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Nuhr im Ersten

Dieter Nuhr würdigte Inter und Enbies herab

Der Komiker Dieter Nuhr sorgt regelmäßig mit seinen Auftritten in der öffentlich-rechtlichen ARD für Kritik. Diesmal hatte es die rechtslastige Spaßkanone auf geschlechtliche Minderheiten abgesehen.


Dieter Nuhr bei einem Auftritt im Jahr 2017 (Bild: Euku / wikipedia)

Der Komiker Dieter Nuhr hat Kritik auf sich gezogen, weil er in seiner in der ARD ausgestrahlten Sendung "Nuhr im Ersten" herabwürdigend über nichtbinäre und intergeschlechtliche Menschen gewitzelt hat.

In der bereits am 21. Dezember ausgestrahlten Sondersendung zum Jahresrückblick geht es unter anderem um geschlechtergerechte Sprache beziehungsweise das "Gendern".

Ironisch schlägt der Komiker vor, die auch "Glottisschlag" genannte Pause beim Sprechen anders auszusprechen, da diese die Menschen nicht gut genug repräsentiere. Seinen "Gegenvorschlag" führt er dann am Wort "Journalist*innen" vor, indem er nach dem "Journalist" und vor dem "innen" lauthals und mit weit aufgerissenen Augen die Nase hochzieht.

Die Botschaft ist klar: Geschlechtliche Minderheiten, die weder Männer noch Frauen bzw. weder Jungs noch Mädchen sind, sind wie überschießendes Nasensekret und damit unangenehm, nervig, ein Ausdruck von Krankheit und gehören entfernt.

Kritik via Twitter

Auf Twitter trendete in der Folge wieder ein mal der Hashtag #Nuhr. Nutzer*innen kritisierten den erneuten Ausfall des Komikers gegenüber geschlechtlichen Minderheiten. Fans hingegen hielten den Kritiker*innen unter dem selben Hashtag ihre angebliche Überempfindlichkeit entgegen und feierten Nuhr. Jedes mal, so ein Kommentar, wenn der Hashtag trende, sei das eine Garantie dafür, dass sich ein besonders gelungener Scherz als Videoschnipsel auf der Plattform finde.

Das sahen die "Überempfindlichen" freilich anders. Zu den Kritiker*innen gehörte auch der Chefredakteur der "Frankfurter Rundschau", Thomas H. Kaspar. Rhetorisch fragte der Journalist noch am Abend der ausgestrahlten Sendung, wie widerlich es bei Nuhr wohl noch werde.

Twitter / Bibliothomas |

Der Publizist und Politologe Andreas Püttmann beklagte sich über die Angriffe durch Rechtsradikale, die man erführe, würde man sich auf der Plattform kritisch zu Dieter Nuhr äußern. So versuchte er aufzuzeigen, bei wem der ARD-Komiker eben auch besonders beliebt sei.

Twitter / Puettmann_Bonn
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Mit Ekel gegen Minderheiten

Nuhr behauptet im fraglichen Sketch, das "Gendern" habe sich im Jahr 2021 "gegen den Willen der Mehrheit" durchgesetzt, und fragt suggestiv: "Aber wen interessiert das?" Tatsächlich ist das Jahr 2021 dasjenige, in dem der seit Jahrzehnten in konservativen, rechten und rechtsradikalen Kreisen anzutreffende Klagegesang über geschlechtergerechte Sprache erstmalig zu Verboten geführt hat.

Die betreffen jedoch nicht, wie gern befürchtet, die Mundart der Mehrheitsgesellschaft. Verbote hagelte es für geschlechtergerechte Abweichungen vom "offiziellen" Deutsch, etwa in Sachsen oder in Schleswig-Holstein. Auch der öffentlich-rechtliche Bayerische Rundfunk erließ im August ein hausinternes Verbot der Sprechweise (queer.de berichtete).

Doch von dieser Faktenlage scheint Nuhr eher unbeeindruckt. Es gäbe "kaum noch eine Sendung im Fernsehen, in der nicht durch einen Schluckauf der Sprecher", erklärt Nuhr hingegen, und schauspielert drei Sekunden lang theatralisch, als müsse er einen großen Kloß herunter schlucken, eine Sprechpause, nur um dann fortzufahren: "*innen demonstriert würde", dass man "gesinnungstechnisch auf der Seite des Fortschritts" sei. Das bedeute auch, nicht auf der Seite des "dummen Publikums" zu sein, dem "das mehrheitlich auf den Sack geht."

Nuhr freue sich immer, fährt er ironisch fort, wenn sich alle "gut" und "repräsentiert" fühlten, wisse nur nicht, ob er die sprachliche Repräsentation einer gesellschaftlichen Gruppe durch eine Pause gut finde.

