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Jahresrückblick, Teil 2

Tiefpunkte des Jahres 2021

Homo- und Transphobie sind auch in Deutschland noch immer weit verbreitet: Wir stellen die zehn Lowlights des Jahres 2021 aus LGBTI-Sicht vor.


Unionsspitzenkandidat Armin Laschet versuchte dieses Jahr, seine queerfeindliche Vergangenheit durch Lügen umzuschreiben (Bild: Claudius Pflug)

Homo- und Transphobie bei SPD, Grünen, FDP und Linken
LGBTI-Feindlichkeit von konservativen oder rechten Parteien ist man ja gewohnt. Aber dass die Einschläge auch von liberalen, grünen und linken Parteien kommen, ist eher ungewöhnlich. Dieses Jahr taten sich Politiker*innen der Ampelparteien und der Linken hervor.

Am schwerwiegendsten ist wohl die Homophobie in der Linken: Denn dort kommen Attacken gegen "immer skurrilere Minderheiten" nicht von einem Provinz- oder von einem abgehalfterten Ex-Star der Partei, der sich nach den guten alten Zeiten zurücksehnt. Bei der Linken kommen die Ausgrenzungsversuche aus der Mitte der Partei, nämlich von Sahra Wagenknecht, die vom Landesverband des größten Bundeslandes zur Spitzenkandidatin gewählt wurde. Immer wieder spielte sie den politischen Einsatz für LGBTI-Rechte gegen Politik für "Geringverdiener und Benachteiligte" aus.

Auch in der SPD waren manche Entwicklungen besorgniserregend: Sogar Parteichefin Saskia Esken verteidigte die zwischenzeitlich konstanten Ausbrüche ihres Altstars Wolfgang Thierse gegen eine vermeintliche "Identitätspolitik", denen er die Interessen "normaler Menschen" gegenüberstellte. Mit Leni Breymaier machte sie zudem eine Abgeordnete zu einer Verhandlungsführerin bei den Gesprächen über eine Ampel-Koalition, die trans Menschen nicht akzeptiert – in einem Jahr, in dem Transfeindlichkeit und Terf-Aktivismus auch in Deutschland zunahm. Zum Glück konnte dieser queerfeindliche Teil der Sozialdemokratie keinen entscheidenden Einfluss auf den Koalitionsvertrag nehmen.


Leni Breymaier zeigt, dass die Regierungspartei SPD auch offen transfeindliche Positionen in ihren Reihen akzeptiert (Bild: Fionn Große)

Laschets Lüge vor der Bundestagswahl
Unionsspitzenkandidat Armin Laschet wollte dieses Jahr eine alternative Realität als neue Wirklichkeit verkaufen: Nachdem die Ehe für alle inzwischen etabliert ist, versuchte er in Talkshows, sich als Befürworter der Ehe-Öffnung von 2017 hinzustellen – und das gleich mehrfach. Dabei hatte er 2017 noch mit voller Überzeugung die Mär verbreitet, das Grundgesetz würde Schwulen und Lesben grundsätzlich das Heiraten verbieten, und stimmte als Ministerpräsident für die Beibehaltung des Ehe-Verbots. Glaubte der CDU-Politiker wirklich, mit dieser Lüge durchzukommen?

Die Homophobie der UEFA
Der europäische Fußballverband hat dieses Jahr mehrfach gezeigt, dass er nicht wirklich etwas gegen Homosexuellenfeindlichkeit tun wird. Bei der Europameisterschaft untersagte die UEFA die Regenbogenbeleuchtung des Münchner Stadions als Zeichen gegen die queerfeindliche Politik Ungarns, verbot sogar Sponsoren in homophoben Ländern, mit dem Regenbogen zu werben, und verteidigte Ordner, die offensichtlich aus Homophobie einem Stadionbesucher die die Regenbogenfahne entrissen. Offene Homophobie im Stadion behandelte sie dagegen als Kavaliersdelikt.

Das Paradoxe dabei: Gleichzeitig versuchte die UEFA, weltoffen zu erscheinen, indem sie ihr Twitterprofil in die zuvor verbotenen Regenbogenfarben tauchte. Verlogener kann sich ein Verband nicht verhalten.

