Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?40690

Neuseeland

Und noch ein Selbstbestimmungsgesetz

Neuseeland kippt medizinische Maßnahmen als Voraussetzung für die Änderung von Dokumenten. Bald reicht auch in dem Inselstaat ein einfacher Amtsgang aus, um Namen und Geschlecht zu ändern.


Die Trans-Pride-Flagge vor dem neuseeländischen Parlament beim Trans Day of Visibility 2021 (Bild: Gareth Watkins / wikipedia)
  • Von Jeja Klein
    13. Dezember 2021, 08:55h, noch kein Kommentar

Nach vier Jahren Debatte hat nun auch Neuseeland beziehungsweise Aotearoa ein Selbstbestimmungsgesetz verabschiedet. Die ohne Gegenstimme beschlossene Reform sieht eine vereinfachte Änderung der dokumentierten Eintragungen zum Namen und Geschlecht vor.

Bisher mussten Neuseeländer*innen nicht nur medizinische Belege für ihre Geschlechtsidentität vorlegen, wenn sie entsprechende Änderungen vornehmen lassen wollten. Auch mussten sie geschlechtsangleichende Maßnahmen nachweisen und ihr Begehr vor einem Familiengericht vorbringen.

Indirekte Hürden im Gesundheitssystem

Die bisher geltenden Hürden haben es trans Neuseeländer*innen sehr schwer gemacht, Eintragungen vornehmen zu lassen. Das liegt insbesondere auch an Zugänglichkeiten im Gesundheitssystem. Nur eine sehr begrenzte Anzahl von geschlechtsangleichenden Operationen ist bisher durch staatliche Gesetzgebung pro Jahr möglich.

Viele Menschen können sich die Psychotherapien nicht leisten, die für bestimmte Transitionsschritte bisher obligatorisch vorgesehen waren. Die Warteliste für geschlechtsangleichende Operationen in dem kleinen Land beträgt viele Jahre, so dass die Änderung von Eintragungen oft nur vermittels privat bezahlter Operationen im Ausland möglich waren.

Letzteres wird sich so schnell jedoch nicht ändern. Das Gesetz in Neuseeland sieht nicht, wie ähnliche Vorhaben in Deutschland, vor, dass die Gesundheitsversorgung transgeschlechtlicher Bürger*innen in die Regelversorgung aufgenommen wird.

16-jährige brauchen Erlaubnis von Eltern

Neuseeländer*innen, die mindestens 18 Jahre alt sind, können selbstbestimmt den Wechsel vornehmen lassen. Bei Über-16-Jährigen ist die Zustimmung der Eltern sowie ein Empfehlungsschreiben einer dritten Person notwendig.

Bei Unter-16-Jährigen obliegt es den Eltern beziehungsweise dem gesetzlichen Vormund, eine Änderung der Eintragungen vornehmen zu lassen. Auch hier muss zudem ein Empfehlungsschreiben einer dritten Person eingebracht werden.

Der Staat kennt die vier Geschlechtsmarker "männlich", "weiblich", "intersexuel" und "x". Nichtbinäre Personen sind von der Gesetzesreform miterfasst. In Kraft tritt das Gesetz erst in 18 Monaten. In dieser Zeit sollen noch weitere Konsultationen mit der Community geführt werden, um sicherzustellen, dass das Gesetz so funktioniert, wie es sollte.

"Gender Critical"-Bewegte wollen Schüler*innen identifizieren

Überschattet wurde die Verabschiedung des Gesetzes durch die Aktivitäten der "Gender Critical"-Bewegung. Die machte jüngst von sich reden, weil sie an alle Schulen des Landes Fragekataloge verschickt hatte.

Darin sollten die Schulen detailliert angeben, wie viele transgeschlechtliche Schüler*innen die Schule besuchten, welche Probleme das angeblich verursache und wie die Schulen mit diesem "neuen Trend" umgingen. Die Informationen sollten differenziert nach transmännlichen und transweiblichen Schüler*innen sowie nach Jungs, Mädchen, nichtbinären, fluiden oder "ähnlichen" sowie nach Jahrgängen und Ethnizität der Schüler*innen angegeben werden.

Solche Anfragen sind in Neuseeland erlaubt. Nicht festgelegt ist, in welchem Umfang Schulen sie beantworten müssen. Das Bildungsministerium meldete öffentlich Bedenken wegen der Privatsphäre der Schüler*innen an.