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"Wie geht's euch?"

Deutsche Studie: Sexuelle und geschlechtliche Minderheiten leiden unter Minderheitenstress

Laut der Studie einer Frankfurter Uni sind queere Menschen in Deutschland höheren seelischen Belastungen ausgesetzt. Vor allem die Schule habe den Auftrag, diesem Minderheitenstress entgegenzuwirken.


Minderheitenstress ist ein Problem der queeren Community in Deutschland (Bild: Pixabay)

Eine am Mittwoch veröffentlichte Studie der Frankfurt University of Applied Sciences (Frankfurt UAS) hat sich mit psychosozialer Gesundheit und Wohlbefinden von queeren Menschen befasst – und festgestellt, dass viele wegen Ausgrenzung unter Problemen leiden, die cis- und heterosexuelle Menschen nicht betreffen. "'Wie geht's euch?': Psychosoziale Gesundheit und Wohlbefinden von LSBTIQ*" basiert auf eine Auswertung von Datensätzen von 8.700 queeren Menschen aus Deutschland unter der Leitung von Prof. Dr. Stefan Timmermanns und Prof. Dr. Heino Stöver.

In der Untersuchung wurde deutlich, dass die vorgegebenen Selbstbezeichnungen wie hetero-, homo-, bi-, pansexuell, inter oder trans vielen Menschen nicht ausreichen, um ihre sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität zu beschreiben. 4,4 Prozent wählten eine Vielzahl anderer Bezeichnungen, um ihre queere Identität zu definieren. "Dies bestärkt uns in der Annahme, dass es – gerade unter jüngeren Menschen – einen Trend gibt hin zu einer Vervielfältigung und in Folge dessen vermutlich auch Aufweichung der in der Sexualwissenschaft etablierten Kategorien sexueller und geschlechtlicher Identitäten", erklärt Timmermanns, Professor für Sexualpädagogik und Diversität in der Sozialen Arbeit an der Frankfurt UAS.

Hintergrund der Studie ist das theoretische Modell des Minderheitenstresses und eine daraus resultierende erhöhte Vulnerabilität (Verletzlichkeit) von queeren Menschen. Aus früheren Untersuchungen geht hervor, dass LGBTI häufiger an körperlichen, seelischen und chronischen Erkrankungen leiden. "Zwei Themen sind besonders hervorzuheben, da sie für das Verständnis einer erhöhten Vulnerabilität von Bedeutung sind und auf das Leben sehr vieler LSBTIQ* einen Einfluss haben", so Timmermanns. "Zum einen geht es um die Theorie des Minderheitenstresses, der aus Diskriminierungserfahrungen und queernegativen Einstellungen resultiert und für die erhöhte Prävalenz von psychischen Erkrankungen, Substanzkonsum sowie Suizid bei LSBTIQ* verantwortlich ist. Zum anderen gibt es neben negativen Erfahrungen im Leben von LSBTIQ* jedoch auch Ressourcen, z.B. Kontakte zu anderen queeren Menschen, die es vielen von ihnen ermöglichen, trotz aller Widrigkeiten ein überwiegend gutes und zufriedenes Leben zu führen."

Jüngere haben ein früheres Coming-out

Die quantitative Auswertung des Online-Fragebogens ergab, dass die unter 20-Jährigen ihr Coming-out früher hätten als ältere Jahrgänge: Die Mehrheit vollziehe diesen Schritt bereits im Alter zwischen elf und 16 Jahren. Ungefähr die Hälfte der Befragten berichtet demnach von Diskriminierung an einem öffentlichen Ort und im Bildungswesen. Hieraus lasse sich laut Timmermanns ein deutlicher Auftrag für Schulen und Jugendarbeit ableiten, sexuelle und geschlechtliche Vielfalt zu thematisieren und Diskriminierung und Gewalt entschieden entgegenzutreten.

Zusammenfassend stellte Timmermanns fest: "In der Untersuchung konnten zahlreiche Belege für Minderheitenstress von LSBTIQ* gefunden werden. Dieser ist verantwortlich für die höhere gesundheitliche Belastung, die ebenfalls festgestellt werden konnte." Insbesondere in Bezug auf das psychische Wohlbefinden queerer Menschen habe die Studie belegen können, dass diese stärker davon betroffen sind als die Gesamtbevölkerung. "Dies gilt für trans* und gender*diverse Personen in noch stärkerem Maße. Zudem sind diese beiden Teilgruppen mit Barrieren beim Zugang zur Gesundheitsversorgung konfrontiert", so Timmermanns. Mit Blick in die Zukunft ergänzte er: "Auf Grundlage unserer Ergebnisse sollten Beratungs- und Unterstützungsangebote für LSBTIQ* ausgebaut und weiter verbessert werden. Neben bildungs- und sozialpolitischen sollten aus den Ergebnissen auch gesundheitspolitische Entscheidungen abgeleitet werden, zum Beispiel eine stärkere Sensibilisierung von medizinischem Personal im Umgang mit sexueller und geschlechtlicher Vielfalt."

