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Südamerika

Enbies in Argentinien: "Ich musste vor Freude weinen"

Als erstes lateinamerikanisches Land bietet Argentinien die Option, in offiziellen Dokumenten ein "x" als Geschlecht anzugeben. Vier nichtbinäre Personen haben uns erzählt, wie wichtig diese Möglichkeit für sie ist.


Argentiniens Präsident Alberto Fernández bei der Vorstellung des Gesetzes zur dritten Geschlechtsoption: "Es gibt Identitäten, die schon immer existiert haben und verborgen waren. Wir müssen alle Identitäten respektieren. Wenn wir ihnen ihre Existenz absprechen, nehmen wir vielen Menschen ihre Lebensfreude" (Bild: Twitter)

Die meisten Staaten der Welt kennen in offiziellen Dokumenten wie dem Pass oder dem Personalausweis lediglich zwei Geschlechter: "Frau" und "Mann". In Deutschland wurde 2019 der Geschlechtseintrag "divers" eingeführt, offiziell für intergeschlechtliche Menschen (queer.de berichtete).

Seit Juli 2021 ist es auch in Argentinien möglich, ein "x" unter der Geschlechtsangabe eintragen zu lassen. Es ist das erste lateinamerikanische Land, dass nichtbinären Menschen diese Option ermöglicht. Wird sie aber auch genutzt? Wir haben uns in Argentinien umgehört.

Juliet Daniel, 19, Buenos Aires

Ich bin 19 und erst seit kurzem als nichtbinäre Person geoutet. Ich hatte lange dysphorische Gefühle, weil ich mich mit dem Geschlecht, das mir bei der Geburt zugewiesen wurde, nicht identifizieren konnte. Seit ich weiß, dass ich nichtbinär bin, hat sich vieles für mich verbessert. Als ich gesehen habe, dass nun die Option besteht, ein "x" eintragen zu lassen, musste ich vor Freude weinen. Generell ist es noch schwer, als nichtbinäre Person in der Gesellschaft akzeptiert zu werden. Oft ist man unsichtbar, aus diesem Grund ist dieses Dokument enorm wichtig. So werden wir endlich offiziell anerkannt, beispielsweise bei Behördengängen.

Jordan Monroy, 30, aus Bogota, Kolumbien, lebt in Buenos Aires

Ich bin aus Bogotá, Kolumbien und lebe seit neun Jahren in Argentinien. Ich habe noch keine nichtbinäre dentitätskarte, weil ich zuerst die argentinische Staatsbürgerschaft beantragen will. Die Option finde ich enorm wichtig. Ich bin genderfluid und genieße es, zwischen den Geschlechtern zu fließen. Gerade in Lateinamerika ist es ein großer Schritt. Wir leben immer noch in Gesellschaften, in denen wir nicht zu 100 Prozent akzeptiert werden. Die Kolonialisierung hat unsere Köpfe ruiniert, unsere indigenen Vorfahren kannten fluide und nichtbinäre Geschlechtsidentitäten.

Alex Caín Carabajal, 24, Buenos Aires


Am 21. Juli wurde die erste nichtbinäre dentitätskarte ausgestellt, sobald ich von der Option erfahren habe, startete ich das Verfahren. Zuerst musst du deine Geburtsurkunde ändern und ratifizieren lassen. Das dauert ungefähr zwei Monate, nachher kannst du deine DNI (Identitätskarte) beantragen. Am 4. November war es dann soweit, ich erhielt meine nichtbinäre Identitätskarte. Argentinien hat viele schlechte Seiten, aber in Sachen Anerkennung von Geschlechtsidentitäten ist unser Land wirklich ein Beispiel. Das ist enorm wichtig in einer Welt, die sonst sehr binär tickt. Ich habe mich mit meinem alten Dokument und Namen einfach sehr unwohl gefühlt, endlich habe ich eine Identitätskarte und kann mich bei Ärtzt*innen, auf Behörden oder anderen Institutionen als die Person ausweisen, die ich auch tatsächlich bin.

Yuki Aneley, 20, Balcarce

Ich habe meine Identitätskarte noch nicht anpassen lassen, weil ich noch auf meine aktualisierte Geburtsurkunde warte. Danach starte ich den Prozess und ändere auch all meine anderen Dokumente. Das mit dem Pass ist wohl etwas komplizierter, weil die wenigsten Länder nichtbinäre Geschlechtsidentitäten überhaupt akzeptieren oder in irgendeiner Form ausweisen. Alles etwas umständlich. Ideal wäre die Welt, wenn das Geschlecht gar keine Rolle mehr spielen würde, aber das ist wohl etwas utopisch.

Eines der fortschrittlichsten Länder in Bezug auf LGBTI-Rechte

Argentinien festigt mit der nichtbinären Identitätskarte seine Positionierung als eines der fortschrittlichsten Länder in Bezug auf LGBTI-Rechte. Als erstes lateinamerikanisches und zehntes Land weltweit hat es 2010 die Ehe für alle eingeführt (queer.de berichtete). Auch bei den trans Rechten ist Argentinien Vorreiter. Seit 2012 ist das Gesetz zur Geschlechtsidentität in Kraft (queer.de berichtete). Dieses erlaubt es trans Menschen, ihren Geschlechtseintrag ohne Hormontherapie, chirurgische Eingriffe oder psychologisches Gutachten zu ändern.



#1 SogeilAnonym
  • 28.11.2021, 13:18h
  • Wie geil ist das den.
    Einfach Klasse!
    >> Als erstes lateinamerikanisches und zehntes Land weltweit hat es 2010 die Ehe fur alle eingeführt (queer.de berichtete). Auch bei den trans Rechten ist Argentinien Vorreiter. Seit 2012 ist das Gesetz zur Geschlechtsidentität in Kraft (queer.de berichtete). Dieses erlaubt es trans Menschen, ihren Geschlechtseintrag ohne Hormontherapie, chirurgische Eingriffe oder psychologisches Gutachten zu ändern.

    Die sind uns ja 10 Jahre voraus. (mindestens).
    Ich freu mich für die Enbys in Argentinien!
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#2 MarcosAnonym
  • 28.11.2021, 23:02h
  • Antwort auf #1 von Sogeil
  • Auch sprachlich sind sie uns mindestens zehn Jahre voraus: Argentinien war das erste spanischsprachige Land, in dem die geschlechtsneutrale Endung "-e" (statt maskulin "-o" oder feminin "-a") nennenswerte Verbreitung und mediale Aufmerksamkeit gekriegt hat; mittlerweile verbreitet sich dieser sprachliche Trend auch in anderen spanischsprachigen Ländern zunehmend. Auf Deutsch ist es leider nicht so leicht, mittels einer einzelnen Endung verschiedenste Wörter geschlechtsneutral zu machen. Trotzdem ist es aber wichtig, dass sich auch hier leicht aussprechbare geschlechtsneutrale Formen etablieren: Das ermöglicht es nichtbinären Personen, sprachlich repräsentiert zu sein, und hat zusätzlich auch noch den Vorteil, dass es dadurch einfacher wird, das Geschlecht einer Person unerwähnt zu lassen, wenn man es nicht mit Sicherheit kennt oder es gerade irrelevant ist. Auf Deutsch könnte das zum Beispiel mit Formen wie "de Schülere" funktionieren. Mehr Infos zu einer möglichen Lösung fürs Deutsche gibt es hier: geschlechtsneutral.net
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