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Jahresrückblick, Teil 4

Die 15 bedeutendsten Coming-outs des Jahres 2021

Jedes einzelne Coming-out trägt dazu bei, die Sichtbarkeit von LGBTI zu erhöhen. Wir blicken zurück auf die 15 beeindruckendsten "Ach übrigens, ich bin..." von 2021.


Das gab es noch nie: In den konservativen Country Music Awards gibt Sieger T.J. Osborne seinem Freund einen Schmatzer (Bild: Screenshot / Youtube/ABC)

Josh Cavallo (geb. 1999)


Coming-outs im Profifußball der Männer sind trotz aller Toleranzkampagnen der Fußballverbände noch sehr selten. Im Oktober war es wieder soweit: Der australische Erstliga-Spieler Josh Cavallo outete sich als schwul. Der 21-Jährige sprach auch davon, wie anstrengend es sei, ein Doppelleben zu führen – dabei wolle er doch nur kicken. Später sagte er auch, warum es nach wie vor so schwer sei, offen zu sein – immerhin findet mit der nächsten Weltmeisterschaft das größte Turnier des Sports in einem Land statt, in dem Homosexualität mit dem Tod bestraft werden kann.

Tommy Dorfman (geb. 1992)
In der Netflix-Kultserie "Tote Mädchen lügen nicht" spielte Tommy Dorfman einen schnippischen Schwulen. Im Juli dieses Jahres verriet sie, dass sie ihre Transition hinter sich habe und jetzt auch öffentlich als Frau lebe: "Das Coming-out wird immer als große Enthüllung zelebriert, aber ich war nie nicht out", so Dorfman. "Heute geht es um die Klarstellung: Ich bin eine trans Frau."

Kehlani (geb. 1995)
R&B-Sängerin und Songwriterin Kehlani hatte sich bereits vor drei Jahren als queer geoutet. Im April stellte die "Good Life"-Sängerin klar, dass sie eine Lesbe sei. Eine große Enthüllung sei dies aber nicht gewesen: "Ich hatte in meinem privaten Umfeld kein Coming-out. Die Leute denken nicht 'Oh, ich wette, sie ist queer' oder 'Ich wette, sie steht auf Frauen' wenn ich die Straße entlanggehe, aufgrund der Art, wie ich mich präsentiere. Das ist ein Privileg."

Marco Lehmann (geb. 1993)
Auch im Profi-Basketball gibt es bislang wenige offen schwule Spieler. Der schweizerische Spieler berichtete bei seinem Coming-out im Januar von seiner Angst: "Wenn mich wegen meines Schwulseins kein Klub mehr will, ist meine Karriere vorbei."

Demi Lovato (geb. 1992)

(Bild: Netflix)

Musikstar Demi Lovato outete sich im Mai als nichtbinär und erklärte, das Personalpronomen "they/them" zu bevorzugen (im Deutschen hat sich noch kein geschlechtsneutrales Einzahlpronomen etabliert). Das neue Pronomen reflektierte am ehesten die "Fluidität, die ich in meinem Geschlechtsausdruck fühle". So fühle sich "die Person, die ich bin und die, die ich noch entdecke" am Authentischsten an.

Carl Nassib (geb. 1993)


Was im deutschen Fußball immer noch unmöglich zu sein scheint, trug sich im Juni im US-Machosport American Football zu: Mit Carl Nassib outete sich erstmals ein NFL-Profi. Er erhielt zwar öffentlich Unterstützung, im November zeigte sich aber, warum es schwule Footballspieler noch immer schwer haben: Jon Gruden, der Trainer von Nassibs Team Las Vegas Raiders, musste zurücktreten, nachdem rassistische und homophobe Mails von ihm geleakt worden waren.

T.J. Osborne (geb. 1984)
Auch in der konservativen Welt der Countrymusik ist ein Coming-out noch immer selten: T.J. Osborne, der 36-jährige Star der Osborne Brothers, outete sich im Februar als schwul. Er ist damit der einzige offen schwule Künstler, der einen Plattenvertrag mit einem großen Country-Label hat. Seiner Popularität tat das keinen Abbruch: Im November wurden die Osborne Brothers bei den Country Music Awards als bestes Duo ausgezeichnet – und der frisch geoutete T.J. gab seinem Liebsten nach dem Sieg einen Kuss vor Live-Kameras.