Die anonyme Befragung fand von November 2018 bis März 2019 statt. Befragt wurden rund 8.700 Personen. Das Durchschnittsalter lag bei 38,3 Jahre (Allgemeinbevölkerung: 44,5 Jahre). Einen Migrationshintergrund gaben rund 20 Prozent an (Allgemeinbevölkerung: ca. 26 Prozent). (pm/cw)

Info

Die Ergebnisse der Studie sind bei Beltz Juventa in der Verlagsgruppe Beltz veröffentlicht. Unter dem Titel "'Wie geht's euch?': Psychosoziale Gesundheit und Wohlbefinden von LSBTIQ*" ist das Werk am Mittwoch erschienen. Das Buch kostet 24,95 Euro (Kindle: 22,99 Euro).

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#1 KostenfaktorAnonym
  • 17.12.2021, 13:53h
  • Nicht nur für die Betroffenen und für eine offene, freie Gesellschaft sollte man dafür sorgen, dass sexuelle und geschlechtliche Minderheiten nicht ausgegrenzt werden.

    Sondern auch, weil die damit verbundenen Kosten durch Arbeitsausfälle, durch Krankheits- und Behandlungskosten, etc. die Sozialsysteme belasten und der Volkswirtschaft schaden.

    Wenn man es schon nicht aus Menschlichkeit macht, dann sollte man doch wenigstens aus volkswirtschaftlichen Gründen für die volle Gleichstellung und den Abbau von Diskriminierung sein.
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#2 Ith_Anonym
  • 18.12.2021, 12:00h
  • Ich finde das ja immer beruhigend, wenn eine Studie herausfindet, dass ich vielleicht tatsächlich aus den Gründen heulend hier sitzen könnte, aus denen ich zu heulen glaube.
    Manko bleibt natürlich, dass sie anscheinend bloß Leute gefragt haben, damit allein würdest du keine*n Verhaltenstherapeut*in überzeugen. Vielleicht bildest du dir ja auch bloß ein, dass transfeindliche Witze und transfeindliche Hetze dich betreffen, und könntest auch einfach entscheiden, dass das gar nichts mit dir zu tun hat, und dann wäre die Welt gleich schon viel mehr in Ordnung. Von daher: Sollten sie dringend wiederholen, und zwar mit Kontrollperson, die dann mit in der Klasse sitzt. Und wenn die beurteilende Cisse dann zu dem Schluss kommt, dass mit dem Transenwitz gar nicht du gemeint gewesen bist, und dass das Misgendern ja nicht böse gemeint war, und du später im Fragebogen angibst, deswegen schlechte Empfindungen gehabt zu haben, macht die beurteilende Cisse daneben dann ein Kreuzchen "unbegründet" mit dem Kommentar "narzisstische Projektion".
    Ich meine, wo kämen wir hin, wenn wir psychisch gestörten Menschen einfach glauben, was sie über ihr Wohlbefinden erzählen.
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#3 PädagagaAnonym
  • 19.12.2021, 11:43h
  • Als Gymnasiallehrer, der jedoch alle Schulformen kennenlernte, habe ich im Artikel nach konkreten Arbeitsaufträgen für die Schulen zu dieser Problematik gesucht und nichts gefunden.

    So bleibt mir nichts zu diskutieren, außer ein paar Erfahrungen zum Besten zu geben. Das deutsche Bildungssystem lebt von einer strengen Normung. Es gibt die Eliteschülerinnen, dass sind durchweg Mädchen, die Herzchen als I-Punkte setzen, ihre Hefte ordentlich führen, mit Inhaltsverzeichnis, und stets die geforderten Kenntnisse herunterbeten können. Da Frauen ja ständig unterdrückt werden, sind sie durch "individuelle Förderung" seitens der Lehrerschaft zu Höchstleistungen zu motivieren. Wer da lesbisch ist oder irgendwo so transdingsbums - die steckt eben gerade in der Pubertät und verdient Nachsicht.

