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"Ich wusste nicht, dass ich 'Nein' sagen durfte"

Neuer Missbrauchsvorwurf gegen Bryan Singer

Erneut wirft ein junger Mann dem bisexuellen "X-Men"- und "Bohemian Rhapsody"-Regisseur vor, seine Machtposition brutal ausgespielt zu haben.


Bryan Singer bei der Fanveranstaltung Comic Con im Jahr 2015 (Bild: Gage Skidmore / flickr)

Zum wiederholten Mal gibt es schwere Vorwürfe gegen Regisseur Bryan Singer: Der 30-jährige Blake Stuerman, der von 2009 bis 2013 dessen Assistent gewesen war, warf seinem früheren Chef im Branchenblatt "Variety" vor, ihn "traumatisiert" und "missbraucht" zu haben.

Twitter / blakestuerman

Stuerman erklärte, er sei dem Star-Regisseur 2009 als 18-Jähriger in New York City vorgestellt worden. Zu dieser Zeit sei Singer 43 Jahre alt gewesen, er selbst habe "nicht älter als 15" ausgesehen und sei die "Schulbuch-Definition eines Twinks" gewesen. Singer habe ihn zu einem teuren Abendessen mit Personen der Filmindustrie eingeladen und ihn und andere dann auf seine Hotelsuite eingeladen. Später habe er ihn zu überzeugen versucht, länger zu bleiben. Er sei aber gegangen und mit der U-Bahn nach Hause gefahren.

Danach sei er wiederholt von Singer erneut eingeladen worden. Eines Abends sei er in seiner Suite mit anderen Personen gewesen, aber immer mehr seien gegangen, "bis ich alleine mit Bryan war". An diesem Abend habe er sich "zum ersten Mal in seinem Leben betrunken gefühlt". Er erklärte weiter: "Mir wird unwohl, wenn ich daran denke. Man kann sich denken, was dann passiert ist. Ich wusste nicht, dass ich 'Nein' sagen durfte. Ich wusste nicht, dass der Alkohol meine Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, einschränkt."

"Wenn ich nur etwas Widerstand leistete, wurde er wütend"

Singer habe ihm nach diesem Vorfall deutlich gemacht, dass er für seine Zukunft nach Los Angeles ziehen und für ihn arbeiten solle – Stuerman folgte dem Rat. Der Regisseur habe dann "öfter Sex erwartet". "Wenn er in einer Nacht keinen Jungen in der Bar gefunden hat, musste ich dieser Junge sein. Wenn ich nur etwas Widerstand leistete, wurde er wütend", schrieb Stuerman. Er sei dafür zu vielen Treffen wie Drehbuch-Lesungen mitgenommen worden.

Ein einschneidendes Erlebnis habe sich 2012 in ihn eingebrannt. Damals habe Singer einen Gast auf der Terrasse seines Hauses körperlich angegriffen – als er dann Singer zurückzog und ins Haus begleitete, habe dieser ihm wortwörtlich gesagt: "Ich töte dich, verdammt nochmal, wenn du mich verlässt." Ab diesem Zeitpunkt habe er "in Angst gelebt, dass Bryan seine Warnung wahr macht". Singer habe ihn vollständig kontrolliert: "Ich durfte nicht daten. Ich durfte nicht mit Menschen meiner Wahl Sex haben", so Stuerman. Schließlich habe er doch den Ausstieg geschafft. Seine Karriere in der Unterhaltungsindustrie sei damit aber beendet gewesen.

"Ich bin das Missbrauchsopfer von einem sehr mächtigen, sehr reichen und sehr kranken Mann", so sein Resümee. "Ich bin ein Opfer von Bryan Singer."

Anwalt Singers: Vorwürfe "verleumderisch"

Ein Anwalt Singers wies die Vorwürfe gegenüber "Variety" zurück. Diese seien "verleumderisch", so Andrew Brettler. Zwar hätten Singer und Stuerman anfangs Zuneigung füreinander gehabt, "aber mit der Zeit wurde Herr Stuermann immer paranoider, wahnhafter und hilfsbedürftiger". Daher habe sich Singer von ihm distanziert.

"Herr Stuerman ist wütend und verärgert, weil er nicht den Lob für Herrn Singers Filme erhalten hat, den er seiner Ansicht nach verdient hatte", so der Anwalt. "Am meisten ist er wütend und verärgert, dass Herr Singer nicht länger Herrn Stuermans Jet-Set-Lifestyle bezahlt und ihn nicht länger finanziell unterstützt hat, wie er es viele Jahre lang getan hatte."

