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Serientipp

Die Schwarze queere Antwort auf "Sex and the City"

Jetzt bei Prime Video: "Harlem" verströmt lässigen Glamour, macht richtig Spaß, überzeugt mit witzigen, temporeichen Dialogen und vier durch die Bank sehenswerten Hauptdarstellerinnen.


Jerri Johnson spielt in "Harlem" die lesbische Tech-Durchstarterin Tye, die eine Dating-App für queere PoC erfunden hat (Bild: Amazon Studios)
  • Von Patrick Heidmann
    11. Dezember 2021, 11:25h, 1 Kommentar

Von den "Golden Girls" bis zu "Living Single" mit Queen Latifah, von den Ladies im modernen TV-Klassiker "Sex and the City" bis hin zum Quartett in "Run the World", das erst vor einigen Monaten an den Start ging – all diese Serien verließen sich auf ein ebenso schlichtes wie effektives Konzept: Vier Freundinnen sitzen regelmäßig beisammen, um mit viel Humor über Sex, Beziehungen und Arbeit zu quatschen.

Man lacht miteinander, streitet auch mal und ist vor allem immer für die anderen da wenn's hart auf hart kommt. Auch die neue Comedy-Serie "Harlem", die seit kurzem bei Prime Video zu sehen ist, basiert nun auf diesem Erfolgsrezept – und das geht so prächtig auf wie lange nicht.

Vier beste Freundinnen in Harlem


Poster zur Serie: "Harlem" läuft seit 3. Dezember 2021 bei Prime Video

Showrunnerin Tracy Oliver hat mit Geschichten über Frauenfreundschaften jede Menge Erfahrung und verantwortete etwa den Kino-Hit "Girls Trip" oder die auf dem gleichnamigen Film basierende Serie "First Wives Club". Für "Harlem" verlässt sie sich auf eine Figurenkonstellation, die schnell dazu verleitet, ihre Serie als moderne Schwarze Antwort auf den notorisch weißen Manhattan-Alltag von Carrie Bradshaw und Co. zu beschreiben.

Das erzählerische Zentrum ist Camille (Meagan Goode), die nicht Kolumnistin, sondern Assistenzprofessorin für Anthropologie ist, aber auch hin und wieder aus dem Off das Geschehen kommentiert und ihre letzte Beziehung noch nicht ganz ad acta gelegt hat. Dazu kommen die sexpositive Angie (Shoniqua Shandai), deren Gesangskarriere nicht so richtig Fahrt aufnimmt, die aus gutem Hause stammende und leicht spießige Quinn (Grace Byers), die eine sehr klare Vorstellung vom perfekten Mann hat, sowie die lesbische Tech-Durchstarterin Tye (Jerri Johnson), die eine Dating-App für queere PoC erfunden hat. Statt in Downtown hängt das Mittdreißiger-Quartett vor allem in Harlem ab, aber in coolen Apartments, die in der Realität vermutlich viel zu teuer für beispielsweise ein Uni-Gehalt wären, wird auch dort gewohnt.

Schwarze Perspektiven im Vordergrund

So wenig originell die Prämisse von "Harlem" sein mag, so überzeugend ist sie in der ersten Staffel, die zehn halbstündige Folgen umfasst, umgesetzt. Diese (übrigens von Amy Poehler mitproduzierte) Serie macht richtig Spaß: Sie verströmt lässigen Glamour, die Dialoge haben Witz und Tempo, die Hauptdarstellerinnen sind durch die Bank sehenswert, außerdem geben sich prominente Gaststars wie Whoopi Goldberg, Andrea Martin oder Jasmine Guy die Ehre. Und nebenbei werden zwar nicht immer tiefgründig, aber durchaus smart ernste Themen wie Alltagsrassismus oder Gentrifizierung verhandelt.

Stets im Vordergrund stehen dabei Schwarze Perspektiven, Freundschaften und Lebenswelten in verschiedensten Facetten, die selbst im Kontext dieser leicht überhöhten und auf Hochglanz polierten Serienwelt immer wahrhaftig wirken. Und auch aus LGBTI-Sicht weiß "Harlem" zu überzeugen. Nicht nur ist die auch im realen Leben queere Schauspielerin Jerri Johnson eine tolle Neuentdeckung. Sondern ihre Figur wunderbar komplex und realistisch, egal ob sie Probleme damit hat, dass eine Affäre ähnlich dominant und unverbindlich ist wie sie, oder später die Frage im Raum steht, ob sie sich eine Beziehung mit einer Weißen vorstellen kann.

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#1 datiAnonym
  • 19.12.2021, 22:12h
  • Ich habe bisher die Folgen eins und zwei gesehen und kann mich der positiven Sichtweise leider bis dahin nicht anschließen.

    - Positiv finde ich, dass es eine Serie ist, in der kluge, selbstbewusste Schwarze Frauen im Mittelpunkt stehen. Auch dass der Cast zu einem hohen Prozentsatz aus BIPoC besteht ist toll.

    - Die Geschichte der lesbischen Protagonistin Tye ist zweischneidig. Einerseits widerlegt die Serie mit expliziter Darstellung von lesbischem Sex auf erfrischende Art das "they are roommates"-Trope. Andererseits weist die Storyline von Tye auch einige Stereotypen auf. Und: Mir erscheint die Lesbe im Viererbund geframed als "die Andere"; sie existiert quasi nur im Kontrast zu ihren heterosexuellen Freundinnen, die nicht verbergen, dass das Lesbischsein ihrer Freundin für sie mindestens eine befremdliche Komponente hat. Ob Sichtbarkeit um den Preis einer Darstellung, die mit Stereotypisierung und Othering einhergeht, wünschenswert ist, ist ziemlich fraglich.

    - Hochproblematisch finde ich das komplett fehlende Bewusstsein für trans und nicht-binäre Menschen. Die Figuren haben zumindest in den ersten beiden Folgen eine komplett binär-biologistische Sichtweise, und der Rauswurf von Camilles Chefin lässt mich unmittelbar an Kathleen Stock denken. Die Sichtweise der "gecancelten" Professorin wird für einen miesen Joke auf Kosten von trans Personen genutzt. Es fällt mir schwer, zu glauben, dass hier nur Unwissenheit die Ursache ist.

    Mein Fazit: Eine lesbische Protagonistin macht keine queere Serie. Und eine Serie, die gut darin ist, rassistische Haltungen und Stereotypen zu durchbrechen, ist nicht unbedingt auch intersektional. Orange is the New Black war hier beispielsweise schon seit 2013 um Lichtjahre weiter.
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