    Dann folgt das Mittelmaß, alle sind durch die Bank faul und bedürfen starker Kontrolle. Besonders die Jungen sind ständig übergriffig und mobben die Mädchen, sie sind daher hart anzupacken. Vor allem der Sexismus muss ihnen gründlich ausgetrieben werden. Die schwule Phase der Jungen muss durch entsprechende Gleichstellungslehrerinnen durch Förderung ihrer weiblichen Anteile überwunden werden. Jegliche sexuell zu deutende Berührungen untereinander sind disziplinarisch zu ahnden und müssen den Eltern umgehend mitgeteilt werden inclusive Eintrag in die Personalakte der Schüler. (Meldungspflicht laut Schulgesetz)

    Kommt es jedoch zu einem outing eines schwulen Schülers, so ist sofort die Gleichstellungsbeauftragte zu informieren, damit sie fachlich äußerst fundierte Beratungsgespräche führen kann. Die Ergebnisse sind mit Namensnennung des Schülers dann auf der Lehrerkonferenz vorzustellen und diese Leistung gebührend abzufeiern. Eine Evaluation von sich anschließenden Beratungsgesprächen durch die Gleichstellungsbeauftragte hat zu ergeben, dass die vermeintliche Homosexualität der pubertären "Entwicklungsaufgabe" folgte und gelöst wurde. Lehrer sind von dem direkten Kontakt zu dem Patienten fernzuhalten, da die männlich chauvinistische Grobheit nicht der besonderen Sensibilität dieses Problems angemessen ist. Bei schwulen Kollegen ist Quarantäne angesagt, damit nicht auch nur ein Hauch von sexueller Übergriffigkeit entstehen könnte.

    Kommen wir zur Unterschicht. Das sind die wackeligen Vierer- und Fünferkandiaten. Die Mädchen landen dann eh' nur als Regalauffüllerinnen und bestenfalls Kassiererinnen an Tankstellen und Discountern, die Jungen werden kriminell. In solchen sozial schwachen und bildungsfernen Familien ist Hopfen und Malz verloren. Bei sexuellen Auffälligkeiten oder Abweichungen ist die Schulsoziarbeiterin und das Jugendamt zuständig. Es ist dafür zu sorgen, dass diese Klientel möglichst rasch die Schule verlässt - schließlich hat man genug damit zu tun die permanente Drogenproblematik vor der neugierigen Öffentlichkeit unter den Teppich zu kehren.

    Das ist die aktuelle deutsche Bildungslandschaft, wo jedem Politiker aller Couleur sabbernd das Wort: "Bildungsoffensive" aus dem Munde tropft.

    PS: Die "" kennzeichnen pädagogische Fachbegriffe, die jeder Refrendar sich zu eigen machen muss.
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#4 Ith_Anonym
  • 19.12.2021, 18:38h
  • Antwort auf #3 von Pädagaga
  • "Vor allem der Sexismus muss ihnen gründlich ausgetrieben werden."

    Hätte man bei Ihnen mal machen sollen, falls es jemand versucht haben sollte, hat's jedenfalls sehr bescheiden funktioniert.
    Kann man wirklich niemandem wünschen, bei Ihnen als queere*r Jugendliche*r die Schule überleben zu müssen. Überleben dürfte das Stichwort sein, wenn man kein schwuler Cis-Typ ist.

    Momente, in denen man sich Klarnamenpflicht und eine mitlesende Schulleitung und Elternschaft wünscht. Aber leider werden wir die Menschenverachtung und Abwertungen, die wir hier von Ihnen lesen dürfen, und die sicherlich für Schüler*innen in Ihrem Unterricht ge- und erlebter Alltag sind, auch künftig nicht verhindern können.

    Nunja. Meine Botschaft an alle mitlesenden Schüler*innen: Man kann auch solche Leute überleben. Betrachtet sie als Vorbereitung auf die cis-männlichen Vorgesetzten, die euch im späteren Leben erwarten. Legt am besten noch eins drauf und spielt MMOs, wo ihr mit noch mehr und einer höheren Intensität an der hier zu lesenden Misogynie geflutet werdet.
    Ihr könnt nicht früh genug lernen, wie sehr sie euch verachten. Wer diesen Hass mit 10 Jahren zu ertragen gelernt hat, hält es dann später auch aus, geoutet im Beruf zu leben. Wenn ihr die Schule mit solchen Leuten erst überlebt habt, habt ihr den schlimmsten Teil eures Lebens überstanden.
    Außer ihr kommt später auf die Idee, einen Cis-Mann zu heiraten. Aber das ist dann schon wieder eine andere Geschichte.
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#5 Markus3Anonym
#6 LotiAnonym
  • 21.12.2021, 10:12h
  • Antwort auf #3 von Pädagaga
  • Genau vor solch Lehrern wie Du einer bist, hat mir erst kürzlich ein nicht schwuler Schüler berichtet. Unmögliches Verhalten und mangelndes Interesse von Seiten der Lehrerschaft hat er erzählt. Passt gut zu Deinem Kommentar hier.
    Und mein großer Dank hier geht an @ lth und ihren Antwortkommentar dazu.
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#7 YashaAnonym
  • 23.12.2021, 12:22h
  • Den Lehrer Kommentar habe ich als Satire gelesen. Ich glaube einfach nicht, das so jemand hier bei Queer. De mitliest. Oder?
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