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Rechtliche Expertise

Asylrecht: Bisexualität oft "zu einem Lifestyle-Anhängsel von Heterosexualität degradiert"

Deutsche Ämter und Gerichte erkennen Bisexualität in Asylverfahren manchmal immer noch nicht als eigenständige sexuelle Orientierung an.


Bisexuelle Aktivist*innen beim CSD San Francisco 2015 (Bild: Thomas Hawk / flickr)

Rechtsanwältin Juliane Linke hat eine von der Schwulenberatung Berlin beauftragte rechtliche Expertise zum Thema "Bisexualität als Fluchtgrund" (PDF) vorgelegt. Darin führt die Berliner Expertin für Migrationsrecht aus, "dass bisexuelle Personen sich auf den Verfolgungsgrund der Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe berufen können". Sie haben also grundsätzlich ein Recht auf Asyl, wenn sie aus Ländern fliehen, die sexuelle Minderheiten einsperren lassen.

Zudem dürften sich deutsche Behörden nicht verlangen, dass sich Bisexuelle in ihren Heimatländern "diskret" verhalten könnten, also ihre sexuelle Orientierung verheimlichen. Dies widerspreche einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2013, nach der EU-Staaten Homosexuellen Asyl gewähren müssten, wenn ihnen in ihrem Heimatland wegen ihrer sexuellen Orientierung Gefängnis droht (queer.de berichtete).

"Ausgangspunkt für die Prüfung der Verfolgungswahrscheinlichkeit muss die offen gelebte sexuelle Orientierung sein", so Linke. "Denn nur so kann der sexuellen Orientierung als zwingend bedeutsamem Bestandteil der Identität eines Menschen angemessen Rechnung getragen werden."

Bisexualität wird als Zusammensetzung von Hetero- und Homosexualität missverstanden

Die Schwulenberatung verwies darauf, dass in den letzten Jahren immer bisexuelle oder pansexuelle Geflüchtete betreue, die mit spezifischen Problemen während des Asylprozesses konfrontiert werden würden. Von Ämtern werde Bisexualität mitunter als eine Zusammensetzung aus Hetero- und Homosexualität missverstanden, zwischen denen die Betroffenen wählen könnten.

"Bisexualität wird damit eine Eigenständigkeit als sexueller Orientierung aberkannt und zu einem Lifestyle-Anhängsel von Heterosexualität degradiert", erklärte Stephan Jäkel von der Schwulenberatung. "Neben einer klischeehaften und diskriminierenden Zuschreibung hat dies für bisexuelle Geflüchtete existenzielle Folgen. Denn Verfolger machen diese Unterscheidung im Zweifelsfall nicht, sondern bestrafen jegliche Abweichung von heteronormativen Lebensweisen." (dk)