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Berlin

Wie aus dem "queeren Kulturleuchtturm" ein Grablicht wurde

Das Elberskirchen-Hirschfeld-Haus (E2H) ist gescheitert. Wie schaffte es die Berliner LGBTI-Community, das vom wohlgesonnenen Senat unterstützte Millionenprojekt zu versemmeln? Versuch einer Rekonstruktion.


Die Hochglanzbroschüren für das E2H können jetzt eingestampft werden (Bild: Senatsverwaltung für Kultur und Europa)

Es gibt Projekte, die scheitern polternd und krachend und hinterlassen einen Scherbenhaufen. Und dann gibt es Projekte, die verabschieden sich schleichend, fast unbemerkt, liegen vielleicht sogar noch eine Weile entkräftet und von allen guten Ideen verlassen herum, wie eine alte Wölfin, die sich zum Sterben zurückgezogen hat, während das Rudel mit seinen Jungen schon längst über alle Berge ist.

Ein Projekt der zweiten Art ist oder vielleicht besser war das Berliner Elberskirchen-Hirschfeld-Haus, in seinen besseren Tagen kurz liebevoll E2H genannt, denn sein voller Name wäre zu sehr "a mouthful" für die erwarteten internationalen Gäste geworden.

Wiederaufstehung von Hirschfelds WhK

Es solle ein "queerer Kulturleuchtturm" für Berlin werden, wurde sein Erfinder, der "taz"-Redakteur und Begründer der Initiative Queer Nations Jan Feddersen, nicht müde zu betonen. "Ein bisschen größenwahnsinnig" nannte er das Projekt auch – was ein bisschen kokett zu verstehen ist, denn Feddersen ist mit einem gesunden Selbstbewusstsein ausgestattet und die Fertigstellung von etwas Größenwahnsinnigem traut er sich, dem geistigen Vater der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, absolut zu.

Feddersens lang gehegte Idee, das legendäre, von Magnus Hirschfeld gegründete und von den Nazis zerstörte Wissenschaftlich-humanitäre Komitee (WhK) in Berlin neu auferstehen zu lassen, traf auf die Raumnot der unterschiedlichen queeren Berliner Archive, zuvorderst des lesbischen Spinnboden-Archivs, der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft (MHG) und des feministischen Frauenforschungs-, -bildungs-, und -informationszentrums (FFBIZ).

Ralf Dose von der MHG erinnert sich: "Die drei Archive waren von Anfang an der materielle Kern des Ganzen, sie alle stießen an ihre räumlichen und finanziellen Grenzen, und Sabine Balke vom Spinnboden sagte: 'Lass uns doch ein gemeinsames Projekt machen', und Jan Feddersen sagte: 'ich habe da auch noch ein Haus dazu.'"

Gemeint war das alte "taz"-Haus in der Rudi-Dutschke-Straße, für das es nach deren Umzug in einen Neubau 2018 noch keine Nutzung gab. Feddersen als "taz"-Mann hatte jedoch einen guten Draht zum damaligen Geschäftsführer.

Hoffnungen auf 15 Millionen Euro vom Senat

Ab 2015/16 gewann die Idee an Fahrt. Im von Feddersen herausgegebenen "Jahrbuch Sexualitäten" erschien 2016 ein Manifest, warum das E2H nötig und möglich sei. Dem Ruf folgten viele: Unter anderem gingen das Schwule Museum mit an Bord, das Lesben-Aktionszentrum LAZ, außerdem das Lili-Elbe-Archiv als einzige trans Institution und die Bundessstiftung Magnus Hirschfeld.

Mit dem schwulen Kultursenator Klaus Lederer (Linke) gewann das Projekt E2H ab Ende 2016 auch die so wichtige Unterstützung aus der Politik. Federführung lag zunächst in den Händen der von Feddersen geleiteten Initiative Queer Nations e.V., später beim Verein Freund*innenkreis Elberskirchen-Hirschfeld-Haus queeres Kulturhaus e.V. (E2H).