Attacken der katholischen Kirche
Dieses Jahr gab es ein regelrechtes Aufbäumen gegen die Homophobie des Vatikans: Das Fass zum Überlaufen brachte dabei die neuerliche Bestätigung des Segnungsverbots für gleichgeschlechtliche Paare. Segnungen von Tieren oder gar Autos sind dagegen für die Kirche kein Problem.

Insbesondere in Deutschland und Österreich gab es Proteste gegen das Segnungsverbot, auch innerhalb der Kirche. Dennoch legte der Vatikan nach: Im September erklärte der Papst, dass die Kirche gleichgeschlechtliche Eheleute niemals akzeptieren werde. Ex-Papst Benedikt XVI. sprach in diesem Zusammenhang von einer "Deformierung des Gewissens", sein Sekretär Erzbischof Gänswein machte seine Ablehnung von sexuellen Minderheiten ("das Regenbogen-Metier") noch deutlicher. Wer 2021 homosexuell und Mitglied der Katholischen Kirche ist, muss sehr masochistisch veranlagt sein.

AfD immer radikaler
AfD-Politiker*innen machten dieses Jahr gegen die "homosexuelle Dekadenz" Stimmung, verbreiteten Falschmeldungen über queere Menschen und forderten sogar, grundsätzlich CSDs zu verbieten. Das Programm zur Bundestagswahl erwies sich als hasserfülltes Sammelsurium von Verbotsfantasien. Zum Glück verfängt diese Politik derzeit weniger bei der Wählerschaft – allerdings kann einem der Eifer, mit der die Rechtsaußenpartei gegen sexuelle und geschlechtliche Minderheiten polemisiert, Angst machen.

Der Querdenker-Ausflug von Ulrike Folkerts
Zu ihrem diesjährigen 60. Geburtstag veröffentlichte "Tatort"-Star Ulrike Folkerts ihre hochinteressante Autobiografie, in der sie von den Schwierigkeiten einer kinderlosen und lesbischen Schauspielerin im deutschen TV-Business berichtete. Leider machte sie vor allem durch einen fehlgeleiteten Ausbruch in die Querdenker-Szene von sich reden, in dem sie sich über zehntausende Corona-Tote lustig machte. Immerhin kam im Nachhinein die Erkenntnis, dass dieses Aufrühren von Verschwörungstheorien der falsche Weg ist.

Journalist bei queerfeindlichem Protest in Georgien getötet
In vielen osteuropäischen Ländern gehört Homo- und Transphobie in der Politik noch immer zum guten Ton – und das hat schwerwiegende Auswirkungen auf die queere Community, die nicht nur mit Gesetzesverschärfungen wie dem neuen Verbot von Homo- und Trans-"Propaganda" in Ungarn zu kämpfen hat, sondern durch die konstante queerfeindliche Rhetorik in den Augen vieler Gewalttäter*innen zum Freiwild erklärt wird. Ein besonders tragisches Ergebnis war in Georgien zu beobachten: Ein queerfeindlicher Mob randalierte zur Verhinderung des letztlich abgesagten CSD in der Innenstadt, griff das Büro der Pride-Veranstalter*innen an und attackierte mehrere Journalist*innen – ein dabei schwer verletzter Kameramann starb wenige Tage später.


Kameramann Alexander Laschkarawa starb dieses Jahr, nachdem er von LGBTI-feindlichen Aktivist*innen zusammengeschlagen wurde

Hass-Professor erhält Absolution vom Landgericht
Das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare führe zu "staatlich geförderter Pädophilie und schwersten Kindesmissbrauch" und zu einem "Horror-Kinderschänder-Szenario". Mit solchen Worten polemisiert Professor Ulrich Kutschera, der bis dieses Jahr Biologie an der Universität Kassel lehrte, seit Jahren gegen Schwule und Lesben. Vom Landgericht Kassel hat er im März einen Freibrief für weitere derartige Äußerungen erhalten: Nach der Verurteilung zu einer moderaten Geldstrafe im vergangenen Jahr sprachen ihn die Richter der höheren Instanz frei. Und Kutschera nutzt dieses Urteil, um weiter zu hetzen: Im Portal von AfD-Politikerin Beatrix von Storch warnte er mit Blick auf den Ampel-Koalitionsvertrag im Herbst allen Ernstes vor einer "Homosexualisierung vieler Lebensbereiche" oder einer "destruktiven 'Mehrgeschlechter- bzw. Transgender-Ideologie'".

