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Staatshomophobie

"Homo-Propaganda": Russland geht gegen Netflix vor

Das Putin-Regime ermittelt nun auch gegen einen amerikanischen Streamingdienst: Auf Netflix sollen queere Inhalte bereits ab 16 Jahren angeboten werden.


Droht Netflix in Russland eine Sperre? (Bild: quotecatalog.com)

Das russische Innenministerium prüft eine Beschwerde, laut der Netflix mit queeren Inhalten gegen das Gesetz gegen "Homo-Propaganda" verstoße. Das berichtet die Tageszeitung "Wedomosti".

Angezeigt worden war Netflix von Olga Baranets, der staatliche Kommissarin für Familienschutz in der Region St. Petersburg. Demnach sollen die "fraglichen Inhalte" mit einer Altersfreigabe "ab 16" versehen sein, obwohl "perverser" Content eine Beschränkung "ab 18" haben müsste. Sollte die Beschwerde erfolgreich sein, müsste der Streaminganbieter in Russland mit einer Geldstrafe oder im Extremfall einer vorübergehenden Sperre rechnen.

Laut dem "Propaganda"-Gesetz aus dem Jahr 2013 müssen Fernsehsender und Streamingportale alle Inhalte, in denen gleichgeschlechtliche Beziehungen vorkommen, mit einem Altersfreigabe "ab 18" kennzeichnen. Erst kürzlich wurde ein Musiksender verurteilt, weil er den extravaganten Auftritt des Musikers Filipp Kirkorow nachmittags bei einer mit "ab 6" gekennzeichneten Sendung ausgestrahlt hatte (queer.de berichtete). Zwar gab es dort keinerlei schwule Küsse oder einen Hinweis auf angeblich gleichgeschlechtliche Beziehungen, allerdings reichte dem russischen Behörden offenbar die bunte Bildsprache aus.

Ein Netflix-Insider erklärte, eine interne Untersuchung habe keinen queeren Content mit zu geringer Altersfreigabe in Russland auffinden können. Da die Definition von "Homo-Propaganda" in Russland sehr schwammig ist, könnte die offizielle Untersuchung aber zu einem anderen Ergebnis kommen.

Russland schräkt Freiheit der Medien vermehrt ein

Das russische Regime hat zuletzt die Daumenschrauben gegen Medien immer mehr angezogen: Die US-Organisation Freedom House kam etwa im September 2021 zu dem Ergebnis, dass die Freiheit des Internets immer mehr "den repressiven politischen Interessen des Staates" untergeordnet werde.

Möglicherweise könnten in Kürze Schwule und Lesben ganz aus dem russischen TV verschwinden: So kündigte Witali Milonow, ein Duma-Abgeordneter der Putin-Partei "Einiges Russland", vor wenigen Tagen einen Gesetzentwurf an, laut dem Homosexualität künftig wie Pornografie behandelt werden solle – und damit sowohl im Fernsehen und auf Streamingportalen als auch im Kino verboten werden würde (queer.de berichtete).

Erst vergangenen Monat hatte Staatschef Wladimir Putin mit einer queerfeindlichen Tirade für Schlagzeilen gesorgt (queer.de berichtete). (pt/dk)