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Talk der Adenauer-Stiftung

Georgine Kellermann: "Viel mehr Respekt für Frauen"

Im Talkformat "FrauSein" der Konrad Adenauer Stiftung erzählte Georgine Kellermann aus ihrem Leben. Der "Ampel"-Koalition kündigte sie an, sie für die Frauen versprochenen Verbesserungen zu beobachten.


Georgine Kellermann im Studio von "FrauSein" (Bild: Screenshot / YouTube)

"Ich bin eine Frau, und das bin ich eigentlich vom ersten Tag meines Lebens an". Das erzählte die transgeschlechtliche Journalistin Georgine Kellermann Mittwochabend im Talkformat "FrauSein" der Konrad Adenauer Stiftung.

Kellermann war mit ihrem per Zoom und YouTube übertragenen Auftritt Teil einer Reihe zur Bedeutung des Frauseins, die von der unionsnahen Stiftung monatlich ausgestrahlt wird. Neben spezifischen Fragen zu ihrem Leben als trans Frau verlangte sie mehr Respekt für Frauen und Würdigung für deren Leistungen in der Coronapandemie.

Die wenige Stunden zuvor bekannt gewordenen Vorhaben der Ampel-Koalition im Feld der Frauenrechte lobte Kellermann. Diese müssten jedoch auch umgesetzt werden.

Ein langes Leben im Schrank

Obwohl die Leiterin des WDR-Studios in Essen immer um ihre Identität gewusst habe, sei es ihr nicht erlaubt gewesen, ihr Leben entsprechend zu leben. Gesellschaftliche Konventionen hätten dem entgegen gestanden. Erst 2019, mit ihrem viel beachteten Coming-out, habe sie ihr Inneres und ihr Äußeres in Einklang gebracht. Zuvor hatte sie stets im Privaten als Frau gelebt.

Die Akzeptanz transgeschlechtlichen Menschen gegenüber wachse. Dennoch wisse sie von Menschen, die nach wie vor "ihr Leben im Kofferraum spazieren fahren". Das sei eine Tortur und "seelische Folter". Auch ihr Leben vor ihrer "Offenbarung", wie Kellermann ihr Coming-out nennt, sei eine große Kraftanstrengung gewesen. Der in dieser Zeit aufgebaute Panzer sei jedoch inzwischen von ihr abgefallen.

Unterstützt werde Kellermann seit ihrem Coming-out auch von Menschen, bei denen sie es vorher nicht erwartet hätte. Dazu erzählt sie das Beispiel einer Marktverkäuferin, die sie, nachdem sie sie am Vorabend im Fernsehen gesehen hatte, angesprochen und gelobt habe. Insgesamt würden Frauen sie häufiger unterstützen. Sie zähle jedoch auch "sehr viele Männer" zu ihren Unterstützer*innen.

Auch Hass erlebt

"Es gibt 'ne Menge Hass" antwortete Kellermann auf die entsprechende Nachfrage der Moderatorin. Feministinnen unterstützten sie. Es gebe jedoch eine Strömung innerhalb des Feminismus, in der ihr gesagt werde: "Du bist ein Mann im Frauenkleid und du willst das nur, um in weibliche Schutzräume einzudringen und dort Frauen zu belästigen".

Es werde angeführt, dass es nicht möglich sei, das "biologische Geschlecht zu ändern". Dem hielt Kellermann entgegen, dass man vom "biologischen Geschlecht" gar nicht mehr rede. Die Wissenschaft sei längst weiter. Geschlecht spiele sich zum großen Teil nicht nur in der "Hülle" ab, sondern auch im Gehirn und in der Seele. Den Hass dieser Gruppen auszuhalten, sei jedoch aufgrund der großen Unterstützung, die sie erfahre, einfach.

Viel mehr Respekt für Frauen

Eine Zuschauerin wollte von Kellermann wissen, was sie sich "für uns als Frauen" wünsche. In der Coronazeit hätten, so Kellermann, die Frauen "die Last getragen", insbesondere alleinerziehende Frauen. Die kümmerten sich in der Krise "im Gegensatz zu den Männern" wieder mehr um Kinder. Und die meisten der Pflegekräfte seien ebenfalls Frauen. All das sei "in keiner Form gewürdigt" worden.