Nina Queer beschämt die queere Community
Praktisch alle Personen, die heutzutage ausfällig werden und dafür Kritik einstecken, sehen sich inzwischen als Opfer der sogenannten Cancel Culture. Dieses alberne Konstrukt existiert freilich nicht – denn in der Regel wird gerade dann über diejenigen gesprochen, die empört davon berichten, wie sie angeblich gecancelt wurden.

Auch in der LGBTI-Community ist diese Unart verbreitet: Dieses Jahr bewies das etwa Dragqueen Nina Queer, die sich bereits in der Vergangenheit mit Rassismus-Vorwürfen auseinandersetzen musste. Queer bezeichnete sich in einem Interview als "Hitler-Transe", was sogar dem sonst nicht so zimperlichen Sender RTL zu viel war – sie flog aus der Dschungelshow. Trotzdem erhielt sie übrigens 16.000 Euro und wird inzwischen als ESC-Kandidatin gehandelt – wenn das canceln ist, scheint das ja eine schöne Sache zu sein!

Alice Weidel blamiert die queere Community
Wenn einem Nina Queer peinlich ist, dann versinkt man beim Gedanken an Alice Weidel verschämt im Boden. Sie trat nicht nur als Spitzenkandidatin für die immer rechtextremer agierende Partei an – sie ist auch ein Widerspruch in sich: Privat lebt sie in der Schweiz mit ihrer Partnerin und Kindern in einer harmonischen Regenbogenfamilie – ihre Partnerin warb dabei sogar für die Ehe für alle. In Deutschland versucht sie, gleichgeschlechtlichen Paaren und deren Kindern dieses Glück zu verwehren: Weidel ist sie gegen die Gleichbehandlung von Schwulen und Lesben im Eherecht (ihr persönlicher Werbespruch: "Ehe für alle, wenn das Land islamisiert wird"). Außerdem hat die Parteichefin extrem homophoben Forderungen aus ihrer Partei, etwa dem CSD-Verbot, nichts entgegengehalten. Wie sie mit sich selbst leben kann, ist ein Rätsel.

Wöchentliche Umfrage

» Welchen guten Vorsatz hast Du für 2022?
    Ergebnis der Umfrage vom 27.12.2021 bis 03.01.2022


#1 Alexander SchmidtAnonym
  • 28.12.2021, 10:56h
  • Mein guter Vorsatz für nächstes Jahr:

    Mehr Sex!

    Das ist auch leicht zu schaffen, denn ich hatte dieses Jahr keinen Sex.

    Von 0 auf 1 sozusagen.

    Blut spenden darf ich aber weiterhin nicht. Bin ja verseucht.

    Freut ihr euch schon auf Omekron und Omega?

    In diesem Sinne, frohes neues Jahr!
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#2 TimonAnonym
  • 28.12.2021, 13:41h
  • "Armin Laschet wollte dieses Jahr eine alternative Realität als neue Wirklichkeit verkaufen"

    Das ist nicht das einzige mal, dass der gelogen hat. Der hat ja teilweise an ein und demselben Tag mehrfach widersprüchliche Dinge erzählt, je nachdem welches Publikum er gerade vor sich hatte.

    Gut, dass der krachend gescheitert ist. Und noch besser, dass er die Union gleich mit runter gerissen hat.

    Was Angela Merkel, Dobrindt, Kramp-Karrenbauer, Altmeier und Co vorbereitet haben, hat Laschet vollendet: die Union ist keine Volkspartei mehr. Und sie ist unter 30 Prozent und hat alleine keine Sperrminorität mehr.
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#3 la_passanteAnonym