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queerfilmnacht

Auch nach zehn Jahren wirkt diese schwule Lovestory wie neu

2011 sorgte das Romantik-Drama "Weekend" von Andrew Haigh für viel Furore und gilt längst als Leuchtturm des New Wave Queer Cinema. Jetzt läuft der Film für kurze Zeit wieder im Kino!


Zum 10-jährigen Geburtstag kehrt "Weekend" einmalig und exklusiv in der queerfilmnacht auf die große Leinwand zurück (Bild: Salzgeber)

Nach reichlich Bier und Joints auf der Party seiner Hetero-Freunde zieht Russell (Tom Cullen) noch weiter zum Feiern in eine Gay-Bar. Mit steigendem Alkoholpegel steigt sein Selbstvertrauen. Das Urinal der Toilette erweist sich als ziemlich perfekte Flirt-Location. Sein gerade gesichteter Schwarm beißt prompt an. Noch ein bisschen Fummeln im Flur, schon ist der Partner für die Nacht klar gemacht. Schwankend macht sich das betrunkene Paar auf den gemeinsamen Heimweg.

Am Morgen danach entpuppt sich der One-Night-Stand freilich als eher ungewöhnlich. Russell soll die Geschichte der letzten Nacht in ein Aufnahmegerät erzählen, "für ein Kunstprojekt", wie der Besucher versichert. Viel Erinnerung hat der Gastgeber nicht mehr. Doch Glen (Chris New) lässt nicht locker: "Hättest du gewünscht, mein Schwanz wäre größer", will er wissen. "Weshalb wolltest du nicht gefickt werden?", bohrt er weiter.

Kiffen. Saufen. Knutschen.


Poster zum Film: "Weekend" läuft im Dezember 2021 bundesweit in der queerfilmnacht

Und das ist erst die kleine Ouvertüre zu einem geselligen Plauder-Marathon, der ein Wochenende dauern wird. Den ganzen Samstag verbringen die beiden zusammen. Quasseln. Kiffen. Saufen. Knutschen. Zwischendurch vergnügen sie sich auf einem Jahrmarkt oder hängen in der Disco ab. Und plaudern noch mehr über Gott und die Welt und die letzten Fragen der Menschheit.

Zunehmend geht es ans Eingemachte. Russell erzählt von seiner Zeit im Heim. Glen von seinem ersten Mal. Es geht um den Traum vom großen Glück. Um das etwas bescheidenere Ziel von Bescheidenheit. Oder die Hoffnung auf eine funktionierende Beziehung. Im Bett spielen sie das Coming-out vor Russells Vater nach, zu dem es nie gekommen war: "Ich bin schwul" – "Dann bin ich stolzer auf dich, als wenn du der erste Mensch auf dem Mond gewesen wärst."

Die queere Variante von "Before Sunrise"

Wie in der "Before Sunrise"-Trilogie von Richard Linklater gelingt in dieser queeren Variante des Briten Andrew Haigh ein cleverer Blick auf Freuden und Sorgen, deren Wiedererkennungswert viel Potenzial für Empathie und Vergnügen bietet. Die schlagfertigen Dialoge sorgen dafür, dass man sich selten totgequatscht fühlt. Als Sahnehäubchen entwickelt sich eine fröhliche Lovestory der reichlich romantischen Art.

Auch dabei schließt sich der Kreis zu "Before Sunrise", und wie einst bei Ethan Hawke und Julie Delpy ist auch den beiden Jungs kein Happy-End beschieden. Am Morgen nach dem Morgen danach muss Glen in seinen Flieger in die USA. Der Abschied am Bahnsteig hat fast Klassikerqualitäten. Die homophoben Pöbeleien von Mitreisenden geben dieser Liebesgeschichte einen realistischen Rahmen.

So unaufdringlich, fast beiläufig solche Einlagen inszeniert sind, verzichtet Andrew Haigh ("Looking) in seinem zweiten Spielfilm auf die gängigen Erzählmuster und Klischees. Fast semi-dokumentarisch begleitet er seine beiden Figuren auf ihrem Weg zum Kennenlernen. Mittendrin, statt nur dabei gerät zum Motto für das Publikum. Auch nach zehn Jahren wirkt diese Lovestory wie neu. Höchste Zeit für ein Fortsetzung à la "Before Sunrise".

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Infos zum Filmh

Weekend. Romantik-Drama. Großbritannien 2011. Regie: Andrew Haigh, Darsteller*innen: Tom Cullen, Chris New, Jonathan Race, Laura Freeman, Loretto Murray, Jonathan Wright, Sarah Churm, Vauxhal Jermaine, Joe Doherty, Kieran Hardcastle, Mark Devenport, Steve Blackman, Julius Metson Scott, Martin Arrowsmith, Caroline Wooley, Caroline Cawley. Laufzeit: 96 Minuten, Sprache: englische Originalfassung mit deutschen Untertiteln. FSK 16. Verleih: Salzgeber. Im Dezember 2021 in der queerfilmnacht
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Weekend
8 Bilder


#1 Ith_Anonym
  • 05.12.2021, 09:34h
  • Klingt zumindest mal nach einer Storyline, die nicht von einer Hete geschrieben wurde.
    Und ob ein offenes Ende ohne "lebten gemeinsam glücklich" unbedingt als "kein Happy End" bezeichnet werden muss, würde ich in Frage stellen. "Kein Happy End" bedeutete ja für gewöhnlich irgendwelche Art von devoter Verneigung vor Hays Code und co. Dass man sich am Ende nicht für immer an die Launen und Vorstellungen eines anderen Menschen ketten muss, bloß weil man mit dem mal Spaß hatte, kann man aber mEn durchaus auch einfach als das Bewahren der individuellen Freiheit betrachten statt als persönliches Unglück.
    Den Rest des eigenen Lebens an irgendeinen Menschen gebunden zu sein, käme mir jetzt jedenfalls nicht wie ein Happy End vor, sondern eher wie der Anfang vom Horror (aber okay, für mich würde das nunmal auch bedeuten, für den cis Mann den Rest meines Lebens die von ihm komplett abhängige Gratis-Putz- und Küchenhilfe, wenn nicht gleich noch Brutkasten zu sein). Muss man ja vielleicht einfach mal nicht nach heteronormativen Standards bewerten.
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#2 LeashProfil
  • 06.12.2021, 11:54hHamburg
  • Oh 10 Jahre schon.
    Der Film bleibt für immer in meiner Nostalgie Bubble gefangen, da es zu der Zeit auch losging mit meinem Outing.
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