Hauptmenü Accesskey 1 Hauptinhalt 2 Footer 3 Suche 4 Impressum 8 Kontakt 9 Startseite 0
Neu Presse TV-Tipps Termine
© Queer Communications GmbH
https://queer.de/?40811

USA

Trans Menschen müssen öfter hungern

Trans US-Amerikaner*innen erleben drei mal häufiger mangelnde Versorgung mit Lebensmitteln. Armut, Gewalt, aber auch direkte Diskriminierung beim Bezug von Hilfsprogrammen sind der Grund.


Mitarbeiter*innen eines Programms des US-Landwirtschaftsministeriums packen Lebensmittelboxen für Bedürftige in Texas (Bild: U.S. Department of Agriculture / flickr)
  • Von Jeja Klein
    3. Januar 2022, 10:17h, noch kein Kommentar

Da sage noch mal jemand, dass die Thematisierung der Rechte von trans Menschen von Klassenfragen ablenke: Drei mal so oft wie die restliche Bevölkerung erleben transgeschlechtliche US-Amerikaner*innen Hunger, weil sie sich keine Lebensmittel leisten können.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Zählung des Williams Institute an der University of California in Los Angeles. Für die Untersuchung nutzten die Forscher*innen erstmals die regulär zur Unterversorgung mit Lebensmitteln erhobenen Daten, um einen genaueren Blick auf die transgeschlechtliche Bevölkerung zu werfen.

Rassismus und Gewalt weitere Faktoren

Während etwa 8,3 Prozent der US-Amerikaner*innen in der Befragung angaben, in den vergangenen sieben Tagen nicht oder manchmal nicht genug zu Essen gehabt zu haben, lag dieser Wert unter transgeschlechtlichen Bürger*innen bei 25,3 Prozent. Die Befragung fand zwischen Juli und Oktober 2021 statt.

Vergleicht man die Gruppe der transgeschlechtlichen Menschen of Color mit der weißen, cisgeschlechtlichen Bevölkerung, wird der Unterschied sogar noch ein mal größer. So erlebten von der besonders vulnerablen Gruppe 35,8 Prozent eine Unsicherheit in der Versorgung mit Lebensmitteln, während es bei den weißen Cisgeschlechtlichen "nur" sechs Prozent waren.

Während Armut der größte Faktor für das Erleben von Hunger darstellte, sticht jedoch ein weiteres Detail ins Auge. So gaben zwölf Prozent der nicht-transgeschlechtlichen Bevölkerung an, dass sie in der vergangenen Woche Hunger erlebt hatten, weil sie aus Sorge um ihre Sicherheit das Haus nicht verlassen hatten.

Hier muss natürlich die im Erhebungszeitraum relevante Furcht vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus mit einberechnet werden. Doch das rechtfertigt nicht die wesentlich höhere Zahl unter trangeschlechtlichen Bürger*innen von 22 Prozent. Für viele von ihnen ist es schlicht gefährlich, als trans Person auf öffentlichen Straßen unterwegs zu sein – egal, ob auf dem Weg zum Supermarkt, zu einer Berufsausbildung oder zur Lohnarbeit.

Ausgrenzung bei Unterstützungsprogrammen

Als besonderes Problem bei der Lebensmittelunterversorgung identifizierten die Forscher*innen, dass die stark betroffene Gruppe der transgeschlechtlichen US-Amerikaner*innen auch noch überdurchschnittlich selten von einem der nationalen Lebensmittelprogramme profitiert. Von denjenigen, die aufgrund ihres Haushaltseinkommens theoretisch berechtigt gewesen wären, ein Lebensmittelprogramm zu beziehen, taten dies im Untersuchungszeitraum tatsächlich nur 30,7 Prozent der trans US-Amerikaner*innen.

Eine Untersuchung des National Women's Law Center hatte bereits im Oktober 2020 die wahrscheinlichen Gründe dieser Unterversorgung der trans Bevölkerung durch das Lebensmittelprogramm SNAP (Supplemental Nutrition Assistance Program) untersucht. So käme es bei den Mitarbeiter*innen des Programms, auch mangels Fortbildung und Sensibilisierung, zu diskriminierendem Verhalten den Bedürftigen gegenüber.

Diese seien, hieß es weiter, auch aufgrund der in vielen US-Staaten schwierigen Zugänglichkeit zu Namensänderungen und Anpassungen des Geschlechtseintrags auf Ausweisdokumenten besonders gefährdet, attackiert zu werden. In den Staaten Massachusetts und Missouri müssen Bedürftige zudem Portraitfotos auf ihren Berechtigungskarten abdrucken lassen. Das wurde als weitere Barriere für transgeschlechtliche Bedürftige interpretiert. Zudem wirke es als Hindernis, wenn Menschen aufgrund von Sexarbeit Stigmatisierung erlebten.

Ein weiterer, diskriminierender Faktor: Unter der Trump-Regierung wurde die Hürde eingebaut, dass Bedürftige mindestens 20 Stunden pro Woche einer Lohnarbeit nachgehen mussten, um für SNAP berechtigt zu sein. Doch transgeschlechtliche Menschen sind viel häufiger von Entlassungen aufgrund von Diskriminierung sowie von Arbeitslosigkeit betroffen als die Vergleichsbevölkerung. So konnten auch sie nicht mehr von SNAP profitieren.

Neben dem Programm SNAP, das früher als "Food Stamps" bekannt gewesen ist, gibt es noch weitere Lebensmittelprogramme. Diese richten sich, anders als SNAP, an die nicht arbeitsfähigen Bevölkerungsgruppen wie Kinder oder Senior*innen.

Daten, die im Jahr 2009 ebenfalls von der University of California in Los Angeles erhoben worden sind, belegten bereits eine größere Armutsbelastung von homosexuellen Paaren gegenüber heterosexuellen Paaren. Besonders betroffen waren in den zugrundeliegenden, seit dem Jahr 2000 erhobenen Zahlen lesbische Paare (queer.de berichtete).