Bereits mehrfach hatte es Missbrauchsvorwürfe gegen Bryan Singer gegeben. 2014 wurde eine Klage eines ehemaligen Kindermodels fallengelassen (queer.de berichtete). Im Zuge der #MeToo-Debatte mehrten sich seit seit 2017 die Vorwürfe. Ein Mann warf dem Regisseur etwa vor, ihn 2003 auf einer Jachtparty vergewaltigt zu haben – der Beschuldiger sei damals gerade 17 Jahre alt gewesen (queer.de berichtete). Obgleich Singer alle Vorwürfe bestritt, stimmte er 2019 einer außergerichtlichen Einigung zu und zahlte dem Mann 150.000 Dollar (queer.de berichtete).

Beim letzten Blockbuster von Bryan Singer, dem mit vier Oscars ausgezeichneten Biografiefilm "Bohemian Rhapsody", hatte es bereits Spannungen gegeben: Singer war zum Drehende des Films gefeuert worden, weil er angeblich wiederholt am Set nicht erschienen sei und er sich mit Hauptdarsteller Rami Malek nicht verstanden habe (queer.de berichtete). Dexter Fletcher drehte den Film dann zu Ende, in den Credits tauchte aber nur Singer auf.

Weitere Projekte erhielt Singer in den letzten Jahren nicht mehr. Eigentlich hätte er eine Neuverfilmung von "Red Sonja" drehen sollen – nach den Missbrauchsvorwürfen wurde er aber gefeuert (queer.de berichtete). (cw)



#1 remixbeb
  • 22.12.2021, 18:28h
  • Geht gar nicht, was der Singer da abgezogen hat. Aber wenn ich lese "ich wusste nicht, dass ich Nein sagen durfte", denk ich mir schon, dass das Jungchen etwas naiv und blöd war. Immerhin gibt er zu, dass er im Gegenzug auch zu Events mitgenommen wurde, was ja offensichtlich in seinem Interesse war. Ich weiß nicht... Noch einmal: sexuelle oder psychische Ausbeutung geht gar nicht und sollte bestraft werden. Wenn aber nach Jahren jemandem plötzlich einfällt, dass eine bestimmte Beziehung nicht korrekt war und sich dann auf das junge Alter, den ersten Alkoholkonsum etc. Beruft, finde ich das hat ein Geschmäckle.
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#2 DreddAnonym
  • 22.12.2021, 18:56h
  • Antwort auf #1 von remixbeb
  • Exakt darauf fusst aber die gesamte Me-Too Bewegung @ Macht und Machtmissbrauch oO

    Hätte er die berufliche Förderung, die Treffen, auch erhalten hätte er sich Singer verwehrt? Und wenn das schon die Voraussetzung war, wie hätte Singer reagiert wenn er nein sagt ? Als Berufseinsteiger kommt "wurde von einem der derzeit kommerziell erfolgreichsten Regisseure gefeuert" sicher nicht gut in der Vita an, zwei Anrufe von Singer und du findest nirgends einen Job mehr!
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#3 remixbeb
  • 22.12.2021, 19:21h
  • Antwort auf #2 von Dredd
  • Das ist mir schon klar. Aber ich empfinde es halt anders. Ohne jetzt Missbrauch damit vergleichen zu wollen. Aber wir "prostituieren" uns alle, um einen Job oder etwad anderes zu erhalten. Es gibt Bedingungen und entsprechend Benefits. Jeder erwachsene Mensch sollte eigentlich in der Lage sein, für sich abzuwägen, was er/sie für etwas bereit ist zu geben. Müsste ich mich mit meinem Chef "vergnügen", um meinen Job zu bekommen oder zu behalten, würde ich sagen: Hello and goodbye. Und damit wäre ich aus der Sache raus.

