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Neue Schätzung des Robert-Koch-Instituts

Zahl der HIV-Neuinfektionen unter Schwulen gesunken

Das RKI vermutet weniger sexuelle Kontakte und Prophylaxemedikamente als Grund für den Rückgang.


In Deutschland nahm die Zahl der HIV-Infektionen 2020 merklich ab (Bild: shvetsa / pexels)

  • 25. November 2021, 14:55h 6 2 Min.

In Deutschland ist die Zahl der geschätzten HIV-Neuinfektionen im vergangenen Jahr gesunken. Im Jahr 2020 infizierten sich etwa 2.000 Menschen neu mit HIV und damit rund 300 weniger als im Vorjahr, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am Donnerstag in Berlin mitteilte. Der gesamt Rückgang geht auf Männer, die Sex mit Männern haben, zurück: In dieser Gruppe steckten sich 1.100 mit HIV an, 2019 waren es nach aktuellen Schätzungen noch 1.400. Der Anteil von Männern, die Sex mit Männern haben, bei HIV-Neuinfektionen sank damit von über 60 Prozent auf 55 Prozent.

Etwa 370 Menschen infizierten sich 2020 beim intravenösen Drogenkonsum mit HIV, diese Zahl steigt seit etwa zehn Jahren auf niedrigem Niveau an. Etwa 530 Menschen steckten sich in Deutschland durch heterosexuelle Kontakte an.

/ rki_de
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Ende vergangenen Jahres stieg damit die Zahl der Infizierten insgesamt auf 91.400. Schätzungsweise 9.500 wussten demnach nichts von ihrer Ansteckung.

HIV-Diagnosen werden oft erst Jahre nach der Infektion gestellt. Die Daten liefern laut RKI deshalb nur begrenzte Informationen zur aktuellen Ausbreitung von HIV in Deutschland. Die Zahl der HIV-Neuinfektionen und die Gesamtzahl der Infizierten können nur mit Hilfe von Modellrechnungen abgeschätzt werden.

PrEP als einer der Gründe für die Abnahme

Der für 2020 geschätzte Rückgang von Neuinfektionen ist demnach vermutlich auf geringere Übertragungsrisiken durch die Einschränkung sexueller Kontakte während der Corona-Pandemie und auf die Verhinderung von Neuinfektionen durch die sogenannte Präexpositionsprophylaxe (PrEP) zurückzuführen. Dabei handelt es sich um Medikamente, die HIV-negative Menschen einnehmen können, um sich vor einer Ansteckung zu schützen. Seit zwei Jahren ist die PrEP eine Kassenleistung (queer.de berichtete). Laut RKI spielt aber auch eine verminderte Anzahl von Routinetestungen und damit der Wegfall von Diagnosen eine Rolle.

Die Deutsche Aidshilfe forderte einen Ausbau der HIV-Prophylaxe PrEP: "Wir brauchen unter anderem mehr Praxen und Ambulanzen abseits der Ballungszentren, die PrEP verordnen und mehr Offenheit für diese Schutzmöglichkeit", erklärte DAH-Vorstandsmitglied Sylvia Urban. "Nicht alle Menschen, die sich mit PrEP schützen könnten, haben Zugang und sind mit dieser Möglichkeit bereits vertraut. In der Prävention werden wir noch breiter auf potenzielle Nutzer*innen zugehen."

Wie das RKI weiter berichtete, erreichte Deutschland im vergangenen Jahr alle Vorgaben des von UNAIDS – dem gemeinsamen Programm der Vereinten Nationen für HIV/Aids – formulierten 90-90-90-Ziels. Bereits seit 2011 liegt der Anteil der antiretroviral therapierten HIV-Infektionen bei über 90 Prozent, von denen wiederum etwa 96 Prozent als erfolgreich therapiert gelten. Zusätzlich wurden 2020 in Deutschland nun erstmals auch etwa 90 Prozent der HIV-Infizierten diagnostiziert. (AFP/dk)

-w-

#1 Jonas231Anonym
  • 25.11.2021, 16:33h
  • Damit lässt sich auch das Blutspendeverbot für MSM immer weniger rechtfertigen.

    Insgesamt ist natürlich weiterhin Aufklärung über HIV und den Schutz davor, also Kondome und ggf. Prep wichtig.
    Gerade auch im Schulunterricht.
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#2 fredinbkkkAnonym
  • 26.11.2021, 03:44h
  • 150 cm Sozialdistanz.....so einen langen hat keiner.........

    war mein erster satirischer Gedanke...

    aber gut dass es so ist....
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#3 Nikolaus_BerlinAnonym
  • 26.11.2021, 12:21h
  • "Seit zwei Jahren ist die PrEP eine Kassenleistung"

    Schön und gut. Dennoch darf nicht in Vergessenheit geraten, dass es eine bedeutende Anzahl von Menschen in Deutschland gibt, die überhaupt nicht krankenversichert sind. Zudem zahlen die meisten privaten Krankenversicherungen die PrEP nicht. Schwule Männer, die mit dem Gedanken spielen in die PKV zu wechseln sollten sich auch deshalb genauestens überlegen, ob sie sich wirklich privat versichern wollen.
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