In der Gesellschaft müssten Männer und Frauen nun anfangen, einander gleich zu behandeln. Das machte sie an der Länge der Elternzeit von Männern und Frauen fest, an der Bezahlung der Geschlechter oder daran, dass Frauen in einem Bewerbungsgespräch nicht mehr nach ihrem Kinderwunsch gefragt werden sollten.

Die Gesellschaft müsse lernen, Frauen viel respektvoller zu behandeln, als dies gegenwärtig der Fall sei. Außerdem nannte Kellermann die Lage von Frauen, die in gewalttätigen Beziehungen gefangen sind, als Feld, auf dem es Verbesserungen geben müsse. Die Pläne der Ampelkoalition, die sich für Kellermann "wie Aufbruch" anfühlten, müssten jedoch auch auf diesem Feld von den Frauen unter Beobachtung bleiben.

Die Koalitionär*innen hatten am Mittwoch Nachmittag den Koalitionsvertrag veröffentlicht und darin auch gleichstellungspolitisch Fortschritt versprochen. So solle die Istanbul-Konvention "vorbehaltlos" umgesetzt werden, was eine ganze Reihe von Gesetzen und Regelungen zur Folge hätte. Das sogenannte "Werbeverbot" für Schwangerschaftsabbrüche will die Koalition abschaffen. Frauenhäuser sollen bundesweit verlässlich finanziert werden. Das Transsexuellengesetz will die Koalition abschaffen und durch ein Selbstbestimmungsgesetz ersetzen (queer.de berichtete).

Zum 62. Geburtstag "aufgebrochen"

Auf ihre "Offenbarung" angesprochen, erzählte Kellermann die Geschichte rund um ihr Coming-out. Zu ihrem 62. Geburtstag habe sie sich selber das Geschenk gemacht, auf einer Reise in die USA in San Francisco, einem der Ursprungsorte der queeren Bewegung, "als Georgine" über die Golden Gate Bridge zu laufen.

Dazu sei sie schon in weiblicher Kleidung zum Flughafen gefahren. Auf dem Weg habe sie dann zufällig eine Kollegin von sich getroffen. Doch statt zu fliehen, sei sie spontan auf die Kollegin zugegangen. Die habe "Herr Kellermann, sind Sie das?" und "Sind Sie verkleidet?" gefragt, woraufhin Kellermann "Nein, ich bin eine Frau" geantwortet habe. Sie sei in dem Moment "aufgebrochen", habe aber eine Minute vorher noch nicht gewusst, dass das passieren würde.

Nach einer kurzen Pause habe die Kollegin mit "cool" geantwortet. Darauf habe Kellermann noch auf der Zugfahrt zum Flughafen eine Facebookseite mit ihrem echten Namen eröffnet. Georgine habe dort dem früheren, männlichen Ich "das Steuer aus der Hand genommen".

-w-

#1 RuntAnonym
  • 25.11.2021, 14:06h
  • Ein interessanter Bericht, auch durch die große Lebenserfahrung der Interviewten und auch wegen des unerwarteten Kontextes der Adenauer-Stiftung. Ich werde mir das gern im Original auf you tube ansehen.
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#2 Schon
#3 Elfolf
  • 26.11.2021, 06:37hHamburg
  • Sie erinnert mich an Heike. Das war einer ältere Frau, die jeden Samstag in einer Kneipe in meiner Nachbarschaft zum Frühschoppen kam und dort richtig aufblühen konnte. Den Rest der Woche fuhr sie als Getränkefahrer Bier für eine Brauerei aus. Erst mit der Rente konnte sie endlich ganz Frau sein. Einige Stammgäste waren zwar etwas irritiert, das der Bierkutscher von Mittwoch der selbe Mensch ist, wie die fröhliche Frau am Samstag, aber sie wär trotzdem beliebt und voll akzeptiert. War allerdings in Hamburg St. Pauli.
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