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Kalifornien

Trans Frau in Männerzelle schwer verletzt

In San Diego im US-Bundesstaat Kalifornien sperrten Polizisten eine trans Frau mit drei Männern in eine Zelle. Einer brach ihr den Kiefer. Nun klagt sie gegen das Sheriff's Department und verlangt Schadensersatz.


Die Polizei in San Diego soll für die schweren Verletzungen einer Frau verantwortlich sein (Bild: Tomás Del Coro / flickr)

Dieser Fall wirft ein grelles Schlaglicht auf die Debatte um transgeschlechtliche Frauen und die Sicherheit von Frauenräumen und Gefängnissen. In San Diego im US-Bundesstaat Kalifornien klagt eine trans Frau gegen den örtlichen Sheriff. Der Grund: Vor einem Jahr wurde sie festgenommen und mit drei Männern in eine Zelle untergebracht. Das Resultat: ein gebrochener Kiefer. Dabei war Kristina F. nicht nur äußerlich als Frau zu erkennen. Auch ihre Unterlagen wiesen sie als die Frau aus, die sie ist.

Doch gegen die offenkundige Transfeindlichkeit der Beamten halfen weder die Dokumente noch die eigentlich klaren Regeln zur Unterbringung von transgeschlechtlichen Gefangenen. In der Zelle weckte einer der Männer Kristina F., als sie eingeschlafen war, schlug auf sie ein und brach ihr zweifach den Kiefer. Aufgrund der Verletzung musste die Frau bereits zweimal operiert werden. Eine Heilung der körperlichen Wunden ist auch ein Jahr später noch nicht eingetreten. Ihr Kiefer ist verdrahtet, und sie muss ein künstliches Gebiss tragen.

Wegen der Verletzung der Aufsichtspflichten hat Kristina F. nun Klage eingereicht und verlangt vom Sheriff's Department San Diego eine nicht bekannte Summe als Schadensersatz.

Musste sie wegen Transhass leiden?

Die Klage der Frau richtet sich sowohl gegen den Sheriff als obersten Amtsträger des County als auch gegen namentlich genannte Beamte, die in der Entscheidung zur für die Frau höchst gefährlichen, falschen Unterbringung maßgeblich involviert gewesen sein sollen.

Dass es sich um ein Verbrechen aus Hass gegen die Frau durch die Beamten handelte, legen auch die Unterlagen nahe, die es zur Inhaftierung von F. gibt. Denn die wegen einer Geringfügigkeit inhaftierte Frau wurde nicht nur vor Ort von den Beamten konstant misgendert. Selbst in der Dokumentation der brutalen Attacke auf die inhaftierte Schutzbefohlene wird F. konsequent falsch angesprochen.

Laut Klage sollen ein oder mehrere Wärter den Angriff auf F. mitbekommen haben. Doch bevor sie der Angegriffenen zur Hilfe eilten, sollen sie zunächst für F. sichtbar gewartet haben. Selbst dann war das Martyrium der Frau jedoch nicht vorüber. Statt F. in ärztliche Behandlung zu bringen, ließen die Polizisten die Verletzte für weitere 12 Stunden in der Zelle sitzen. Hierzu entfernten sie nur den Angreifer und brachten ihn gesondert unter.

Aus der Klage geht nicht hervor, aus welchem Grund F. ursprünglich festgenommen wurde. Es soll sich jedoch um eine Angelegenheit handeln, die normalerweise mit der Aufnahme der nötigen Daten und der anschließenden Entlassung erledigt gewesen wäre. Auch dadurch liegt der Verdacht nahe, dass F. für ihre Transgeschlechtlichkeit bestraft worden ist. Im Begründungsschreiben der Klage auf Schadensersatz wird den Beamten jedoch nur vorgeworfen, "kritische Informationen ignoriert" zu haben, was zu dem "voraussehbaren" Angriff auf F. geführt habe.

Rundschreiben sah besonderen Schutz vor

Ein polizeiinternes Rundschreiben zum Umgang mit LGBTI verlangt von den Mitarbeiter*innen eigentlich, bei der Inhaftierung eine Richtlinie des San Diego County Sheriff's Department zu befolgen, wonach alle Personen aufzunehmen, zu evaluieren und dann entsprechend unterzubringen seien.

Zudem sei "eine sichere und humane Verwahrung für sie zu gewährleisten". Explizit schließt das laut Rundschreiben trans- und intergeschlechtliche sowie nichtbinäre Personen ein. Zudem genannt wird die gesamte LGBTI-Community, die in Gefängniszellen einem höheren Risiko sexueller Gewalt ausgesetzt sei. An die eigene Richtlinie gebunden gefühlt haben sich die Beamten offenbar nicht.



