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1. Dezember 2021

Ein Welt-Aids-Tag im Schatten der Corona-Pandemie

Vor 33 Jahren wurde erstmals der Welt-Aids-Tag am 1. Dezember ausgerufen. Dieses Jahr tritt er gegenüber der Corona-Krise ein wenig in den Hintergrund.


Der Welt-Aids-Tag wird seit mehr als drei Jahrzehnten in der frühen Adventszeit begangen (Bild: Kara / flickr)
  • Von Dennis Klein
    1. Dezember 2021, 09:35h, noch kein Kommentar

Als 1988 der erste Welt-Aids-Tag zur Solidarität mit HIV-Positiven und Aids-Kranken aufrief, kam die Viruserkrankung noch einem Todesurteil gleich. Inzwischen ist HIV mit therapeutischen Möglichkeiten derart gut behandelbar, dass die Viruslast bei vielen HIV-Patientinnen und -Patienten unter die Nachweisgrenze gedrückt werden kann. Positive können wie jede oder jeder andere auch ein ganz normales Leben führen.

Damit hat sich das Hauptaugenmerk der Aids-Aktivist*innen zumindest in wohlhabenderen Ländern stark verändert: Sie versuchen, die Öffentlichkeit über die neue Wirklichkeit zu informieren, in Deutschland etwa mit Kampagnen wie #wissenverdoppeln. Ziel dieser Aktion ist es, darüber aufzuklären, dass HIV unter Therapie nicht mehr übertragbar ist ("Schutz durch Therapie"). Denn immer noch weiß eine Mehrheit der Deutschen darüber nicht Bescheid (queer.de berichtete).

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Außerdem besteht hierzulande nach wie vor das Problem der Stigmatisierung Positiver. "Diskriminierung und Stigmatisierung gehören immer noch zum Alltag von Menschen mit HIV. Das belastet stark psychisch, manchmal werden sogar notwendige medizinische Behandlungen vermieden", erklärte der hessische Sozial- und Integrationsminister Kai Klose (Grüne). Dies könne sich negativ auf die HIV-Therapie auswirken, wenn diese unterbrochen werde. Hierzu bieten Aidshilfen mehrere Projekte an. "Unabdingbar sind in diesem Bereich Aufklärung und Prävention sowie Unterstützung in allen Lebensbereichen der Community", erklärten Christian Setzepfandt und Carsten Gehrig von der Aidshilfe Frankfurt.

Eigentlich sind die Daten für Deutschland recht ermutigend: Laut einer Schätzung des Robert-Koch-Instituts ist die Zahl der Infektionen im Jahr 2020 von 2.300 auf 2.000 gesunken. Der gesamte Rückgang geht auf Männer, die Sex mit Männern haben, zurück: In dieser Gruppe steckten sich 1.100 mit HIV an, 300 weniger als 2019 (queer.de berichtete). Ein Teil des Rückgangs könnte mit dem HIV-Prophylaxemedikament PrEP im Zusammenhang stehen, also mit medizinischem Fortschritt. Ein Teil könnte aber auch auf vorübergehende Effekte durch die Corona-Krise zurückzuführen sein; Männer haben wegen pandemiebedingten Einschränkungen also gerade einfach weniger Sex.

Im zweiten Corona-Jahr steht außerdem die soziale Schieflage in Deutschland und aller Welt im Zentrum der Debatte: "Bei Aids zeigt sich wie bei Corona, wie sehr soziale Ungleichheit gesundheitliche Ungleichheit befeuert. Das Menschenrecht auf Gesundheit muss endlich für alle verwirklicht werden", erklärte etwa Gesundheitsexpertin Kathrin Vogler von der Linksfraktion im Bundestag. "Weltweit leben etwa 38 Millionen Menschen mit HIV, auch im Corona-Jahr 2020 gab es weltweit 1,5 Millionen neue HIV-Infektionen." Allerdings warteten Millionen Betroffene insbesondere in armen Ländern auf ihre Behandlung.

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Hierzulande wird mit mehreren Projekten versucht, die Ungleichheit zu überbrücken: Zum diesjährigen Welt-Aids-Tag startet etwa in Berlin eine Kooperation zwischen dem queeren Gesundheitsverein Checkpoint BLN und der Clearingstelle für nicht krankenversicherte Menschen. Dadurch wird es auch in Berlin möglich, HIV-positiven Menschen ohne Krankenversicherung bzw. mit ungeklärtem Versicherungsstatus eine HIV-Therapie anzubieten.

International haben die Vereinten Nationen das Ziel ausgegeben, die HIV-Epidemie bis 2030 zu beenden. Hier stockt es allerdings: Alle für 2020 weltweit gesetzten Zwischenziele wurden verpasst. Wenn Behandlungsprogramme auf dem Niveau von 2019 beibehalten werden, sterben bis 2030 zusätzlich 7,7 Millionen Menschen durch eine HIV-Infektion, so eine Berechnung. Wenn mit deutlich mehr Geld bessere Gesundheitsdienste realisiert werden, könnten davon nach Schätzungen von UNAIDS – dem gemeinsamen Programm der Vereinten Nationen für HIV/Aids – 4,6 Millionen Menschen gerettet werden.

Besser sieht es in Deutschland aus: Wie das RKI vergangene Woche mitteilte, erreichte Deutschland 2020 alle Vorgaben des von UNAIDS formulierten 90-90-90-Ziels: Bereits seit 2011 liegt der Anteil der antiretroviral therapierten HIV-Infektionen bei über 90 Prozent, von denen wiederum etwa 96 Prozent als erfolgreich therapiert gelten. Zusätzlich wurden 2020 nun erstmals auch etwa 90 Prozent der HIV-Infizierten diagnostiziert.