Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?40503

Jetzt im Kino

Toxische Männlichkeit im Wilden Westen

Benedict Cumberbatch als Rancher, der seine Homosexualität unterdrückt: Mit "The Power of the Dog" ist Jane Campion ein visuell, schauspielerisch und psychologisch eindrucksvolles Westerndrama gelungen.


Mit Benedict Cumberbatch hat Regisseurin Jane Campion einen so überraschenden wie überzeugenden Hauptdarsteller gefunden (Bild: Kirsty Griffin / Netflix)

Die Illusion, dass es sich bei "The Power of the Dog", dem neuen Film der neuseeländischen Regisseurin Jane Campion, um einen herkömmlichen Western handeln würde, hält nicht lange an. Sicherlich, es geht hier um Männer in Cowboystiefeln und -hüten, die auf Pferden durch die kargen Weiten Montanas in den 1920er Jahren reiten und sich auf ihrer Ranch um die Rinder kümmern. Doch schnell wird auch klar, dass es ihr sowohl in der Handlung als auch im darunter liegenden Subtext bald um viel mehr geht als alte Klischees.

Tatsächlich ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans des schwulen Autors Thomas Savage (der im Dezember mehr als 50 Jahre nach Veröffentlichung erstmals auf Deutsch erscheint) nämlich zunächst einmal eine Familiengeschichte. Besagte Ranch wird von zwei ungleichen Brüdern betrieben, dem aggressiv-wortkargen Phil (Benedict Cumberbatch) und dem besonnenen George (Jesse Plemons). Als letzterer eines Tages unerwartet die labile Witwe Rose (Kirsten Dunst, die auch in echt Plemons' Frau ist) heiratet, die auch noch ihren jugendlichen Sohn Peter (Kodi Smit-McPhee) mit in die neue Familienkonstellation bringt, setzt Phil alles daran, dieses Glück zu zerstören.

Phil unterdrückt seine Homosexualität

Rose versucht er, mit seinem Hass in den Suff zu treiben, doch vor allem an dem sensibel und zart Peter scheint er sich besonders zu reiben, verlacht ihn als weibisch und beschimpft ihn als Schwuchtel. Was auch damit zu tun haben könnte, dass Phil hinter seinem brutalen Macho-Auftreten massiv mit erdrückenden Männlichkeitsidealen und vor allem seiner eigenen sexuellen Identität ringt. Sein verstorbener Mentor Bronco Henry, von dessen kerniger Kerligkeit Phil noch immer schwärmt, dürfte in jedem Fall emotional für ihn mehr gewesen als nur ein väterlicher Freund.


Der sensible Peter (Kodi Smit-McPhee) wird von Phil gemobbt (Bild: Kirsty Griffin / Netflix)

Wie intensiv man sich einlassen mag auf ihre Auseinandersetzung mit der toxischen Männlichkeit und Homophobie, in der ihr Protagonist gefangen ist, überlässt Campion ganz dem Publikum. Statt auf den Holzhammer setzt sie auf die Subtilität des Ungesagten und Auslassungen – nicht zuletzt die Fragen, ob Peter eigentlich homosexuell ist oder was genau zwischen den beiden passiert, wenn sie in der zweiten Filmhälfte in die Wildnis ausreiten, bleibt den Gedanken der Zuschauer*innen überlassen.

Durch die Bank exzellente Darsteller*innen

Das funktioniert auch deswegen so hervorragend, weil Campion in Benedict Cumberbatch einen so überraschenden wie überzeugenden Hauptdarsteller gefunden hat. Selten war der Brite, der hier seine übliche intellektuelle Feinsinnigkeit durch die testosteronschwangere und muskelbepackte Breitbeinigkeit seiner Figur durchscheinen lässt, besser. Wie überhaupt auch Kirsten Dunst, Kodi Smit-McPhee und der Rest des Ensembles durch die Bank exzellent sind.


Phil und Peter kommen sich näher (Bild: Kirsty Griffin / Netflix)

Darüber hinaus ist "The Power of the Dog" aber, wie immer bei Campion, natürlich auch ein Film von geradezu poetischer Schönheit, der nicht zuletzt von den beeindruckend prächtigen Bildern der Kamerafrau Ari Wegner lebt, die die Regisseurin mit der faszinierenden Musik von Radiohead-Mann Johnny Greenwood konterkariert. Wer kann, sollte sich deswegen dieses außergewöhnliche und lange nachwirkende Film-Erlebnis unbedingt auf der Leinwand ansehen. Ab dem 1. Dezember ist "The Power of the Dog" aber auch bei Netflix zu sehen.

