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Eine Einladung zum Hinsehen, Verstehen und Handeln

Neu im Bonifatius Verlag: "Katholisch und Queer"

Mirjam Gräve, Hendrik Johannemann und Mara Klein haben ein Buch über die Bedeutung von Queer-Sein in der katholischen Kirche heute und in Zukunft veröffentlicht.


Im Rahmen der Aktion #liebegewinnt sah man zuletzt häufiger Kirchen und kirchliche Einrichtungen mit Regenbogenflagge – ein Zeichen nach innen und außen (Bild: #liebegewinnt)
  • 6. Dezember 2021, 10:23h, noch kein Kommentar

Die Gesellschaft in Deutschland wird langsam inklusiver, wir (er-)leben zusehends mehr Diversität in unserem Alltag, und der Begriff "Queer" ist für die meisten Menschen kein Fremdwort mehr. Mit der "Ehe für alle" wurde 2017 ein klares Zeichen für Gleichberechtigung gesetzt. Und wie sieht es in der katholischen Kirche aus?

Die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ist ausdrücklich untersagt, die Sakramente der Ehe und des Priesteramtes, aber auch das Sakrament der Eucharistie bleiben queeren Menschen, die ihre Sexualität leben, versagt. Das katholische Arbeitsrecht zwingt Menschen dazu, ihr privates von ihrem beruflichen Leben nicht nur zu trennen, sondern sogar zu verschweigen.

Was macht all das mit Menschen? Wie gehen von Diskriminierung Betroffene damit um? Was bedeutet das für deren Glauben? Und für das Verhältnis zur Institution Kirche? Was ist notwendig für einen Wandel und welche Zukunftsperspektiven gibt es?

Bewusstes Hinsehen fordert Mut und Überwindung


"Katholisch und Queer" ist im Bonifatius Verlag erschienen

Die Herausgeber*innen Mirjam Gräve, Hendrik Johannemann und Mara Klein sind sich im Forum "Leben in gelingen Beziehungen – Liebe lernen in Sexualität und Partnerschaft" im Rahmen des Synodalen Wegs begegnet. Alle drei wurden aufgrund ihres Engagements gegen Diskriminierung queerer Menschen in der katholischen Kirche und aufgrund ihres eigenen Queer-Seins ins Synodalforum berufen. Sie wollten die Lebensumstände queerer Menschen in der katholischen Kirche für das Synodalforum verdeutlichen und starteten 2020 einen Aufruf: Queere Menschen sollten sich mit ihren persönlichen Erfahrungen in der katholischen Kirche bei Ihnen melden. Es erreichten sie viele bewegende Lebenszeugnisse – die Idee, diese als Problemanzeigen im Forum einzubringen wurde aus verschiedenen Gründen nicht umgesetzt. Stattdessen wuchs die Idee, die bewegenden und wichtigen Zeugnisse in Buchform zu veröffentlichen.

Entstanden ist ein Buch in drei Teilen: im ersten Teil kommen Betroffene zu Wort. Es sind Lebenszeugnisse von lesbischen, schwulen, gleichgeschlechtlich lebenden, bisexuellen, sowie trans, inter, nichtbinären und anderen queeren Menschen. Es sind Glaubens-, Glücks- und Leiderfahrungen. Diese Menschen sprechen aufrichtig über diese Erfahrungen, ihre Gedanken und ihre Wünsche. Viele sprechen über ein Doppelleben, über Ausgrenzung und Diskriminierung. Ein Teil wendet sich von der katholischen Kirche ab, andere bleiben und wollen Kirche verändern. Viele trennen Glauben von Kirche. Oft stellen sich Betroffene über einen langen Zeitraum die Frage: "Wenn Gott mich so geschaffen hat, warum lehnt die Kirche mich ab?" Die Lebenszeugnisse sind voller Fragen, Zweifel, Schmerz und leidvoller Erfahrungen. Sie müssen dringend gehört und gesehen werden.

Der zweite Teil von "Katholisch und Queer" zeigt Perspektiven aus dem Nahbereich. Es kommen Menschen aus dem Umfeld der Betroffenen zu Wort: Eltern, Geschwister und Seelsorgende. Was macht es mit mir, wenn ein Mensch aus meinem Umfeld an einer für ihn so wichtigen Stelle ausgegrenzt und diskriminiert wird? Was bedeutet das für den eigenen Bezug zu Kirche und Gott? Oft ist es auch für das Umfeld der Betroffenen schmerzhaft und die Fragen "Was kann ich tun?" oder "Hätte ich mich anders verhalten können?" tauchen auf und wollen beantwortet werden.

Wandel ist ein schwieriger und andauernder Prozess

Im dritten Teil kommen Menschen mit Verantwortung für Wandel und Fortschritt in der katholischen Kirche zu Wort. Verantwortungsträger*innen aus Verbänden, Amtskirche, Theologie und Seelsorge berichten von Wandel auf persönlicher und institutioneller Ebene. Sie zeigen, an welchen Stellen der Prozess einer Veränderung bereits begonnen hat: Es gibt Möglichkeiten, um queere Menschen nicht aus der Kirche auszuschließen und ihnen ein Zuhause in der Gemeinde bieten zu können. Klar wird aber auch, dass die vielen Prozesse, die bereits begonnen haben, noch nicht ausreichen.

Die Kirche ist auf einem Weg, nicht am Ende eines Weges. Viele Betroffene sind aber am Ende ihrer Kräfte. Klar ist: die Verantwortung, die Kirche zu verändern, liegt nicht bei den queeren Menschen.

"Katholisch und Queer" (Amazon-Affiliate-Link ) ist jetzt als 304 Seiten starkes Hardcover im Bonifatius Verlag erschienen. Eine Leseprobe gibt es auf der Verlagsseite. (cw/pm)

Infos zum Buch

Katholisch und Queer: Eine Einladung zum Hinsehen, Verstehen und Handeln. Herausgegeben von Mirjam Gräve, Hendrik Johannemann und Mara Klein. Sachbuch. 304 Seiten. 21,5 x 13,5 cm. Bonifatius Verlag. Paderborn 2021. Hardcover: 22,00 €. ISBN: 978-3-89710-915-5.

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