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Staatshomophobie
Russland: TV-Sender wegen "Homo-Propaganda" verurteilt
Der extravagante Auftritt einer ESC-Ikone in einer Musikshow war zu viel für die russische Staatsmacht: Ein Musiksender muss deshalb eine Geldstrafe zahlen.

Diesen Auftritt von Filipp Kirkorow (in Weiß) wertete die Staatsmacht als verbotene "Homo-Propaganda" (Bild: Screenshot Mus-TW)
- 19. November 2021, 13:02h 3 Min.
Ein Bezirksgericht in Moskau hat laut russischen Medien den Musiksender Mus-TW wegen Verstoßes gegen das Gesetz gegen "Homo-Propaganda" aus dem Jahr 2013 verurteilt. Der Sender erhielt die höchstmögliche Geldstrafe in Höhe von einer Million Rubel (14.000 Euro). Zudem erhielt der Chefredakteur des Senders eine Geldstrafe in Höhe von 100.000 Rubel (1.400 Euro).
Anlass für die Strafe ist eine Sendung von Anfang Juni, in der der Sänger Filipp Kirkorow mit einem Blogger in einem großen Cabrio zur Show eingefahren wurde und dann von halbnackten Männern umgeben war. Auch Dragqueens waren in dem Auftritt zu sehen. Die russische Medienzensurbehörde Roskomnadsor erstattete daraufhin Anzeige gegen den Sender. Welche Szenen genau beanstandet worden sind, teilte die Behörde nicht mit. Die Szene wurde im Tagesprogramm gezeigt und mit einer Alterskennzeichnung "6+" – Medien können die bislang seltenen Verfolgungen nach dem "Propaganda"-Gesetz durch eine Auszeichung "ab 18" entgehen.
Kirkorow ist in Russland ein großer Star, der mit seinen ausgeflippten Auftritten für Schlagzeilen sorgt. Er arbeitet auch als Komponist und Produzent. Der 54-Jährige ist auch durch den Eurovision Song Contest bekannt: Er trat 1995 mit dem Lied "Kolybelnaja dlja wulkana" für Russland an und belegte den 17. Platz (Deutschland wurde damals mit Stone & Stone und "Verliebt in Dich" 23. und damit Letzter). In den letzten 14 Jahren wirkte er zudem als Co-Autor bei sieben ESC-Beiträgen von Russland, Moldawien, Belarus und der Ukraine mit, darunter auch dem diesjährigen moldawischen Beitrag "Sugar" von Natalia Gordienko, der den 13. Platz belegte.
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Auch wenn er sich extravagant gibt, eckt Kirkorow politisch in seinem autoritär regierten Heimatland nicht an. So unterstützte er öffentlich die völkerrechtswidrige Annexion der Krim durch Russland. Aus diesem Grund hat Litauen ein Einreiseverbot gegen den Sänger verhängt.
Privat war Kirkorow mehr als zehn Jahre lang mit der russischen Sängerin Alla Pugatschowa, der russischen ESC-Teilnehmerin von 1997, verheiratet. Viele Beobachter*innen gehen davon aus, dass es sich dabei mehr um eine geschäftliche als eine romantische Beziehung handelte (queer.de berichtete).

2017 übergab Präsident Wladimir Putin Kirkorow die russische Version des Bundesverdienstkreuzes (Bild: Kremlin.ru / wikipedia)
Das russische Gesetz gegen "Homo-Propaganda" wird international scharf kritisiert. Erst im Oktober warf die Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz dem Putin-Regime schwere Versäumnisse vor und nannte dabei auch dieses LGBTI-feindliche Gesetz (queer.de berichtete). Die russische Regierung wies Kritik jedoch stets zurück. Außenminister Sergei Lawrow warf erst im Sommer dem Westen eine "aggressive LGBT-Propaganda" vor (queer.de berichtete).

Kommentare unter einem Bericht über die Verurteilung von Mus-TW in der staatlich-russischen Propaganda-Website "RT Deutsch"
Die russische Staatshomophobie verfängt auch in der Bevölkerung: So sprechen sich laut einer im Oktober veröffentlichten Umfrage mehr als zwei Drittel gegen gleichgeschlechtliche Beziehungen aus (queer.de berichtete). (dk)
















Da muss man ja in Schwimmhallen demnächst vorsichtig sein.