Direktlink | Offizieller deutscher Trailer
Datenschutz-Einstellungen | Info / Hilfe

Infos zum Film

The Power of the Dog. Westerndrama. Australien, USA u.a. 2021. Regie: Jane Campion. Darsteller*innen: Benedict Cumberbatch, Kirsten Dunst, Jesse Plemons, Kodi Smit-McPhee. Laufzeit: 128 Minuten. FSK 16. Verleih: Filmwelt/Netflix. Kinostart: 18. November 2021. Ab 1. Dezember 2021 auf Netflix


#1 MarkoAnonym
  • 19.11.2021, 08:25h
  • Das Thomas Savage schwul war ist mir neu. Wenn das so ist, muss es an sich eine interessante Geschichte sein, da er lebenslang mit der (ebenfalls Schriftstellerin) Elisabeth Savage verheiratet war. Ich sage nicht, dass es unmöglich ist, dass er trotzden schwul war, er wäre nicht der erste. Hinweis habe ich aber keinen Gefunden...
  • Antworten » | Direktlink »
#2 MarkoAnonym
#3 Ith_Anonym
  • 19.11.2021, 10:04h
  • Okay, also eine Noncon-SM-Story, bei der der Top den Bottom dann aber nichtmal vor der Kamera irgendwann auch einfach durchfickt und/oder ihm (man sich gegenseitig) seine Liebe gesteht?
    Ich weiß nicht. Da hätte ich statt Realgewalt dann doch lieber einen Hauch von Fantasy gesehen.

    Aber gut, das mit dem Durchficken vor der Kamera ist dann halt auch nicht das, was man in nem Gay-for-Oscar-Film zeigen will. Ruiniert am Ende den Schauspielern noch den Ruf, und das ist ja nun wirklich nicht Sinn der Sache, wenn man sowas dreht. Da hätte man ja dann auch gleich schwule Schauspieler nehmen können.
  • Antworten » | Direktlink »
#4 Ith_Anonym
  • 19.11.2021, 10:09h
  • Achso, das mit dem Selbsthass könnte man aus solchen Skripten bitte auch mal rausstreichen. Ein Sadist, der sein Zerstörungsobjekt einfach nur deswegen misshandelt, weil er da Spaß dran hat, und ohne dass wir ihm da irgendeinen Opferbonus geben sollen als Zuschauende, wäre sehr viel ehrlicher.
    Und hat auch weniger Vorbildfunktion für psychologisch bescheidene Konstruktionen, die Leute im RL nachbauen.

    Soll er halt auch als Schwuler einfach mal ein Psychopath sein, ohne Mitleid. Wer auf Noncon steht, wird es trotzdem sexy finden (oder auch dann erst recht), und der Rest darf dann auch einfach mal den Kopf schütteln über das A-Loch.
  • Antworten » | Direktlink »
#5 ITITAnonym
  • 19.11.2021, 13:40h
  • Antwort auf #4 von Ith_
  • Du hast den Film noch gar nicht gesehen, willst ihn aber schon jetzt wieder schlecht reden. Vielleicht erst mal anschauen und danach bewerten. Ich werde ihn mir jedenfalls anschauen und Cumberbatch ist ein super Schauspieler.
  • Antworten » | Direktlink »
#6 Ith_Anonym
  • 19.11.2021, 14:58h
  • Antwort auf #5 von ITIT
  • Ja, logisch, dass sich ihn extrem viele Leute ansehen werden, weil Cumberbatch jemand ist, der verdammt viele Fans hat.

    Umso wichtiger war es natürlich, diese Publicity und diesen Fame-Faktor für einen Film zu nutzen, der innovative Konzepte umsetzt, wie z.B. die brandaktuelle Erkenntnis, dass die größten Homo-Hasser eigentlich ja immer Leute sind, die selbst schwul sind. Und überhaupt, wir haben super viele positiv besetzte Heldenrollen für Schwule, gerade im Western-Genre, das seit jeher bekannt dafür ist, an der Speerspitze bei der Umsetzung emanzipatorischer Inhalte zu stehen. Es wäre ein Jammer, in einer Welt, in der heterocoding regelmäßig darauf beschränkt bleibt, um die Bad Guys zu markieren, eine solche personenbezogenen Publicity an das Wiederkäuen der üblichen Rollenverteilung eines "guten" Schwulen zu verschwenden, der gegen die bösen Heteros kämpft, die wieder mal entweder die Welt zerstören wollen, oder zumindest anderen Menschen das Leben zur Hölle machen (besser gesagt die hetero-coded Homos - ist ja nicht so, dass das Publikum Männer akzeptieren würde, die auf der Leinwand eine Frau dann tatsächlich küssen, auch nicht bei den Bösewichten).

