Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?40628

Fundamentalismus

Görlitzer verbreitet Mordaufrufe gegen Queers

Der Film "Die LGBT-Lüge" fordert Christ*innen zur Todesstrafe an LGBTI auf. Unbekannte haben ihn ins Deutsche übersetzt. Ein Görlitzer verbreitet das Machwerk – wohl auch über bezahlte Facebook-Werbung.


Anselm U. aus Görlitz in einem weiteren fundamentalistischen Video (Bild: Screenshot / rumble)

Ein fundamentalistischer Christ aus dem sächsischen Görlitz verbreitet eine LGBTI-hassende Website. Ihre Reichweite erzielt sie auch über Facebook. Das soziale Netzwerk spielte kürzlich finanzierte Anzeigen für die Seite "Die LGBT-Lüge" an Nutzer*innen aus, wie ein queer.de vorliegender Screenshot belegt.

Auf der Facebookseite finden sich mehrfach Anspielungen darauf, dass man LGBTI verbrennen müsse. Schon im Profilbild der Seite ist ein in Flammen stehender, vor Schmerz schreiender Mann zu sehen. Auf der verlinkten Website war bis zum Freitag ein ins Deutsche übersetzter Propagandafilm zu sehen.

YouTube löscht, Facebook nicht

Der Film, der im Englischen den Titel "The Sodomite Deception" trägt, ist im Oktober unter dem deutschen Namen "Die LGBT-Lüge" veröffentlicht worden. Die zugehörige deutsche Website weist kein gültiges Impressum auf. Auf dem Werbematerial des deutschen Films und auf der Website selbst angegebene Verlinkungen führen allerdings zu Internetseiten, die den Görlitzer Anselm U. als Verantwortlichen ausweisen.


Selbst implizite Mordaufrufe wurden von Facebook nicht gelöscht

YouTube entfernte den LGBTI-Hasser*innen-Film im Verlauf des Tages, so dass er gegenwärtig auch nicht mehr durch die Website eingebunden wird. Die hinter der Verbreitung stehenden Unbekannten bewerben darum einen alternativen Upload auf der Videoplattform rumble.

U. tritt namentlich und mit seinem Gesicht in einem Kanal auf der selben Videoplattform auf, auf dem "Die LGBT-Lüge" ebenfalls veröffentlicht worden ist und die seit der Löschung durch YouTube als Alternative beworben wird. Bilder im Internet zeigen U. darüber hinaus 2017 umringt von jungen Frauen und einem weiteren Mann bei einer "Studentenfreizeit" einer fundamentalistischen Vereinigung aus Görlitz.


Der Screenshot zeigt die Bewerbung der Seite durch Facebook

Produziert von US-Baptist*innensekte

Der Propagandafilm ist eine eigens angefertigte Übersetzung eines baptistisch-fundamentalistischen Hassstreifens über die zunehmende Akzeptanz von LGBTI in den USA, der unter anderem wütende "Predigten" des Baptist*innenenpastors Jonathan Shelley enthält. Bereits im Trailer, der nach wie vor ebenfalls auf Facebook zu sehen ist, fordert der Mann schreiend, LGBTI sollten "zurück zur Hölle" gehen oder sich "eine Kugel in den Kopf jagen".

Ein anderer baptistischer Fundamentalist fordert, Homosexuelle in den Tod zu schicken. Transgeschlechtliche Menschen werden als "widerliche Hunde" tituliert. Im Film werden biblische Belege dafür vorgebracht, dass queere Menschen ermordet werden müssten und dass die Bibel verlange, die Todesstrafe gegen queere Menschen zu verhängen. Genannt werden insbesondere Schwule und transgeschlechtliche Frauen.

Der Schwulenbewegung wird im Film unterstellt, eigentlich eine Bewegung von Pädosexuellen zu sein. Das Machwerk enthält die Kennzeichnung, eine Produktion der Stedfast Baptist Church zu sein, die als Hasssekte bekannt ist.

Der Baptist*innenprediger Steven Anderson zitiert an einer Stelle des Films den christlichen Pastoren John Goetsch, der LGBTI in seiner Gemeinde willkommen heißt. Daraufhin flippt Anderson aus, tritt vor sein Pult und schreit herum: "Wie zur Hölle kannst du dich hinter dein Pult stellen, als ein Mann Gottes, und nicht denken, dass Gott dich einfach totschlägt, wie du über die 'sexuelle Orientierung' mancher Leute redest, du Schwuchtel? Du bist böse!"

Weiter brüllt er: "Dieses Buch spricht nicht von einer sexuellen Orientierung! Es spricht von Sodomitern, Schmutzigen, Hunden, abscheulichen, unvernünftigen Tieren, Verdammnis und Hölle! Davon ist die Rede, du Schwuchtel!" Anderson war im Jahr 2019 in den Niederlanden und damit im gesamten Schengenraum sowie kurz darauf in Irland die Einreise verweigert worden (queer.de berichtete).