Klar war, die Idee würde viel Geld kosten. 15 Millionen Euro war die Zahl, die fortan durch den Raum schwirrte, eine für die chronisch unterfinanzierte Berliner queere Community halsbrecherische Zahl und die dickste Karotte, die man vor einen Wagen hängen kann, den möglichst viele ziehen sollen.

Eine Machbarkeitsstudie der Belius GmbH, vom Senat durch eine Zuwendung finanziert, stellte 2017 denn auch fest, das Projekt sei möglich und finanzierbar. Fünf bis sechs mögliche Standorte wurden geprüft und – was niemanden überraschte – das von Feddersens IQN favorisierte "taz"-Haus machte das Rennen.

Von außen betrachtet schien um diese Zeit das E2H, der queere Leuchtturm inmitten Berlins, mit Archiven, einem Museum, Cafés, Ausstellungen und Veranstaltungen und mit politischem Rückenwind dank guter Verbindungen, unaufhaltsam seiner strahlenden Vollendung entgegenzusegeln.

Mangelnde Transparenz bei den monatlichen Treffen

Intern sah die Sache zu diesem Zeitpunkt schon ganz anders aus. Die Teilnehmenden an den meist monatlichen Treffen berichten von quälenden Sitzungen, in denen "wir keine Zahlen bekommen haben, keine Informationen, keinen Stand der Dinge und bei jedem Treffen änderten sich die Parameter. Das fing bei den Quadratmetern an und ging bis zur Frage: Was soll eigentlich der inhaltliche Schwerpunkt sein?"

Birgit Bosold, Vorständin des Schwulen Museum, erinnert sich: "Wir waren sehr unzufrieden, wie die Prozesse dort von IQN als federführendem Player gesteuert wurden. Wir fanden das nicht transparent und fühlten uns nicht mitgenommen." Öfter und unabhängig voneinander fällt in den Schilderungen vieler Beteiligter von damals zur Beschreibung der Vorgehensweise des IQN das Wort "Gutsherrenart".

Als erstes strich Anfang 2017 das Lili-Elbe-Archiv die Segel – unzufrieden mit der Standortwahl, unzufrieden als einzige trans Institution wie ein Feigenblatt dazustehen und unzufrieden über die fehlenden Versuche, mit weiteren trans Institutionen in einen Dialog zu gehen. Unzufrieden auch mit dem Namen: Elberskirchen-Hirschfeld, ein Rückgriff auf die Vorkriegszeit und zwei cis-geschlechtliche Weiße: Hommage an Feddersens Idee von einem zweiten WhK.

Am Namen stieß sich auch das Schwule Museum: "Den Rückgriff auf die Vorkriegszeit fanden wir seltsam. Was wir heute als queere Bewegungen verstehen, hat doch mehr in den Achtzigern und Neunzigern seine Wurzeln. Zum anderen waren die goldenen Zwanziger in vielerlei Hinsicht auch gar nicht so golden, wie sie heute fantasiert werden. Dazu kommt, dass es schon eine Hirschfeld-Stiftung, eine Hirschfeld-Gesellschaft und ein Denkmal für Magnus Hirschfeld gibt. Brauchen wir wirklich noch ein Haus, das so heißt?" Und warum, fragt Vorständin Bosold, brauche "es sozusagen eine Mama und einen Papa, warum kann man ein queeres Zentrum nicht nach einer Frau benennen, wenn man es denn unbedingt nach einer historischen Figur benennen will?" Die Rosa-Luxemburg-Stiftung lässt grüßen.

Streit um die "taz"-Immobilie


Initiator und "taz"-Redakteur Jan Feddersen hält das E2H für "vorläufig gescheitert" (Bild: Molgreen / wikipedia)

Ein weiterer schwelender Konflikt war die "taz"-Immobilie. "Es war von Anfang an klar, dass das Museum nicht mit in den 'taz'-Altbau ziehen konnte, weder waren die Flächen ausreichend noch eignet sich das Gebäude für Museumszwecke", beschreibt Bosold die Situation.

