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Religious Discrimination Bill

Schutz für Homo-Hasser*innen: Australien will Gesetz gegen "Cancel Culture" einführen

Katholische Schulen sollen nach dem Willen der Regierung homosexuelle Lehrer*innen nach Gutdünken feuern und Krankenhauspersonal HIV-Positive für ihre Infektion beschimpfen dürfen.


Premierminister Scott Morrison will religiösen Menschen einen Freibrief ausstellen, ungeliebten Minderheiten das Leben schwer zu machen

Die konservative australische Regierung hat am Donnerstag ein Gesetz ins Parlament eingebracht, das laut Premierminister Scott Morrison Gläubige vor "Cancel Culture" schützen soll. Religiösen Menschen soll laut dem "Religious Discrimination Bill" in Kirchen, Schulen, Universitäten oder am Arbeitsplatz erlaubt werden, ihre "Glaubensaussagen" zu tätigen, selbst wenn dies gegen Antidiskriminierungsgesetze verstoßen sollte. Zudem erhalten kirchliche Einrichtungen wie Schulen und Krankenhäuser das Recht, Mitarbeiter*innen zu feuern oder Schüler*innen und Studierende auszuschließen, solange sie dies mit "religiösem Ethos" begründen – auch hier soll das neue Gesetz bestehenden Antidiskriminierungsgesetzen übergeordnet sein.

Hintergrund der Gesetzesinitiative sind die nächsten Parlamentswahlen, die spätestens im Mai 2022 stattfinden sollen. Damit will die Morrison-Regierung streng religiöse Wähler*innen an die Urnen locken. Umfragen zufolge liegt die oppositionelle Mitte-Links-Partei Australian Labor Party derzeit vor Morrisons Liberal-National Coalition.

Morrison: "Zu wenig Schutz für religiöse Menschen"

"Viele Menschen aus verschiedenen religiösen Traditionen machen sich Sorgen, weil es zu wenig Schutz für religiöse Menschen gibt und die Cancel Culture im australischen Leben vorherrscht", so Morrison. "Australier sollten nicht aus Angst, eine anonyme Person auf Twitter zu beleidigen oder gegen den politischen oder sozialen Zeitgeist zu verstoßen, über ihre Schulter blicken müssen."

Zwar untersagt der Morrison-Gesetzentwurf, andere Personen zu bedrohen oder zu mobben, allerdings befürchten Bürgerrechtsorganisationen, dass damit Hassbotschaften Tür und Tor geöffnet sei: So kritisierte die Organisation Human Rights Law Centre den "unausgewogenen" Vorschlag und warnte vor Diskriminierung unter anderem von Frauen, LGBTI und Behinderten.

Anna Brown, die Chefin der queeren Organisation Equality Australia, ergänzte: "Unsere Gesetze sollten alle von uns schützen, egal, wer wir sind, wen wir lieben oder an was wir glauben. Aber der Entwurf der Morrison-Regierung tut das nicht". So könnten etwa Krankenhausmitarbeiter*innen "einer Person mit HIV sagen, dass Aids eine Strafe Gottes ist – oder sie könnten einer Person mit einer Behinderung sagen, dass ihre Behinderung vom Teufel stammt".

Scott Morrison has introduced his dangerous and divisive Religious Discrimination Bill to parliament. It's more...

Posted by Equality Australia on Friday, November 26, 2021
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Anlass für das Gesetz war unter anderem die Entlassung des Spitzen-Rugbyspielers Israel Folau. Der gläubige Christ hatte 2018 behauptet, dass Homosexuelle grundsätzlich in die Hölle kommen.

Scott Morrison ist seit 2018 Premierminister von Australien (queer.de berichtete). Das Mitglied einer LGBTI-feindlichen Pfingstgemeinde gilt als erbitterter Gegner der Ehe für alle, für die das Wahlvolk im Jahr zuvor in einem Volksentscheid gestimmt hatte (queer.de berichtete). (dk)



#1 SakanaAnonym
  • 29.11.2021, 12:09h
  • So ein Gesetz ist mit Abstand das letzte, was Australien im Moment braucht...