Im Abspann der deutschen Übersetzung sind vermeintliche oder tatsächliche geschichtliche Daten für im deutschen Raum in der Vergangenheit eingeführte Gesetze gegen Homosexualität angefügt, die angeblich jeweils die Todesstrafe vorgesehen hätten. Hinzu kommen die Daten der Meilensteine der queeren Emanzipationsgeschichte. Mehrere der enthaltenen Angaben sind jedoch falsch. Die Anfügung wirkt, als sei es den Übersetzer*innen ein Anliegen, eine ähnliche Hetze gegen LGBTI in Deutschland loszutreten.

Baptist*innen-Fundis feierten Massenmord

Im Jahr 2016 forderte der damalige Prediger der Stedfast Baptist Church, Donnie Romero, nach dem Anschlag auf den Nachtclub Pulse in Orlando, Gott möge "den Job beenden" und die Überlebenden auch noch töten. In jener Nacht waren 49 Menschen ermordet worden. Im Jahr 2019 musste Romero von seinem Posten zurücktreten. Er gab zu, Sexarbeiterinnen in Anspruch genommen, Glücksspiel getrieben und Drogen konsumiert zu haben.

Im selben Jahr veranstalteten die Queer-Hasser*innen in Florida anlässlich des dritten Jahrestags des Massakers nahe Orlando eine Konferenz unter dem Motto "Make America Straight Again" (queer.de berichtete). Pfarrer Steve Anderson hatte kurz nach der Tat gesagt: "Die gute Nachricht ist: Es gibt 50 weniger Pädophile in dieser Welt, denn – Sie wissen ja – diese Homosexuellen sind eine Bande von widerlichen Perversen und Pädophilen."

Für YouTube sind die Baptist*innen alte Bekannte. Ihre Videos wurden immer wieder für die hasserfüllten Inhalte gesperrt. Doch Facebook lässt die deutschsprachigen Inhalte seit Wochen stehen – und verdient sogar Geld mit dem Ausliefern geschalteter Hass-Werbung.



#1 KaiJAnonym
  • 03.12.2021, 20:06h
  • Dessen und denen ist der Staat verpflichtet, schnell habhaft zu werden, weil davon eine große Gefahr ausgeht.
  • Antworten » | Direktlink »
#2 SchonAnonym
#3 Jakob2Anonym
  • 03.12.2021, 20:38h
  • Wurde durch queer.de wenigstens schon Strafanzeige wegen Volksverhetzung gestellt?
  • Antworten » | Direktlink »
#4 NickAnonym
  • 03.12.2021, 21:00h
  • Egal, auf welcher Plattform man auf so etwas trifft... erstmal dort melden und sollte es besonders krass sein, damit zur Polizei gehen...
  • Antworten » | Direktlink »
#5 RalfAnonym
#6 Lucas3898Anonym
  • 03.12.2021, 22:28h
  • Wer nicht mit den eigenen persönlichen Daten in den Polizeiakten auftauchen will, kann in solchen Fällen auch die Seite von HessenGegenHetze nutzen.

    hessengegenhetze.de/hate-speech-melden

    Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Meldestelle bewerten die eingegangenen Hinweise und leiten diese an die zuständigen Behörden weiter. Sollten sich Hinweise auf Gefahren für Personen ergeben, übermitteln wir den Sachverhalt unverzüglich an das Hessische Landeskriminalamt. Strafbare Hasskommentare leitet die Meldestelle an die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt/M. - Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) - weiter. Ergeben sich aus den Meldungen Hinweise auf extremistische Inhalte, erfolgt ungeachtet der polizeilichen oder staatsanwaltschaftlichen Befassung eine Steuerung an das Landesamt für Verfassungsschutz Hessen.
  • Antworten » | Direktlink »
#7 PeerAnonym
  • 03.12.2021, 22:52h
  • Wenn die Kohle stimmt, sieht Facebook selbst bei Mordaufrufen weg.

    Ein Hauptschuldiger für zunehmenden Hass, steigende Gewaltbereitschaft und soziale Spaltung sind die sozialen Netze und deren Geschäftsmodelle.
  • Antworten » | Direktlink »
#8 Jakob2Anonym
  • 03.12.2021, 22:55h
  • Auf der Seite "lgbt-luege.de" wird übrigens auf eine Seite "weg-zum-himmel.de" verlinkt.
    Dort ist unter Impressum ein komplettes Impressum zu finden und es wird auf der Impressumsseite direkt wieder zurück auf "lgbt-luege.de" verlinkt, beide Seiten gehören also zusammen.
  • Antworten » | Direktlink »
#9 Tom4Anonym
#10 KaiJAnonym
  • 04.12.2021, 12:11h
  • Es liegt wohl auch Aufruf zum Mord vor, wonach mit StGB 111 und 26 der Anstifter gleich dem Täter oder ohne eine zusammenhängende Tatausführung mit bis zu 5 Jahren bestraft wird.
  • Antworten » | Direktlink »