Ralf Dose von der MHG erinnert sich: "Mit den drei Archiven war das Haus nicht voll genug, mit dem Schwulen Museum war es zu voll, da musste man dann noch was dazu bauen, da wurden zum Teil Wahnsinnspläne gemacht." Es half sicher nicht, dass Feddersen als "taz"-Redakteur und treibende Kraft beim E2H zwei Hüte gleichzeitig aufhatte.

Aber auch wenn es Überlegungen gab, einen Neubau auf einem Grünstreifen neben dem "taz"-Gebäude zu errichten, verabschiedete sich im Sommer 2017 mit dem Museum als Nächstes diese wichtige Institution wieder aus dem Projekt E2H.

Konkreter Anlass, erinnert sich Bosold, war die große Pressekonferenz, auf der die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie vorgestellt wurden: "Wir hatten große Einwände, zum Beispiel stand das Neubaukonzept auf total wackeligen Füßen, es war völlig unklar, ob jemals ein Neubau auf einem als Grünfläche ausgewiesenen Gelände gebaut werden kann. Auch das vorgeschlagene Genossenschaftsmodell hat uns nicht eingeleuchtet. Wir wurden aber einfach eingemeindet und unsere Einwände nicht kommuniziert, das war sozusagen der letzte Aufhänger für unsere Entscheidung."

Es hatte sich aber vorher schon zusammengebraut: "Wie das lief, entsprach nicht unserer Vorstellung von einem kollektiven Verfahren", erinnert sich Museums-Vorständin Bosold. "Es gab den Anspruch von IQN, die Federführung zu übernehmen und die Fäden in der Hand zu halten, das kann man so machen. Aber wir wollten partizipative und transparente Prozesse und offene Debatten um das inhaltliche Konzept."

Ein Buch sorgt für neuen Sprengstoff

Eine inhaltliche Debatte, die außerhalb des E2H-Kosmos von der Polittunte Patsy L'Amour laLove losgetreten worden war, sollte für das Projekt vom queeren Leuchtturm bald gewaltige Sprengkraft entwickeln: Der Sammelband "Beißreflexe", erschienen im Frühjahr 2017, schoss aus vollen Rohren gegen einen als totalitär gebrandmarkten "Queerfeminismus" und seine Vertreter*innen. In der Folge kochten die Emotionen hoch, auch innerhalb der heterogenen Koalition der E2H-Willigen.

Birgit Bosold vom Schwulen Museum erinnert sich: "Plötzlich war Queerfeminismus ein Schimpfwort. Die ganze Kontroverse um 'Beißreflexe' hat Konflikte, die es schon vorher gab, die man vielleicht hätte verhandeln können, so extrem polarisiert, dass eine Verständigung nicht mehr möglich war."

Hätten die Federführenden des E2H, allen voran Feddersen, versucht, in dem Konflikt eine neutrale Position einzunehmen, vielleicht hätte die Sprengkraft der "Beißreflex"-Debatte nicht ausgereicht, um die Beteiligten auseinanderzutreiben. Doch Feddersen und das IQN positionierten sich recht schnell auf der Seite der Gegner*innen queerfeministischer Positionen. 2019 schuf Feddersen in einem Artikel für die Zeitschrift "Mannschaft" sogar das Wortungetüm von der "Queergida", die "möchte, dass alle geschlechtlich sich auflösen – und exkommuniziert schon mal alle Penisträger, abgesehen von jenen, die eine trans Identität ihr eigen nennen."

