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Vorausschau

Und das passiert in 2022. Wirklich!

Das Jahr 2021 ist bald vorbei, doch im neuen Jahr wird alles besser. Versprochen! Warum wir das so genau wissen? Wir haben in die Zukunft geblickt.


Nur noch wenige Stunden bis Silvester (maximal 10 Personen!) (Bild: Zackary Drucker / The Gender Spectrum Collection)

Das queerpolitische Jahr 2021 geht hoffnungsvoll zu Ende. Nach vielen Rückschlägen und Vertagungen, die die Zeit der Großen Koalition abseits der Eheöffnung bedeutet hat, sehen LGBTI zuversichtlich ins neue Jahr.

Zum Ausklang der Zeit "zwischen den Jahren" blicken wir nicht nur auf Höhepunkte des Jahres 2021 und auf seine Tiefschläge. Wir gedenken nicht nur denen, für die 2021 das letzte ihrer Lebensjahre war und schauen nicht nur auf die, die 2021 ihr Coming-out hatten. Wir schauen auch nach vorne: Was passiert 2022?

Zu diesem Zweck haben wir uns aus nicht weiter erwähnenswerter Quelle jede Menge gefährlich hoch angereichertes Blei besorgt und es am wachsamen Auge des grünen Umweltministeriums vorbei in einer rappelvollen Badewanne ausgegossen. Das Ergebnis hat selbst uns überrascht. Hier ist es:

Selbstbestimmung wird Gesetz

Das Selbstbestimmungsgesetz kommt! Nur zur Ablenkung setzt Bundefamilienministerin Anne Spiegel bereits in den ersten Monaten die Segel in Richtung Ausfinanizierung von Frauenhäusern und Umsetzung der Istanbul-Konvention gegen Gewalt gegen Frauen. Doch hinter den dicken Ministeriumsmauern verfolgt sie einen supergeheimen Plan.

Mit dem selbstbestimmten Geschlechtseintrag soll die Gesellschaft endgültig von ihrer althergebrachten Identität, von Tradition und Herkunft abgeschnitten werden. Hörig und widerstandslos nickt der Bundestag das umfassende Gesetzespaket der Regierung bereits Ende Februar ab (queer.de berichtete).

Alle Dämme brechen und die Standesämter werden mit Anträgen auf die absurdesten Fantasie-Geschlechter und Vornamen geflutet. Trans Frauen dringen jetzt in die letzte Bastion unkartographierten, mythenumwobenen Landes vor: die Frauentoilette.

Dort werden sie allerdings von cis Frauen (und den sowieso schon anwesenden trans Frauen) bereits freudig und mit knallenden Sektkorken empfangen. Die rauschende Party verlagert sich bald nach draußen, um dem muffigen Geruch von Urin und Putzmitteln sowie dem nach wie vor grassierenden Coronavirus zu entgehen.

"Gendern", also geschlechtergerechte Sprache, wird Ende April zur allgemeinen Pflicht ausgerufen. Teilweise verhängen Gerichte über Bürger*innen drakonische Strafen, weil sie den Glottisschlag in der Öffentlichkeit falsch ausgesprochen haben.

Nur in der heimeligen Stube, bei zünftigem Kasslerbraten und Sauerkraut, wird jetzt noch ordentliches Duden-Deutsch gesprochen. Einige Mitarbeiter*innen des Rechtschreibewörterbuchs der deutschen Sprache fliehen nach Tschechien, wo sie eine Exil-Redaktion aufbauen und den Widerstand koordinieren.

Von Berlin in die USA und zurück

Staatsakt in der Berliner Beethovenstraße! Hier hatte bis 1933 das Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld, dem laut Hitler "gefährlichsten Juden in Deutschland", gestanden. Nun, am 6. Mai 2022, rufen die Staatsoberen eine neue Zeit aus.

Die im Februar gewählte Bundespräsidentin Lorielle London, bekannt durch die zweite Staffel von "Deutschland sucht den Superstar", erinnert in einer autobiographisch angereicherten Geschichte an die im Ort manifestierte, deutsch-us-amerikanische Verbindung hinter der Bewegung für queere Rechte.

So erzählt die deutsche trans Entertainerin und Tochter eines US-Soldaten von der Plünderung und Schließung des Instituts durch die Nazis und dem Exil Magnus Hirschfelds. Schließlich kommt sie auf die weiteren USA-Flüchtlinge zu sprechen, die wie der Hirschfeld-Schüler Harry Benjamin den gleichsam antisemitisch Verfolgten der Frankfurter Schule nahegestanden hatten.

In den USA waren diese Wissenschaftler mit ihrem Wirken sowohl an der 68er-Revolte und der Wieder-Legalisierung geschlechtsangleichender Maßnahmen beteiligt, als auch am Stonewall-Aufstand 1969 und dem Beginn der queeren Emanzipationsbewegung. Der Rest ist Geschichte.

Zur Überraschung des Publikums in der Beethovenstraße und an den Empfangsgeräten jedoch erklärt Bundespräsidentin London in ihrer Rede, dass die jüdisch-kulturmarxistische Verschwörung, die häufig hinter der "Gay Liberation" vermutet wurde, überhaupt keine Einbildung von indiskutablen Spinnern und Klemmschwestern gewesen war. Wie bitte?

Vielmehr sei ein über hunderte Jahre verfolgter Plan zur Beglückung der Menschheit mit der Verabschiedung des Selbstbestimmungsgesetzes im deutschen Bundestag nun endlich Wirklichkeit geworden. Londons freudig-erregte Stimme geht im in Tiergarten aufbrandenden, tosenden Applaus unter.