#1 HexeAnonym
  • 20.11.2021, 18:32h
  • Ich hoffe sehr das sie vor Gericht Recht bekommt.
    Die körperlichen und seelischen Schmerzen müssen Schrecklich sein.
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#2 Ith_Anonym
  • 20.11.2021, 19:37h
  • Das mit dem Misgendern und dem Verwenden des abgelegten Namens in sämtlichen Unterlagen trotz Offenbarungsverbot hatte ich kürzlich erst in der Timeline. Das gibt's auch in Deutschland.
    Und von wegen geringfügiger Gründe sag ich bloß "weißes Pulver".
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#3 copsAnonym
#4 queergayProfil
  • 20.11.2021, 23:42hNürnberg
  • Die mißhandelte und gedemütigte Frau soll alle juristischen Möglichkeiten nutzen, die sich ihr nun bieten um gegen alle ihre Peiniger rigoros vorzugehen.
    In USA hat sie gute Chancen, auch eine hohe finanzielle Entschädigung zugesprochen zu bekommen. Und die hat sie wahrlich verdient.
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#5 LegatProfil
  • 21.11.2021, 10:15hFrankfurt am Main
  • Vorsätzlich den Kiefer zu brechen erfordert einen unfassbaren Grad an Gewalt. Ich vermute mal, die Frau hatte etwas zu viel Cannabis dabei. Egal was es war, das Versagen des Staates ist hier schon dadurch gegeben, überhaupt Menschen wegen Geringfügigkeiten einzusperren und selbst wenn es "nur" für ein paar Stunden ist. Meist ist es wesentlich länger und dadurch werden Gefängnisplätze zur sicheren Unterbringung von Gewalttätern natürlich knapp. Das zweite Versagen ist ein gesamtgesellschaftliches, indem überhaupt Menschen derart gewalttätig werden können. Der Täter ist vermutlich völlig verroht und hat selbst Gewalt erfahren. Dies ist in keinster Weise eine Entschuldigung der Tat! Doch weitergedacht liegen hier systemische Probleme zugrunde, die wir uns selbst in unseren Gesellschaften geschaffen haben. Im heutigen Kalifornien gibt es keinen Grund außer den selbstgemachten systemischen Gründen, warum ein Mensch derart gewalttätig wird und die Polizei das auch noch unterstützt. Die Politik, die Religionen, die Medien, die Wirtschaft, sie alle haben ihren Anteil daran, dass eine Frau in einem angeblich demokratischen Rechtsstaat mit Gewalttätern zusammengesperrt wird, um dann, ziemlich sicher mit Tötungsabsicht bei diesem Grad an Gewalt, brutal zusammengeschlagen zu werden und dann auch noch viele Stunden leiden muss, bevor ärztliche Hilfe gewährt wird. All das einfach nur, weil sie eine Frau ist.

    Wir sind wahrlich noch WEIT entfernt von der Verwirklichung humanistischer Ideale.
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#6 DQ24Anonym
  • 21.11.2021, 11:34h
  • Nicht der einzige Fall in Kalifornien oder den USA. Und auch in Deutschland kann so etwas passieren. Das Problem sehe ich nicht nur in der Transphobie der Beamten und der Gefängnisinsassen, sondern vor allem in der toxischen Männlichkeit, die sich darin äußert, dass alles eliminiert werden soll, was nicht als "männlich" gilt, oder als Bedrohung der eigenen Männlichkeit wahrgenommen wird.
    Vor über fünfzehn Jahren töteten vier Jugendliche die Transfrau Gwen Araujo durch schwere Schläge, waren sie dann wie Abfall weg. Einer der Täter hatte vorher Oralsex mit ihr gehabt, und ein CiS - Frau, die eifersüchtig auf Gwen war, weil sie mit Gwens Sexpartner was haben wollte, verriet ihm das "wahre" Geschlecht von Gwen. Aus Angst, von seinen Kumpeln für schwul gehalten zu werden (tatsächlich sagte er, als er sie zusammenschlug mit seinen Freunden, dass er nicht schwul sein kann), töteten er und seine Freunde Gwen. Beim ersten Prozess konnten die Geschworenen sich nicht einigen, und erst beim zweiten Prozess wurden sie zu minimalen Strafen verurteilt. Dazu gibt es einen wundervollen Fernsehfilm:

    www.youtube.com/watch?v=qOztyMi8lVM
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#7 Ith_Anonym
  • 21.11.2021, 11:50h
  • Antwort auf #4 von queergay
  • Immerhin, wenigstens das.
    Bessere Chancen, auf offener Straße ermordet zu werden, insbesondere für PoC. Aber wenn es dann doch mal die Presse interessiert und man es lebend vor ein Gericht schafft, gibt es zumindest auch eine gewisse Chance auf wenigstens finanzielle Entschädigung.
    Sowas kannst hier in Deutschland bei Gewalt durch Polizei oder bei polizeilich verschuldeter Gewalt und Verletzungen einfach mal vergessen. Nicht nur als trans-Person.
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#8 DQ24Anonym
  • 23.11.2021, 11:38h
  • Antwort auf #4 von queergay
  • So gut, wie Du denkst, sind ihre Chancen leider nicht. Denn die Polizei und Justiz wird mauern, aus Angst vor einer hohen Schadenersatzforderung. Sie werden lügen, Tatsachen verdrehen, und das Opfer zum Täter machen. Ist übliche Praxis in solchen Fällen in vielen Staaten der USA, und in manchen Ländern in Deutschland.
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