"Natürlich können Jan Feddersen und IQN konträre politische Positionen vertreten", findet Bosold, "aber es ist doch eine andere Frage, ob wir mit ihnen dann noch in eine WG ziehen wollen". Und Katja Koblitz vom Spinnboden findet "es unverständlich, dass einer einen Artikel über 'Queergida' schreiben und gleichzeitig von einem Queeren Kulturhaus sprechen kann."

Am Ende sollte eine Veranstaltung des IQN den letzten großen Konflikt entlang dieser Linien auslösen und zum endgültigen Scheitern des E2H führen. Doch so weit war es 2017 noch nicht.

Eine gemeinsame Idee wurde nie entwickelt

Das Museum und das Lili-Elbe-Archiv waren nun raus, beide berichten übereinstimmend, dass sich die Versuche in Grenzen hielten, sie zurück ins Boot zu holen. Unter den übrigen WG-Aspirant*innen kriselte es von nun an aber auch mehr und mehr. Es rächte sich, dass hinter den wolkigen Worten vom "Queeren Kulturleuchtturm" die Kärrner-Arbeit nicht gemacht wurde: Was ist eigentlich die gemeinsame Idee? Was soll das E2H eigentlich werden? Ist es eine Zweck-WG und wenn nicht, was ist es dann?

Offensichtlich hatten um 2018/19 alle davon irgendeine Idee, aber alle eine andere. Die unterschiedlichen Interessen zu bündeln, dazu fehlte dem federführenden Verein der Wille und die integrative Kraft. Es gab eine Menge Ideen, doch eingetütet war letztlich nichts.

Der ehemalige Geschäftsführer der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, Jörg Litwinschuh-Barthel, stellte 2020 schon fest, es sei nicht gelungen, die unterschiedlichen Akteur*innen (…) zusammenzubringen: "Das beginnt bei der sehr unterschiedlichen wirtschaftlichen Kraft der Beteiligten und geht hin bis zu sehr unterschiedlichen Ansätzen in der Emanzipationspolitik. Ich glaube, man wollte zu viel auf einmal. Es hätte von Anfang an eine professionelle Projektleitung gebraucht und vielleicht auch Mediation."

Mediation gab es keine, stattdessen wurde weiter polarisiert. Katja Koblitz vom Spinnboden berichtet: "Von der anfänglichen Toleranz unterschiedlicher Positionen verschob es sich immer mehr hin zu einer bestimmten politischen Ausrichtung, da wurden nicht abgesprochene Veranstaltungen im Namen von E2H gemacht, bei denen es so aussah, als würde das gesamte Projekt dahinterstehen." Die Archive waren unzufrieden damit, dass der Verein sich immer mehr darauf kaprizierte, kurzfristig öffentlichkeitswirksame Veranstaltungen zu organisieren. Ralf Dose: "Wir haben immer wieder gesagt, wir brauchen einen langfristigen Vorlauf, wir müssen die Bestände erschließen, gemeinsame Technik planen." Dazu ist es nie gekommen.

Feddersen verteidigt dieses Vorgehen: "Die Archive wollten ein Gros der Fördermittel für sich haben – für queere Archivarbeit, was seitens des Senats verboten war: Wir sollten Kulturprojekte ins Leben rufen, was wir auch getan haben."

In dieser Phase rächt sich nun auch, dass das E2H ausschließlich aufs ehemalige "taz"-Haus als Immobilie setzte. Nach einem Geschäftsführerwechsel bei der Tageszeitung schossen nämlich die Kosten für den Umbau und die Vermietung der Immobilie mit jedem Treffen weiter in Höhen, die auch der gewogene Kultursenator nicht mehr verantworten konnte.

Transfeindliche Veranstaltung gab den Todesstoß

Es ist diese Gemengelage, in die im Februar 2020 eine mit transphoben Äußerungen gespickte Ankündigung der "Initiative Queer Nations" in der "taz" erscheint, eine Veranstaltung mit der Berliner Juristin, Soziologin und "Aktivistin" Gunda Schumann durchzuführen – mit Jan Feddersen als Moderator. Durch Berlins queere Communities rollt eine Welle der Empörung, am Ende zieht Schumann zurück, die "taz" entschuldigt sich. Doch die geplante Veranstaltung wird zum Auslöser für das letzte Kapitel E2H.

