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Baden-Württemberg

QueerGrün-Chef zum Parteivorsitzenden gewählt

Der erfolgreichste grüne Landesverband wird künftig von einem schwulen Aktivisten angeführt: Pascal Haggenmüller ist zum Parteivorsitzenden der Grünen in Baden-Württemberg gewählt worden.


Pascal Haggenmüller steht künftig an der Spitze der Landtagsgrünen (Bild: Facebook / Grüne Baden-Württemberg)

Die baden-württembergischen Grünen haben am Samstag auf ihrem in weiten Teilen digitalen Parteitag in Heidenheim den 33-jährigen Landeschef von QueerGrün, Pascal Haggenmüller, sowie die 29-jährige frühere Landeschefin der Grünen Jugend, Lena Schwelling, zu ihren Parteivorsitzenden gewählt. Der Parteilinke Haggenmüller erreichte 89,5 Prozent der Stimmen, die dem Realo-Flügel angehörende Schwelling brachte es auf 77,8 Prozent. Der dritte Kandidat, der Schulleiter Pascal Häffner aus Mannheim, hatte seine Bewerbung kurz vor der Vorstandswahl ohne Nennung von Gründen zurückgezogen.

VIELEN DANK! ? Liebe Freund*innen, am Wochenende auf unserer Landesdelegiertenkonferenz in #Heidenheim habt ihr mich...

Posted by Pascal Simon Haggenmüller on Sunday, December 5, 2021
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Schwelling und Haggenmüller galten als Favorit*innen auf den Posten. Die bisherige Parteichefin Sandra Detzer ist jüngst in den Bundestag eingezogen, ihr Co-Vorsitzender Oliver Hildenbrand ist seit Mai Vize-Fraktionschef im Landtag.

Der in der Kraichgaustadt Bretten geborene Haggenmüller hatte in Freiburg Politik, Geschichte und Italienisch auf Lehramt studiert. Er ist seit zwei Jahren Sprecher der Landesarbeitsgemeinschaft Queergrün. Gegenwärtig arbeitet er im Büro der Landtagsabgeordneten Andrea Schwarz, die sich um Inneres und die Belange von Einsatzkräften kümmert. Haggenmüller kandidierte 2017 im Wahlkreis Karlsruhe-Land für den Bundestag, es reichte aber nicht für den Sprung nach Berlin. Er wohnt jetzt in Stuttgart und saß wie Schwelling seit 2019 im Landesvorstand der Südwest-Grünen.

Vorbild Claudia Roth

Haggenmüller nennt als sein politisches Vorbild Claudia Roth. Als Parteichef wolle er "für eine offene und vielfältige Gesellschaft kämpfen, in der jeder Mensch diskriminierungsfrei leben und seine Potenziale frei entfalten kann", heißt es in seinem Bewerbungsschreiben. Wert legt der 33-Jährige auch darauf, dass beim Klimaschutz auch die sozialen Fragen mitgedacht werden müssten. "Wir spielen die politischen Interessen von Menschen nicht gegeneinander aus", erklärte der Kandidat.

In seiner neunminütigen Bewerbungsrede warb Haggenmüller am Wochenende für Vielfalt. "Ich möchte, dass wir als Partei ein Zuhause bieten für so viel mehr Menschen, egal, ob sie jung oder alt sind, ob sie aus Sindelfingen kommen oder Syrien, ob sie queer sind oder hetero, ob sie Pfleger sind oder ob sie Betriebsrätin beim Daimler sind. Ich möchte, dass unsere Partei dieses Zuhause bietet." Er betonte, dass die Bundesgrünen als Regierungspartner in Berlin "neue gesellschaftliche Kräfte" freisetzen würden, worauf die Partei stolz sein könne – trotz vieler Kompromisse. Er trete auch für Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit ein und sprach über eine Stärkung des ländlichen Raums.

Bei dem Parteitag stellte der 73-jährige Ministerpräsident Winfried Kretschmann auch klar, dass er sein Amt bis zum Ende der Legislaturperiode 2026 ausüben werde. Völlig unklar ist bislang, wer die Nachfolge des volkstümlichen Landesvaters antreten könnte, auf dessen Popularität der Wahlsieg aus dem März fußt – die Grünen hatten damals 32,6 Prozent der Stimmten erzielt und lagen achteinhalb Prozentpunkte vor der zweitplatzierten CDU. Bei der Bundestagswahl im September landeten die Grünen ohne den Kretschmann-Effekt hinter CDU und SPD nur auf Platz drei. (dk)