    www.youtube.com/watch?v=1FqXTCvDLeo

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    ScoMo sollte sich endlich um die desaströse australische Klimapolitik kümmern, anstatt Diskriminierungen zu schaffen, die sich nur kontraproduktiv auf das australische Zusammenleben auswirken werden. Der Mann war schon von Anfang an komplett deplaciert im Amt.
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#2 thorium222Profil
  • 29.11.2021, 12:22hMr
  • Scott Morrison ist christlicher Fundamentalist und seine Gemeinde predigt auch noch den sog. "Prosperity Gospel". D. h., dass persönliche Anhäufung von Reichtum ein Zeichen des Wohlgefallen Gottes ist, also eine besonders perfide Verdrehung der kolportierten Botschaft Jesu Christi.
    Daher auch seine große Unterstützung der Fossilwirtschaft in Australien, deren Reichtum er unbedingt bewahren will, indem er alles tut, um Kohle und Gas dort am Leben zu erhalten, obwohl gerade Australien absolut perfekte Gegebenheiten besitzt, um schnell und profitabel auf 100 % Erneuerbare umzustellen. Er tut also auch alles, um die wirtschaftliche Zukunft von Australien zu zerstören, während er gleichzeitig das für den Klimawandel massivst anfällige Land weiter in den ökologischen Kollaps treibt.
    Ein weiteres Beispiel dafür, wie extrem gesellschaftsschädlich Religion sein kann und dass es keine Grenzen dafür gibt, wie sehr man Religion pervertieren kann, um seine eigene Habgier, Selbstsucht und Vorstellung von gottgegebener persönlichen Überlegenheit zu verteidigen.
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#3 AtreusProfil
  • 29.11.2021, 12:30hSÜW
  • Kaum zu glauben, dass wir bald das Jahr 2022 schreiben, wenn man das liest. Die Lektüre festigt den Eindruck, dass gewisse Menschheitsteile geistig sitzengeblieben sind.
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#4 DQ24Anonym
  • 29.11.2021, 12:30h
  • Zu wenig Schutz für religiöse Menschen? Ist klar, die dürfen hetzen, wir müssen es uns gefallen lassen, diskriminiert zu werden! Und alles nur, um am religiös-rechten Rand Wählerstimmen zu bekommen.
    Warum kann Australien keine Premierministerin wie die aus Neuseeland haben? Die ist aus der Mormonenkirche ausgetreten, weil diese Homosexuelle und Transsexuelle diskriminierte.
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#5 gastAnonym
  • 29.11.2021, 12:41h
  • Antwort auf #1 von Sakana
  • Na ja - Folgt man der religiösen Logik dieses Politikers ist es nur einleuchtend , daß die fürchterlichen Wildfires und überhaupt Australiens Klimaprobleme auf die Sünden der Minorities zurückgeht.
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#6 KopfschüttelAnonym
  • 29.11.2021, 12:56h
  • Die Erfinder von "Cancel Culture" beklagen sich darüber, ihre eigene Medizin zu schmecken und wollen ein Gesetz, was ihnen diese Cancel Culture auch noch zusätzlich legitimiert?
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#7 LotiAnonym
  • 29.11.2021, 13:09h
  • Das 1. was mir mein Freund zu Beginn meines sechswöchigen Urlaubs in Süd-Australien mitteilte war, wenn Du am Strand von einem Jugendlichen angesprochen wirst, merkst er will Dich anbaggern, sei auf der Hut. Denn die Polizei setzt solch Methoden ein um Homosexuelle zu überführen. Meistens passiert die Verhaftung dann im Hotel. Selbst das Cruising in einem Park von Adelaide ging nur mit größter Vorsicht von statten. Die meisten Gays blieben gleich im Auto sitzen um ja nicht aufzufallen. Nur die eingefleischten wußten, warum jemand so lange im Auto am Straßenrand verweilte.
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#8 Lucas3898Anonym
#9 SakanaAnonym
  • 29.11.2021, 13:51h
  • Antwort auf #8 von Lucas3898
  • Das Land war -wie andere "westliche" Länder auch- in den 1960ern noch ziemlich homophob aufgestellt inklusive heftiger Gefängnisstrafen (14 Jahre) für homosexuelle Handlungen zwischen Männern.

    "Australian society in the late 1960s was hostile to homosexuals or, at least, its institutions were. The law treated gay men as criminals who could be locked away for 14 years for the abominable crime of buggery, and the police actively tried to prosecute them. The medical profession regarded lesbians and gay men as sick, and some even tried to change their orientation in horrific ways, often with legal sanction. The painful techniques of aversion therapy (such as the administering of electric shocks) were mild compared to one physicians chosen method - a lobotomy. In comparison, the Churchs attitudes seemed modest - we were just all sinners dammed to hell."

    www.78ers.org.au/about

    @Loti: Wann war denn Dein Urlaub in Südaustralien?

    Heute hat sich das rechtlich zwar signifikant gebessert (Komplettlegalisierung männlicher Homosexualität 1997, Ehe für Alle durch Referendum 2016), aber bestimmte Attitüden scheinen noch wohl im besonders konservativen Teil der australischen Gesellschaft zu überdauern.

    en.wikipedia.org/wiki/LGBT_rights_in_Australia

    Nur so sind so eine Gesetzesvorlage und ein stramm konservativer PM ScoMo zu erklären.
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#10 Gnurfel42Anonym
  • 29.11.2021, 14:36h
  • Es entbehrt nich einer gewissen Ironie, dass sie behaupten, gegen »Cancel Culture« zu sein, während sie in Wahrheit einfach nur Leute aufgrund ihrer Sexualität feuern wollen. Also soll die Cancel Culture wird mit noch mehr Cancel Culture bekämpft werden. Genial!
    Oder zählt »Cancel Culture« nur bei Superstars?

    Das Ganze nennt sich dann »religiöse Freiheit«.

    Also die Doppelzüngigkeit ist schon bemerkenswert. Jeder müsste eigentlich diese Absurdität mit ein bisschen Logik durchschauen. Aber Religion frisst die Gehirne. Viele Menschen fallen auf diese lächerliche Rhetorik leider rein. :-(
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