Als erstes erklärt noch im Februar 2020 das Spinnboden-Archiv seinen Ausstieg, die anderen folgen. Im Oktober erklärt die Bundesstiftung Magnus Hirschfeld, an den Sitzungen des E2H nicht mehr teilzunehmen, schließlich zieht sich das IQN selbst "vorläufig" aus dem Verein "Queeres Kulturhaus" zurück, inklusive Jan Feddersen persönlich.

Der Berliner Senat genehmigt dem Verein daraufhin für 2021 keine weiteren Mittel. Inmitten der Coronakrise glaubt sowieso niemand mehr an die 15 Millionen, die bis dato immer wieder durch den Raum geisterten.

Für wen auch? Von den vielen Mitstreitenden ist nur noch das "Lesben Aktionszentrum (LAZ) Reloadedxx" an Bord, "xx" steht für das XX-Chromosom. Mit einer transfeindlichen Gruppierung allein aber ist ein "queerer Kulturleuchtturm" beim besten Willen nicht vorstellbar und noch weniger wünschenswert.

Nur das LAZ glaubt noch an das E2H

Feddersens Nachfolgerin, die LAZ-Mitbegründerin Christiane Härdel, sieht das natürlich anders. Noch im März 2021 erklärt sie in einer E-Mail, das Projekt sei "weder "vorläufig am Ende" noch "vorläufig gescheitert" und fordert den Autor auf: "Bitte unterlassen Sie die Verbreitung dieser Falschnachricht!"

Feddersen selbst hält das Projekt indes für "vorläufig gescheitert", sieht die Schuld aber allein bei den Archiven: "E2H knallte angeblich auseinander, (..), weil der Verein sich nicht auf ein queerfeministisch-ideelles Unterfutter festlegen wollte. In Wahrheit, so schien uns, wollten die Archive nicht, weil sie, so Ralf Dose von der Magnus Hirschfeld Gesellschaft, nichts mit der popularen CSD- und Queerkultur zu tun haben wollten. Allerdings war genau das die Voraussetzung der vielmillionenschwer mit Euros gefütterten Absicht des Senats, E2H ins Leben zu rufen: ein reines Archivhaus kam nie in Frage."

Ein Queeres Archivhaus, sagt Ralf Dose, verfolgten die drei Archive allerdings erst, nachdem das E2H gescheitert war. Noch sei nichts in trockenen Tüchern und vor dem Haushalt 22/23 auch mit keiner Entscheidung seitens des Senats zu rechnen. Bis dahin, sagt Dose, sei die Magnus Hirschfeld Gesellschaft, die Mitte 2022 ihre alten Räume aufgeben muss, "optimistisch, dass eine Zwischenlösung gefunden wird."

Feddersen plant nun ein "Queerwerk"

Jan Feddersen überraschte derweil mit der Ankündigung, das IQN werde bald ein "Queerwerk" vorstellen, eine Art Queeres Kulturhaus – allerdings finanziert und gepolstert durch private Gelder, Legate, Erbschaften, private Sponsoren in anspruchsvoller Höhe und unabhängig von IQN oder anderen Vereinen. Auf Kooperationen mit staatlichen Stellen und ihren Fördertöpfen werden wir zurückkommen, aber nicht als Auftakt der Begründung eines Queerwerks. Wir konkurrieren mit keinem sozial-queeren Budget. Parteipolitisch sind wir nicht festgelegt, ideologisch ebenso wenig – können aber nicht verhehlen, dass wir die kulturell umsichtige Arbeit der Senatsbehörde für Kultur und Europa Klaus Lederers besonders in unsere politischen und kulturellen Herzen geschlossen haben." Das darf man wohl ruhig als erstes Buhlen um staatliche Gelder interpretieren.

