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Rechtsstreit um Blumen

USA: Homophobe Floristin gibt auf

Jahrelang kämpfte Barronelle Stutzman verbissen dafür, Homosexuellen keine Blumen verkaufen zu müssen. Jetzt beendet die Südstaatenbaptistin ihren Kreuzzug – beharrt aber darauf, im Recht zu sein.


Barronelle Stutzman verbrachte die letzten acht Jahre ihres Lebens damit, für ihr Recht auf Diskriminierung Homosexueller zu kämpfen – und war ein gern gesehener Gast in LGBTI-feindlichen Nachrichtensendungen (Bild: Screenshot / Youtube/CBN)

Ende eines acht Jahre andauernden Rechtsstreits: Die aus dem amerikanischen Westküstenstaat Washington stammende Floristin Barronelle Stutzman hat vergangene Woche erklärt, nicht mehr für ihr Recht kämpfen zu wollen, Schwulen und Lesben wegen deren sexueller Orientierung Dienstleistungen verweigern zu dürfen. Die 77-Jährige habe den Klägern, dem schwulen Paar Curt Freed und Robert Ingersoll, ein Schmerzensgeld in Höhe von 5.000 Dollar (4.400 Euro) überwiesen. Das Paar hat bereits angekündigt, das Geld an die LGBTI-Organisation PFLAG zu spenden und die Spende mit eigenen Mitteln zu verdoppeln.

Der Fall um die christliche Blumenverkäuferin geht auf das Jahr 2013 zurück: Damals weigerte sie sich, Freed und Ingersoll Blumen zu verkaufen, nachdem sie herausgefunden hatte, dass diese für die Hochzeit des Paares bestimmt waren. Sie sagte den verdutzten Männern, sie könne ihnen wegen ihrer "Beziehung zu Jesus Christus" nicht behilflich sein. Die beiden Männer waren zuvor zehn Jahre lang Stammkunden in dem Laden gewesen und ihre sexuelle Orientierung hatte ihren Aussagen zufolge nie eine Rolle gespielt. Jetzt argumentierte Stutzman aber, ihr könne als Südstaatenbaptistin nicht zugemutet werden, mit ihren Blumen eine gleichgeschlechtliche Eheschließung zu "unterstützen".

Das Paar klagte und berief sich auf das regionale Antidiskriminierungsgesetz im Bundesstaat Washington, wonach niemandem wegen seiner sexuellen Orientierung eine Dienstleistung verweigert werden darf. Der Fall ging durch mehrere Instanzen. Nachdem der Oberste Gerichtshof des Staates Washington dem schwulen Paar Recht gegeben hatte, weigerte sich der Supreme Court im Juli, den Fall anzunehmen (queer.de berichtete).

Stutzman: "Mein Glaube steht nicht zum Verkauf"

Laut der LGBTI-feindlichen Organisation "Alliance Defending Freedom", die sie vor Gericht unterstützte, habe sich Stutzman mit den Klägern geeinigt und habe bis zum Ende nicht gegen ihr Gewissen handeln müssen. Ihren Blumenladen habe sie abgegeben, damit dieser durch die Klage nicht ruiniert werde. "Ich gebe nun meinen Rechtsstreit für die Freiheit an andere ab", so Stutzman in einer Pressemitteilung. "Ich habe nie gegen mein Gewissen oder meinen Glauben handeln müssen." Dem Sender Fox News Channel sagte sie außerdem, ihr Glauben "steht nicht zu Verkauf"

Das Klägerpaar, das von der US-Bürgerrechtsorganisation ACLU unterstützt worden war, erklärte nach dem Ende des Rechtsstreits: "Wir haben diese Klage eigereicht, weil wir Sorge hatten, dass dieses Verhalten andere queere Menschen schädigt." Gleichgeschlechtliche Paare dürften nicht anders behandelt werden als alle anderen Paare.

Twitter / RiaTabaccoMar | Eine ACLU-Sprecherin zeigt sich dankbar, dass der Rechtsstreit endlich vorbei ist
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Trotz ihrer Niederlage gilt Stutzman vielen LGBTI-feindlichen Christ*innen als Heldin. Der evangelikale Starprediger Franklin Graham lobte Stutzman etwa am Samstag auf seiner Facebook-Seite mit den Worten: "Barronelle ist eine wundervolle Dame und ich bin ihr so dankbar, für ihren mutigen Glauben und das starke Beispiel, das sie für Christen überall setzt. Auf lange Sicht wird die Wahrheit aus Gottes Wort immer gewinnen!"



Franklin Graham hat in den letzten Jahren immer wieder aggressiv gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten polemisiert (queer.de berichtete). Seinen Hass will er auch international verbreiten: Nächstes Jahr soll er etwa im Rahmen einer Missionierungskampagne in der Lanxess-Arena von Köln auftreten. Ursprünglich war der Auftritt bereits im Sommer 2020 geplant, er musste aber wegen der Corona-Pandemie verschoben werden. (dk)



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#1 Martina_Berlin
#2 DQ24Anonym
  • 23.11.2021, 11:29h
  • Man bedenke: Sie gibt den Kampf auf, nicht ihre Überzeugung. Sie hat also nichts dazugelernt, trotz Strafzahlung!
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#3 Gemeiner_HaiProfil
  • Gestern, 12:04h
  • Antwort auf #2 von DQ24
  • Nun, das ist ja aber nun wirklich nicht verwunderlich. Eine Strafzahlung ist ja keine pädagogische Maßnahme, sondern - wie der Name schon sagt - eine reine Strafmaßnahme, die in diesem Fall das Paar für die Diskriminierung entschädigen soll. Wenn jemand gegen die GEZ-Gebühren ist und sie trotzdem zahlt, macht derjenige das ja auch nicht, weil er plötzlich "dazugelernt" hätte, sondern weil er die Konsequenzen vermeiden will.

    Wenn sie überhaupt dazulernen könnte, müsste man ihr zeigen, dass die "Homo-Ehe" nicht den Untergang des Abendlandes bedeutet. Man müsste mit den Bibelstellen argumentieren, die an Nächstenliebe unabhängig von der Person appellieren, also in ihrem Glaubenssystem bleiben. Aber auch all das ginge nur, wenn sie es an sich heranließe. Letztlich kann man solchen Leuten nicht extern helfen - aber schon gar nicht mit Strafmaßnahmen.
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