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"Miss Germany"-Kandidatin

"Identität – das verbindet uns alle miteinander"

Patti-Saoirse (25) ist trans und unter den Top 40 der Wahlen zur Miss Germany 2022. Im Interview erzählt sie, warum sie bei dem Event mitmacht. Es geht um Selbstakzeptanz, Body Positivity und Identität.


Patti-Saoirse kämpft noch mit 39 anderen darum, Miss Germany zu werden (Bild: privat)

Wird Miss Germany transgender? Das fragten wir vor zwei Wochen auf queer.de (queer.de berichtete) und schrieben, dass in den Top 40 noch zwei trans Personen im Rennen seien. Doch das war falsch. Patti-Saoirse (25) ist ebenfalls transgeschlechtlich und legt, wie sie im Interview erzählt, großen Wert darauf, mitgezählt zu werden.

In unserem Artikel über die Top 40 der Miss-Germany-Wahlen haben wir von zwei trans Personen gesprochen – und dich vergessen. Aber ist es nicht auch gut, als transgeschlechtliche Frau "übersehen" zu werden?

Ich werde gerne auch als trans Frau wahrgenommen, weil ich mich ja für mehr Sichtbarkeit einsetze. Ich habe ein gutes Passing. Aber dadurch passiert es, dass ich manchmal in Hinblick auf mein Trans-Sein "untergehe". Viele sehen einfach nicht, dass ich trans bin. Das ist ja auch gut. Aber das mit dem Passing ist auch so eine Sache, worüber man reden muss. Es bedeutet ja nicht, dass eine trans Frau, die ein schlechteres Passing hat, dadurch weniger eine Frau ist. In meinem Fall ist es aber so: Wenn ich mich für die Rechte von trans Menschen einsetze, möchte ich auch als diese Person gesehen werden.

Als Person mit transgeschlechtlichem Lebenshintergrund?

Ja. Und auch als Aktivistin. Ich muss in meinem Leben ja sowieso differenzieren: In welchen Momenten bin ich eine Frau, in welchen bin ich eine trans Frau? Das heißt aber nicht, dass es nach außen hin nicht wichtig ist, zu sagen: Es ist egal, ob jemand trans oder cis ist. Ich mache meinen Job und lebe mein Leben.

Was machst du denn, wenn du nicht gerade vor der Kamera stehst?

Ich bin Erzieherin in einer Kindertagesstätte in Köln.

Und wieso nimmst du an Miss Germany teil?

Zum einen stellt Miss Germany eine große Plattform dar, auf der ich meine Message mitteilen und Leute erreichen kann. Das sind Menschen, die ich vielleicht sonst eher nicht erreiche, weil viele von denen einfach nicht in meiner Bubble sind. Sie setzen sich in ihrer Lebenswelt vielleicht eher nicht mit Transgender-Themen auseinander.

Zum anderen ist die Miss-Germany-Wahl aber auch eine große Sache für mich ganz persönlich. Ich kann hier ganz viele Erfahrungen sammeln. Ich habe mich in der Zeit von den stehenden Top 180 bis zu den Top 40, wo wir jetzt sind, selten so intensiv weiter entwickelt. Ich lerne, meine Message immer besser auszudrücken. Sie wird klarer und hat sich durch die Zeit auch immer weiter entwickelt. Es macht mir Spaß. Man lernt sich selbst noch mal neu und anders kennen.

Aber du möchtest auch bis zur "Top 1" dabei bleiben, ja?

Ja! In der Anfangszeit dachte ich mir noch so: "Oh, Top 160?", "Oh, jetzt Top 80?". Jetzt, unter den Top 40 auszuscheiden, das wäre auf jeden Fall schon ein großer Erfolg gewesen. Aber da geht noch mehr!

Auf deinem Instagram-Kanal verbreitest du Posts unter dem Schlagwort "Body Positivity". Was liegt dir an der Bewegung?

Sie zeigt das, was auch bei Miss Germany nun großes Thema ist: Diversity. Es zeigt, wie unterschiedlich wir sind, wie unterschiedlich Körper sind. Es ist egal, in welchen Formen oder Größen und mit welcher Länge Körper daher kommen. Es geht darum, diese Vielfalt akzeptieren zu können. Letztlich gehört aber so viel mehr dazu: Geschlecht, Identität, Sexuelle Orientierung genau so wie Körpergrößen. Dieser Blick auf die Diversität hat das Potential, zu vereinen.

Auf einem deiner Fotos schreibst du: "Bodypositivity ist Reflexion". Was meinst du damit?

Das ist im Bezug auf die Thematik "Selbstliebe" zu verstehen. Man muss lernen, seinen Körper zu akzeptieren. Die einen können das vielleicht mehr und andere weniger gut. Gerade durch den ganzen Input, den man von außen bekommt, das Judgen, das Runtermachen, ob man jetzt mehrgewichtig ist oder angeblich "zu dünn". Selbstliebe und Akzeptanz können nicht stattfinden, ohne dass man sich mit sich selbst auseinandersetzt. Man macht sich seine Gedanken und lernt, seinen eigenen Standpunkt darin klar zu machen. Man schaut sich an: Wer bin ich? Wie möchte ich sein? Bin ich mit der Person zufrieden, die ich bin, oder möchte ich was ändern? Man kann ja auch seine Einstellung ändern.

Welche Botschaft kannst du den Leuten als transgeschlechtliche Frau überbringen?

Viele Leute denken, dass das Trans-Thema eines ist, das sie nicht unbedingt selber betrifft. Ich denke aber, dass es uns in irgend einer Weise alle betrifft. Denn es geht auch beim Trans-Thema um etwas allgemeineres, und das ist das Thema Identität. Egal, ob jetzt trans oder cis: Jeder beschäftigt sich damit, wer er ist und wer er sein möchte oder wo jemand hin will. Das verbindet uns alle miteinander. Und das ist mir so wichtig, klar zu machen. Es geht uns alle an.



#1 KaiJAnonym
#2 FragezeichenAnonym
  • 28.11.2021, 18:23h
  • Nichts ist progressiv daran, bei einem sexistischen Wettbewerb mit Fleischbeschau und dem Gegenteil von Bodypositivity mitzumachen.
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#3 DreddAnonym
  • 29.11.2021, 18:07h
  • Antwort auf #2 von Fragezeichen
  • Warum ? Die 150kg Frau die sich auf Instagram in nem Bikini räkelt ist Body Positivity, die 60kg die mit Ihrne Körper so zufrieden ist das sie sich im Bikini zu schau stellt ist "schädigend" ??

    Das Curvy Model ist "mutig" und Vorbild, das schlanke Model "psychsich gestört"... ist klar !

    Zumal die Dame auf dem Foto doch durchaus gesund und munter aussieht ohne die "klassischen Modelmasse" zu besitzen. Lass die Leute doch Spass an Ihrem Leben und mit Ihrem Körper haben....
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#4 bodybuilderAnonym
#5 FragezeichenAnonym
  • 30.11.2021, 14:46h
  • Antwort auf #3 von Dredd
  • Du hast nicht verstanden, worum es geht.
    Nicht die unterschiedlichen Körper sind problematish, sondern die Fleischbeschau der Miss- oder Mister-Wahlen - egal welche Köper dort präsentiert werden.
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