Das Queere Kulturhaus E2H ist somit vor allem eines: mausetot. Katja Koblitz findet: "Eine Lehre aus dem Scheitern muss sein, dass wir in Zukunft respektvoller miteinander umgehen und uns auf Augenhöhe begegnen." Birgit Bosold fragt sich, ob es ein solches Projekt in den Zeiten der Digitalisierung überhaupt noch braucht: "Die grundsätzliche Frage war doch: Was gewinnt man eigentlich, wenn mal alle diese Player zusammenspannt, und darauf ist das Projekt die Antwort schuldig geblieben."

Einen gewissen Trost in dem ganzen Desaster hat Ralf Dose gefunden: "Das Ding", sagt er, "war nie so heil, dass man daraus hätte Scherben machen können."

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#1 ElfolfProfil
  • 26.12.2021, 14:03hHamburg
  • Ein sehr Interessanter Artikel. Es ist genau so gelaufen, wie ich mir sowas vorgestellt hätte. Jedes Grüppchen kocht ihr Süppchen. Das man daraus keinen schmackhaften Eintopf machen kann, wenn man alles zusammenkippt, wollte dich schon im Vorfeld klar sein. Ein Projekt, dessen Teilnehmer lediglich vereint, dass sie nicht klassisch Hetero sind, muss erstmal eine gemeinsame Basis finden. Diese sehe ich bis heute nicht. Schön innerhalb der schwulen Community gibt es völlig gegenläufige Strömungen. Wie soll man das noch mit den anderen Gruppen vereinbaren?
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#2 LotiAnonym
  • 26.12.2021, 14:23h
  • Meine Damen u.Herren Gesangsverein. Was für ein Artikel. Liest sich so wie: Zuviele Köche verderben den Brei. Sehr typisch für die Berliner Verhältnisse eben. Traurig aber wahr.
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#3 Beisitzer*inAnonym
  • 26.12.2021, 15:09h
  • Die Interpretation, dass es ein Problem vieler Köche gewesen sei, ist falsch. Als Person, die bei einigen der Treffen dabei war und lange den Prozess verfolgt hat, würde ich die Verantwortung für das Scheitern relativ klar zuweisen.

    Sowohl Feddersen als auch später Christiane Härdel waren relativ unmöglich. Da war nichts auf konstruktiven Dialog und produktives Arbeiten ausgerichtet. Im Artikel ist von "Gutsherrenart" die Rede, das ist noch viel zu positiv umschrieben. Und wie dort angesprochen gab es auch keinen Willen ernsthaft inklusiv zu sein, das wurde leider Recht schnell deutlich.

    Die beteiligten Institutionen tun mir leid, sie haben lange genug versucht produktiv zu arbeiten, in der Hoffnung hier etwas tolles zu schaffen. Und in dem Prozess viel ertragen und lange genug Schweigen bewährt.

    Vielleicht kann man in Zukunft noch eine gute Einrichtung schaffen, die wirklich der queeren Community und ihren Organisationen hilft. Das geht dann aber nur ohne Feddersen und Härdel.
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#4 guardiannrwAnonym
  • 26.12.2021, 15:20h
  • Antwort auf #2 von Loti
  • Tja typisch Berlin.Alle wollen das Maximum, den Griff zu unerreichbaren "Sternen".Warum muss so ein queeres Zentrum in Berlin sein?Warum nicht in Brandenburg?ÖPNV nähe würd doch reichen.Diese Überheblichkeit der Akteure hat nun das Projekt beerdigt.Da zeigt sich das Wowis alteer Slogan: Arm aber sexy, sich jetzt als sehr arm entpuppt.Schade für die Community!
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#5 LotiAnonym
#6 LotiAnonym
#7 Kiek-anAnonym
  • 26.12.2021, 16:18h
  • Antwort auf #4 von guardiannrw
  • "Warum nicht in Brandenburg?"
    Artikel gelesen? Von den notwendigen Geldern gelesen, die der Berliner Senats beisteuert?
    Oder finanziert NRW mit den Steuergeldern der NRWer Projekte in Baden-Württemberg?