    Natürlich macht das das Verhalten des Vorgesetzten nicht besser oder richtig, aber ich wüsste in dem Fall, dass ich meinen moralischen Kompass nicht überschreiten musste, um etwas zu bekommen.
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#4 StaffelbergblickAnonym
  • 22.12.2021, 23:09h
  • Diese Berichte nerven mich zunehmend. Was zwischen den beiden abgelaufen ist, aus welchem Grund wie ... wissen nur die beiden. Warum der eine jetzt an die Presse geht ist eine Sache, dass der andere alles über seinen Anwalt abwickelt eine andere. Mich irritiert besonders, dass er Junge jetzt auf "15 jährigen Twink" verweist. Ich kenne das us-amerianische Arbeitsrecht nicht .. aber ich könnte mir vorstellen, dass er in diesem Alter überhaupt nicht in eine "Assistenten-Rolle" gekommen wäre. Und wenn ich Regisseur wäre und hätte einen Assistenten, der mir gefällt, gut ist ... und alt genug ... da würde ich auch baggern. Sagt er nein, ist die Sache gegessen, sagt ja ... vielleicht ein gutes Team ... bleibt der Zeit überlassen.
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#5 PiakAnonym
  • 23.12.2021, 06:51h
  • Antwort auf #4 von Staffelbergblick
  • "Und wenn ich Regisseur wäre und hätte einen Assistenten, der mir gefällt, gut ist ... und alt genug ... da würde ich auch baggern."

    Genau das ist doch schon das Problem. Unfassbar, dass der Kommentar hier freigegeben wird.
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#6 DreddAnonym
  • 23.12.2021, 08:41h
  • Antwort auf #5 von Piak
  • Nein, es ist leider nicht unfassbar weil dieses Denken weit verbreitet ist - im Fall Spacey ging es beim der "Diskussion" ja in weiten Teilen auch nicht um die Vorwürfe an sich sondern darum das 14jährige ja wohl alt genug seien um zu wissen was passiert wenn sie zu jemanden ins Hotel gehen !

    Zu glauben Übergriffigkeit uä würde in der schwulenszene seltener stattfinden oder zumindest offener thematisiert werden ist ein Trugschluss, ich würde eher dahingehen dass "Männer unter Männern" das ganze sogar noch verstärkt. Und ansprechen kannst des schon mal gar nicht, wer sich nicht vom lechtzenden, alten Sack angrapschen lässt ist prüde, diskriminiert und schämt sich seiner selbst!

    Da hat sich in den letzten 20 Jahren wahrscheinlich nichts geändert.
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#7 KenshiroProfil
  • 23.12.2021, 09:39hBerlin
  • Antwort auf #5 von Piak
  • Wieso unfassbar? Hast du den ganzen Kommentar gelesen? Oder echauffiertst du dich nur künstlich? Es entstehen ständig Beziehungen auf Arbeit zwischen Kollegen und Boss und Angestellter. Wichtig ist nur das kein Machtstrukturen genutzt werden um jemanden zu nötigen.
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#8 remixbeb
  • 23.12.2021, 10:25h
  • Antwort auf #6 von Dredd
  • in dieser Sache sehe ich es allerdings genauso. Ich ernte auch immer wieder erstaunte Blicke von Bekannten, wenn ich sage, ich will von KEINEM Typen (nein, auch nicht dem geilen Pornostar) ungefragt angefasst werden. Und das lasse ich auch nicht zu.

    Aber das hat nur bedingt mit der Sache hier zu tun.. und die sehe ich, wie schon erklärt, etwas anders.
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#9 DreddAnonym
#10 Alle wollen Opfer seinAnonym
  • 23.12.2021, 10:42h
  • Antwort auf #2 von Dredd
  • Ein reicher Promi darf man sich einfach nicht mehr trennen.
    Ansonsten läuft der/die Ex zur Presse und präsentiert sich als Missbrauchs-Opfer.

    Aus Volljährigkeit wurde hier "looked no older than 15". Aus einem Essen mit alkoholischen Getränken wurde "intoxicated". Aus einer kaputten Beziehung mit einem möglicherweise oft launischen, versoffenen Ar*** wurde "emotional abuse".

    Mir scheint, seine Versagensängste haben einen eher banalen Grund. Er hatte nur über seinen Partner Geld, Macht und Einfluss. Und mit ihm all das wieder verloren. Das erzeugt wohl auch Hass und Neid.
    Zitat: "He has more money than he knows what to do with."
    Ein normales Leben mit einem normalen Job ist offenbar für ihn auch nach all der Zeit keine Option.
    Stattdessen träumt er immer noch von seinen alten Job als überbezahlter Assistent ("Im choosing to get back into the industry on my terms.").
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