Kal Penn (geb. 1977)

(Bild: Freeform)

Wer Hollywood-Produktionen schaut, ist schon mal Kal Penn begegnet – etwa in seiner "Harold und Kumar"-Filmreihe an der Seite von John Cho oder in TV-Serien wie "Designated Survivor" oder "The Big Bang Theory". Im Herbst outete er sich mit der Veröffentlichung seiner Autobiografie im Alter von 44 Jahren als schwul. Der Grund für das lange Warten: "Josh, mein Partner, meine Eltern und mein Bruder, vier Personen, denen ich in der Familie am nächsten stehe, sind ziemlich zurückhaltend. Sie lieben keine Aufmerksamkeit und stehen nicht gerne im Rampenlicht"

Luke Prokop (geb. 2002)
Im Juli gab es das erste Coming-out in der nordamerikanischen Eishockey-Liga NHL. Luke Prokop erklärte, er habe "keine Angst" mehr, öffentlich über seine sexuelle Orientierung zu sprechen. Der 19-jährige Kanadier hofft, dass sein öffentliches "authentisches Leben" es ihm ermöglichen werde, "mein ganzes Selbst auf die Eisbahn zu bringen und meine Chancen zu verbessern, meine Träume zu erfüllen".

Jendrik Sigwart (geb. 1994)

(Bild: NDR)

Für Deutschland ist bislang noch nie ein offen schwuler Einzelsänger beim Eurovision Song Contest angetreten – bis dieses Jahr: Jendrik Sigwart outete sich im Februar. Zwar landete er nur auf dem vorletzten Platz (danke, Vereinigtes Königreich). Das schlechte Abschneiden dürfte aber weniger mit seiner sexuellen Orientierung als mit dem Nervfaktor seines Liedes zusammenhängen.

Vincenzo Spadafora (geb. 1974)


Vincenzo Spadafora kuschelte während seiner gesamten Politkarriere mit homophoben Rechtspopulist*innen, im November outete sich der ehemalige italienische Beauftrage für Kinder und Jugendliche im Alter von 47 Jahren als schwul. "Es ist wichtig, einander zu lieben und zu respektieren", sagte er in einem TV-Interview.

Irma Testa (geb. 1997)
Die 23-jährige Irma Tester fand nach dem Gewinn der Bronzemedaille bei den Olympischen Spielen in Tokio den Mut, sich zu outen. Das Etikett "bisexuell" wollte die Italienerin aber nicht akzeptieren: "Ich sage nicht, dass ich eine Lesbe bin, weil es einen Mann in meiner Zukunft geben könnte. Seit ich ein kleines Kind war, fühlte ich mich zu Frauen hingezogen, aber ich habe auch manchmal etwas für Männer gefühlt."

Gabbi Tuft (geb. 1978)
Jahrelang spielte die unter dem dem Künstlernamen Tyler Reks bekannte Gabbi Tuft den klischeehaften Macho im Wrestling-Ring. Im Februar dann das überraschende Coming-out als trans Frau: "Das ist die Seite von mir, die im Schatten versteckt war und Angst hatte, was die Welt von ihr halten würde. Sie hatte Angst, was meine Familie, meine Freunde und meine Fans sagen oder tun würden."

Colton Underwood (geb. 1992)

(Bild: ABC)

Im amerikanischen "Bachelor" gab Colton Underwood den jungfräulichen Christen, der nach der richtigen Frau suchte. Seine wahre Identität verriet der frühere Footballspieler im April: Er outete sich als schwul. Die Geschichte ist das Thema der Netflix-Miniserie "Coming Out Colton".

Corey Walsh (geb. 1994)
Corey Walsh erzählte im März, wie schwierig das Coming-out selbst in der als locker geltenden Sportart BMX ist. Er wolle andere, die mit ihrer sexuellen Orientierung kämpfen, wissen lassen, "dass sie nicht alleine sind", erklärte der 26-jährige Kanadier, der derzeit in der BMX-Weltrangliste auf Platz zehn steht.

Dazu noch: Massen-Coming-out im 'SZ Magazin'


Dieses Massen-Coming-out rüttelte im Februar Deutschland auf: 185 Schauspieler*innen outeten sich als schwul, bisexuell, queer, nicht-binär und trans. Die Aktion wurde unter dem Hashtag #actout zu einem großen Diskussionsthema – erstmals machten sich viele Menschen Gedanken über Diskriminierung von queeren Menschen in bestimmten Berufen. Mehrfach wurde die Aktion ausgezeichnet, etwa mit der Kompassnadel.

Über weitere Coming-outs kann man in unserem Dossier "Promis kommen raus" lesen.