    "Warum nicht in Brandenburg?"
    Da musst du dann die Brandenburger fragen.

    "Tja typisch Berlin"
    Neidisch? Darauf, dass Berlin einen Senat hat, der solche Projekte finanziell gut fördert und erst möglich macht?
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#8 KaiJAnonym
  • 26.12.2021, 16:36h
  • Antwort auf #3 von Beisitzer*in
  • Mir als Aussenstehendem war die Sache hier doch gut verfolgbar. Mit Feddersen und seinen transfeindlichen Positionen war ein allgemeines queeres Projekt doch gar nicht möglich. Solche Personen dürfen nicht eine derartige Machtposition haben. Die Community muss gleich zu Anfang klar stellen, dass an der Spitze eines Projekts inklusive Personen sind. Vorher geht gar nichts. Auch wenn jemand wie hier durch Beziehungen ein interessantes Objekt vorweisen kann, muss die Macht gleich an eine repräsantive Spitze abgegeben werden. Es liegt hier wohl nicht an einem Hick-Hack in der Communnity, sondern dass einige Wenige hier ihre insbesondere cis-schwulen Interessen durchsetzen wollten. Die Community muss immer erkennen, wer spaltet und sich gemeinsam dagegen positionieren. Inklusives Verhalten muss das Bestimmende für gelingende queere Projekte sein und schon auch längst erkannte Spalter davon gleich ausgeschlossen werden.
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#9 LotiAnonym
  • 26.12.2021, 17:40h
  • Antwort auf #8 von KaiJ
  • Merkwürdig. Auch lese ich im Artikel, das nicht mal die Trans Institutionen sich untereinander einigen konnten. Nur wegen eines Namens Kopfschüttel alles gleich hinzuschmeißen? Und so geht es weiter den ganzen Artikel lang. Bis am Ende nichts dabei herausgekommen ist.
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#10 HexeAnonym
  • 26.12.2021, 18:00h
  • Antwort auf #9 von Loti
  • Stell dir mal vor Trump wäre von etwas Schirmherr, würdest du auch nciht mitmachen, oder?
    Höre ich Jan Feddersen kommt mir das jedenfalls so vor.
    Der Mann hat immerhin ganze Arbeit geleistet.
    Es gibt einfach ein paar Leute da gehen dir als Transperson die Alarmglocken hoch: J.K Rowling, Alice Schwarzer, Feddersen..

    Es ist immer etwas mühseelig das alles aufzudröseln. Aber google doch einfach "Trans" in Kombi mit den besagten Namen.

    Die Liste ist alles andere als Vollständig.
    Aber lies die Artikel dazu und stell dir mal empathisch vor wie es ist als wenn sie über dich schreiben würden.

    Und im Text steht es ja aber auch:
    Wie kann man Artikel über eine "Queergida" schreiben und gleichzeitig ein queeres Zentrum bauen wollen?

    Da steht oft Queer drauf, ist aber nur weißer, schwuler Cismann drinne.

    Nix gegen weiße schwule Cismänner, meine besten Freunde sind weiße schwule Cismänner :P

    Aber wenn Queer dann doch bitte alle.

    Plus das es ja gar nicht nur um Federsen ging.
    Wenn du da noch die Terffraktion hast, die sich sehr gerne gemein mit diesen Jan Federsen, naja was sollste dann da als Transverein?

    Das sind Wölfe im Schafspelz die Texte schreiben in denen sie behaupten wir wären Wölfe im Schafspelz xD

    Loti, ich glaube du weißt was ich meine. <3
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