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Heimkino

Eine queere Liebeserklärung ans Musical

Jetzt auf Netflix: Lin-Manuel Mirandas Musical-Film "Tick, Tick... Boom!" verneigt sich nicht nur vor "Rent"-Schöpfer Jonathan Larson, sondern vor einer ganzen Gattung.


Andrew Garfield brilliert als Komponist Jonathan Larson (Bild: Netflix)

Dass Lin-Manuel Miranda – der Broadway-Tausendsassa, der nicht nur für "Hamilton" und "In the Heights" verantwortlich zeichnete, sondern auch schon als Komponist an Filmen wie "Vaiana" oder "Encanto" (aktuell im Kino) beteiligt war und für "Mary Poppins' Rückkehr" sowie "His Dark Materials" vor der Kamera stand – eines Tages einen eigenen Spielfilm inszenieren würde, war nur eine Frage der Zeit. Und dass dieser Film dann ein Musical wird, eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Nun ist es soweit: "Tick, Tick… Boom!" ist bei Netflix zu sehen – und vor allem für Fans des Genres ein Muss.

Basierend auf dem gleichnamigen Bühnenstück erzählt "Tick, Tick… Boom!" von dessen Schöpfer Jonathan Larson. Der Komponist und Theaterautor wurde berühmt mit dem Musical "Rent", das 1996 an dem Tag Premiere feierte, an dem er selbst im Alter von 36 Jahren unerwartet an einer Aortadissektion in Folge eines nicht diagnostizierten Marfan-Syndroms gestorben war.

Von Karriere, Geldsorgen, Freundschaft und Aids


Poster zum Film: "Tick, Tick... Boom!" läuft seit 19. November 2021 auf Netflix

Doch hier nun geht es, trotz kurzer Archivaufnahmen am Anfang, um sein Leben davor. Um die Angst davor, 30 Jahre alt zu werden, ohne dass sich die eigenen Träume erfüllt haben. Um das Bemühen, endlich das dystopische Rockmusical verwirklicht zu sehen, im dem bereits acht Jahre Arbeit stecken. Um den Versuch, endlich von der künstlerischen Arbeit leben zu können, statt im Diner zu jobben. Um seinen kreativen Schaffensprozess, für den Jonathan (Andrew Garfield) auch die Beziehung mit seiner Freundin Susan (Alexandra Shipp) oder das Verhältnis zu seinem schwulen besten Freund Michael (Robin de Jésus) aufs Spiel setzt. Und natürlich auch um New York Anfang der Neunzigerjahre in den Zeiten von Aids.

Aus all diesen Themen, die später auch "Rent" zum Broadway-Klassiker machten, und zahlreichen mitreißenden Songs (und unterfüttert durch jede Menge Recherchen, die er gemeinsam mit Drehbuchautor Steven Levenson in Larsons Nachlass und Umfeld anstellten) macht Miranda mit der ihm üblichen, manchmal fast zu rastlosen Energie einen Film, der sich nicht nur vor einem viel zu früh verstorbenen Künstler, sondern gleich einer ganzen Gattung verneigt.

Ein Highlight nicht nur für Musical-Fans

"Tick, Tick… Boom" ist eine Liebeserklärung ans (Bühnen-)Musical und den Broadway, und wie begeistert man nun von dem Film ist, hängt ganz entscheidend auch davon ab, welchen Bezug man selbst dazu hat. Für Musical-Fans dürfte etwa allein die "Sunday"-Nummer mit Cameo-Auftritten von zahllosen ikonischen Broadway-Stars und "Rent"-Darsteller*innen ein triftiger Grund zum Einschalten sein.

Doch selbst wer mit Tanz und Gesang eher wenig anfangen kann, wird kaum anders können, als sich zumindest von Andrew Garfield mitreißen zu lassen, der nicht bemerkenswert gut singt, sondern auch schauspielerisch selten besser war. Und aus queerer Sicht freut man sich nicht zuletzt über kleine, aber feine Rollen für LGBTI-Darsteller*innen wie Alexandra Shipp, Robin de Jésus, "Pose"-Star MJ Rodriguez oder Ben Levi Ross.

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Infos zum Film

Tick, Tick… Boom! Musicalfilm. USA 2021. Regie: Lin-Manuel Miranda. Darsteller*­innen: Andrew Garfield, Vanessa Hudgens, Bradley Whitford. Laufzeit: 121 Minuten. Sprache: deutsche Synchronfassung. FSK 6. Seit 19. November 2021 auf Netflix
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