    Wenigstens war man aber ja in dem Fall so großzügig, die Storyline und Umsetzung ausnahmsweise Leuten zu überlassen, die nicht trans* oder schwul sind. Es ist einfach ein Unding, welche ein verzerrte Wahrnehmung dieses Ungleichgewicht in der Deutungshoheit ansonsten beim Publikum erzeugen könnte.
    Ein wenig recht geben muss ich dir insofern natürlich schon: Selbstverständlich sollte man sich einen Film ansehen, weil ausnahmsweise mal eine Hete die Hauptrolle spielen darf. Hetero-Ownvoices kann man in dieser Welt gar nicht genug Ressourcen und Wertschätzung verschaffen. Es ist ja nicht so, dass sie auf dem Markt andernfalls irgendwelche Chancen hätten. Allein schon wegen der Vorurteile.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 SakanaAnonym
  • 19.11.2021, 15:16h
  • In dem Film wurden mal wieder spezifische Tropen verbraten wie in jedem anderen Film zu dem Thema auch (Brokeback Mountain u.ä.)

    tvtropes.org/pmwiki/pmwiki.php/Film/ThePowerOfTheDog

    In dem Fall Ambiguously Gay (Peter) und Armored Closet Gay (Phil), um die beiden Figuren fast schon als schwule Archetypen zu kennzeichnen und ein wenig zu stereotypisieren.

    Weiß noch nicht, ob der Film auf meiner Liste für die Abendunterhaltung landen wird.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 KungFuPandaAnonym
#9 gastAnonym
  • 19.11.2021, 16:07h
  • Oh Nein, bitte nicht noch eine Aufwärmung von Brokeback Mountain unter anderem Namen .....
  • Antworten » | Direktlink »
#10 LegatEhemaliges Profil
  • 19.11.2021, 22:07h
  • Ich brauche keine Filme mehr, die mich an die schlechte alte Zeit voller Hass und Selbsthass erinnern. Solche Filme sind doch in erster Linie für Heteros, die sich mal ein wenig mit schwuler Geschichte beschäftigen wollen und sich dabei als edler "Schwulenversteher" fühlen können, natürlich ohne allzu großen Tiefgang, versteht sich. Ich habe einfach keine Lust mehr, mich mit Negativität und Opferdasein auseinanderzusetzen. Denn was bleibt am Ende aus Sicht des eher oberflächlichen, vielleicht sogar gut meinenden Heteros, nach dem Konsum solcher Filme? Dass Schwule Menschen sind, die man bemitleiden müsse. Sorry, ich will's nicht mehr sehen oder hören. Wer Ally sein will, soll uns bitte auf Augenhöhe begegnen. Ich bin kein Opfer und diese toxischen Männlichkeiten haben nichts mit mir oder meinem persönlichen Umfeld zu tun. Wer wissen will, wie LGBTQ+ heute leben, sollte sich die Mühe machen, tatsächlich welche kennenzulernen und nicht nur einfach solche Filme sehen, die so weit von unseren Lebenswirklichkeiten entfernt sind, dass jeder Rückschluss darauf auf echtes LGBTQ+ Leben nur falsch sein kann. Ich wette, der Film ist super gespielt, hat wunderschöne Naturbilder und grauenvoll überzogene Hassgewalt, doch was will ich mit so einem Film? Wer ist überhaupt die Zielgruppe? Soll das was bewegen? Sollen wir etwas neues über Schwule erfahren? Oder ist das einfach nur wieder ein Versuch, mit einem "schwulen Drama" besonders "artsy" rüberzukommen, also erneut ein Ableger des "modernen schwulen Problemfilms" der in Cannes etliche Preise abräumen und mindestens für den Oscar nominiert werden wird? Man könnte es auch böse ausdrücken, indem man einen solchen Film in sein passendes Genre einordnet: Gaysploitation. Hier geht es nicht um Repräsentanz, Förderung von Akzeptanz oder geschichtliche Aufarbeitung, sondern darum auf eine recht billige Art und Weise Profit zu machen. Dass es dabei um Schwule in kaum zu ertragenden Extremsituationen geht, ist ganz und gar Methode. So sammelt es sich ganz leicht Pluspunkte bei denen, die sich "boheme" und "tolerant" fühlen wollen und dafür nichts weiter tun müssen, als ein Ticket für Sonntagnachmittag im Filmkunstkino zu erwerben, nur um anschließend direkt wieder zur konservativen Tagesordnung überzugehen in der man als "toleranter Mensch", der sich sogar "schwule Filme" ansieht, selbstverständlich nichts gegen Schwule hat, aber ...
  • Antworten » | Direktlink »