Reform der Ehe für Alle

Jetzt geht alles ganz schnell. In der ersten Sitzung nach der Sommerpause findet im Bundestag die zweite und dritte Lesung eines Ergänzungsgesetzes zur "Ehe für Alle" statt. Die "Ehe für Niemand", wie der verabschiedete, dritte Absatz des Paragraphen 1353 des Bürgerlichen Gesetzbuches auch genannt wird, verbietet das Heiraten für alle. Finito!

Widerspruch gegen die revolutionäre Regelung kommt regierungsintern nur von der FDP, die die auch mehr als zwei Menschen offenstehende Verantwortungsgemeinschaft gerne noch vor der Ehe für Niemand auf den Weg gebracht hätte (queer.de berichtete).

Die war immerhin als Vorhaben der Liberalen im Ampel-Koalitionsvertrag versprochen worden. Doch Bundeskanzlerin Olivia Showlz (SPD) kann die Truppe um Christian Lindner beruhigen: Die Verantwortungsgemeinschaft zur rechtlichen Absicherung von zwei oder mehr Menschen mit oder ohne Liebesbeziehung wird definitiv kommen.

In einer ersten Reaktion kündigt der Vatikan den Abzug des Botschafters in Berlin und den Abriss seines Botschaftsgebäudes in der Lilienthalstraße an. Doch unglückliche Eheleute im ganzen Bundesgebiet realisieren nun, dass ihr Leben noch gar nicht vorbei gewesen sein könnte. Das Land erlebt einen warmen, goldenen September unter einem breit über dem Firmament strahlenden Regenbogen. Partyyyyy!

Und weil sich das Coronavirus im dritten Sommer in Folge auf niedrigem Niveau durch die Bevölkerung bewegt hat, stellt sich im Herbst 2022 auch der letzte Thüringer Coronaleugner für seine persönliche Ladung BioNTech artig in der Warteschlange an. Immerhin schwappt eine Welle der Schmetterlingsgefühle durch die deutsche Bevölkerung und infiziert jeden, der nicht bei drei auf den Bäumen ist.

Der deutsche Amüsement- und Paarungsmarkt brummt entsprechend wie nie und mit den neuen Freiheiten ergeben sich selbst für alte Hasen neue, aufregende Möglichkeiten in Liebe und Sexualität. Aus "Querdenken" wird "Querficken" – aber das liegt vorrangig daran, dass so manche*r "queer" einfach immer noch nicht so richtig gut aussprechen kann.

Das Ende der Pandemie

Eine Sitzung der Bill-und-Melinda-Gates-Stiftung beschließt Ende November ein Komunique, in dem "die deutsche Entwicklung" ausdrücklich gelobt wird. Viel sei in 2022 erreicht worden, doch seien weitere, mutige Schritte aus der Krise auch andernorts erforderlich.

Die deutsche Bundesregierung habe, resümiert der Text, nur noch mit kleineren lokalen Ausbrüchen des Virus zu kämpfen. Der Rest der Menschen genieße die zurück erhaltene Freiheit und die wirtschaftliche Entwicklung. Auch die menschenrechtliche Offensive "insbesondere im Bereich der Rechte von geschlechtlichen und sexuellen Minderheiten" sei vorbildlich und der psychischen und somatischen Gesundheit der Allgemeinheit förderlich.

Nun müssten sich, so die Stiftung, andere Staaten ein Beispiel an Deutschland nehmen. Das Ziel eines gerechteren, sozialeren und nachhaltigeren Weges in eine Welt nach der Corona-Pandemie, gemäß dem Plan des Weltwirtschaftsforums auch "Great Reset" genannt, sei zum Greifen nahe.

Im Dezember 2022 findet schließlich der Weihnachtsrummel wie zuletzt im Jahr 2019 statt. Die Deutschen kündigen per SMS ihre neuen, gleichgeschlechtlichen Lebenspartner*innen für das Fest bei der Herkunftsfamilie. Und Mama und Mama daheim sind begeistert!

Angst, sich oder gleich die an COPD leidende Großmutter mit dem Coronavirus anzustecken, hat dank der inzwischen herrschenden Herdenimmunität niemand mehr. Jetzt geht es ans Geschenkekaufen.

Nervige Masken müssen dabei auch nicht mehr getragen werden. Und so verwandelt sich so mancher proppenvolle Karstadt in der kalten Jahreszeit zur heißen Cruising-Area, in der sich Menschen zwischen den Regalen mit Pheromonen statt mit Aerosolen beschießen.

Ach wie schön wär's.



#1 HexeAnonym
  • 30.12.2021, 22:01h
  • Ahhh feinste Satire gespickt mit Mutmachern!
    Danke Liebe Queer.de Redaktion, danke für Eure Arbeit und ein frohes neues Jahr!
  • Antworten » | Direktlink »
#2 TinaistgeheiltAnonym
  • 30.12.2021, 22:24h
  • >>> Ach wie schön wär's.
    100% Zustimmung
    Aber Ihr habt die Massenheilung vergessen!
    Der ICD11 soll kommen. Theoretisch sogar schon am 1.1.2022. Auf einen Schlag werden tausende Menschen geheilt. Wahnsinn! Von der F64.0 (psychische Störung) Diagnose zu HA60 (Zustandsform der sexuellen Gesundheit). Ja!!! Über Nacht werden einfach so tausende Menschen geheilt. Ein Wunder! Ein Wunder! Mal abwarten wann es soweit ist. Ich möchte nicht länger als nötig
    psychisch gestört sein!
  • Antworten » | Direktlink »
#3 canadianSarahAnonym