ari Wegner lebt, die die Regisseurin mit der faszinierenden Musik von Radiohead-Mann Johnny Greenwood konterkariert. Wer kann, sollte sich deswegen dieses außergewöhnliche und lange nachwirkende Film-Erlebnis unbedingt auf der Leinwand ansehen. Ab dem 1. Dezember ist "The Power of the Dog" aber auch bei Netflix zu sehen.

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Infos zum Film

The Power of the Dog. Westerndrama. Australien, USA u.a. 2021. Regie: Jane Campion. Darsteller*­innen: Benedict Cumberbatch, Kirsten Dunst, Jesse Plemons, Kodi Smit-McPhee. Laufzeit: 128 Minuten. FSK 16. Verleih: Filmwelt/Netflix. Kinostart: 18. November 2021. Ab 1. Dezember 2021 auf Netflix
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Queere TV-Tipps
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#1 MarkoAnonym
  • 19.11.2021, 08:25h
  • Das Thomas Savage schwul war ist mir neu. Wenn das so ist, muss es an sich eine interessante Geschichte sein, da er lebenslang mit der (ebenfalls Schriftstellerin) Elisabeth Savage verheiratet war. Ich sage nicht, dass es unmöglich ist, dass er trotzden schwul war, er wäre nicht der erste. Hinweis habe ich aber keinen Gefunden...
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#2 MarkoAnonym
#3 Ith_Anonym
  • 19.11.2021, 10:04h
  • Okay, also eine Noncon-SM-Story, bei der der Top den Bottom dann aber nichtmal vor der Kamera irgendwann auch einfach durchfickt und/oder ihm (man sich gegenseitig) seine Liebe gesteht?
    Ich weiß nicht. Da hätte ich statt Realgewalt dann doch lieber einen Hauch von Fantasy gesehen.

    Aber gut, das mit dem Durchficken vor der Kamera ist dann halt auch nicht das, was man in nem Gay-for-Oscar-Film zeigen will. Ruiniert am Ende den Schauspielern noch den Ruf, und das ist ja nun wirklich nicht Sinn der Sache, wenn man sowas dreht. Da hätte man ja dann auch gleich schwule Schauspieler nehmen können.
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