Dann kommt die Sequenz, die die Kritik hervorgerufen hat. Besser wäre es, witzelt Nuhr da, man würde die Pause durch ein "deutliches Geräusch" ersetzen, "um denen, die sich nicht in das binäre Mann-Frau-Schema einordnen können, lautstark einen Platz zu geben". Dies sollte doch "kein Problem sein für unsere", fährt Nuhr fort, um dann "Journalist" zu sagen, sodann bewusst eklig und aufdringlich die Nase hoch zu ziehen und seinen Ausspruch mit der Feminin-Endung "innen" zu beenden.

Als sich der laute Applaus legt, stellt Nuhr seine Haltung unironisch klar. Er könne beim "Gendern", also der geschlechtergerechten Sprache, nicht "mitmachen", da Sprache ein intuitiver Teil seiner Persönlichkeit sei. Er sei nicht bereit, seine Art zu sprechen "der politischen Opportunität anzupassen". Immerhin lebe man nicht "in 1984".

Doch in dem berühmten Roman von George Orwell ist es eine zugespitzte, totalitäre Regierung, die die Art zu sprechen bis ins kleinste Detail vorgibt. Bei geschlechtergerechter Sprache handelt es sich hingegen um von Frauen sowie von nichtbinären und intergeschlechtlichen Menschen kultivierte und eingeforderte Sprech- und Schreibweisen.

Und staatliche, zumal demokratisch legitimierte Stellen sind in Deutschland bisher nur in eine Richtung vorschreibend vorgegangen, um ihre Vorstellung von korrekter Sprachanwendung durchzusetzen: gegen die geschlechtergerechte Sprache. Von "1984" oder einer (Sprach-)Diktatur zuungunsten der gesellschaftlichen Mehrheit kann angesichts dessen also überhaupt keine Rede sein.

Twitter / Ruebenhorst | Die Videosequenz auf Twitter, gepostet von einem Fan Nuhrs
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Schlechte Deutschkenntnisse

Im Anschluss an die Szene erklärt Nuhr noch in überheblichem Ton, wie die deutsche Sprache angeblich funktioniere. Das Wort "Lehrer" etwa bezeichne "definitiv" nicht einen männlichen Lehrer, und zwar, weil das Wort vom Verb "Lehren" komme.

Aus Verben würde im Deutschen ein "Hauptwort", indem man "die Infinitivendung weglässt" und stattdessen "er" hinten anhänge. Als Beispiele nennt Nuhr "Bohren – Bohrer", "Lutschen – Lutscher" und "Lehren – Lehrer". Das müsse man den Mitarbeiter*innen des Duden, behauptet er, "womöglich mal erklären", denn die seien auch "nicht mehr so sprachfirm". Das Publikum johlt und feiert Nuhrs vermeintliche Germanistikkenntnisse.

Doch schon bei seiner eigenen Profession misslänge das aufgeführte Kunststück. Der "Komiker" kommt nicht vom in Deutschland inexistenten Infinitiv "Komiken", sondern von der Komik. Anders gesagt: So einfach ist es mit der deutschen Sprache eben nicht. Das machte auch jüngst die Redaktion des Duden klar, als sie den Gebrauch des althergebrachten Präfixes "trans-" als indeklinables Adjektiv "trans" aufnahm (queer.de berichtete).

Eine andere Komikerin hat zum Thema "Glottisschlag" in der geschlechtergerechten Sprache im Jahr 2021 eine wesentlich gelassenere Darbietung zum Besten gegeben. In ihrem Song "Alles wird sich gendern (Glottisschlag)", ausgestrahlt im Juni in der Carolin Kebekus Show, macht sich die Komikerin Carolin Kebekus über die Geisteshaltung von Menschen wie ihrem Kollegen Dieter Nuhr lustig (queer.de berichtete).



#1 KaiJAnonym
#2 WikipedierAnonym
  • 03.01.2022, 18:52h
  • Nuhr ist katholischer Ex-Messdiener, (Ex-?)Grüner und Fast-Lehrer für Kunst und Geschichte - lediglich 1. Staatsexamen, also nicht abgeschlossen. Gut, dass er mit seinem mangelhaften Wissen Generationen von Schüler:innen erspart geblieben ist. Solche verbohrten Exemplare gibt es im Schuldienst schon genug.
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#3 LotiAnonym
  • 03.01.2022, 18:57h
  • Ja der Dieter. Ich hab mir diese Sendung auch angesehen und fand es unterirdisch was er da von sich gegeben hat. Ich mag sowieso seine Gäste mehr als sein Gerede. Er soll ja privat ein totaler Ordnungsfreak sein. Aber das bleibt eben auch privat.
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#4 PlattitüdenAnonym
  • 03.01.2022, 19:48h
  • Nuhr ist doch insgesamt eher dürftig. Die mit süffisantem Grinsen vorgetragenen Plattitüden zeigen weder entlarvend gesellschaftliche und politische Missstände auf, noch sind diese für eine schlichte Diskussion brauchbar. Das ZDF hat das bessere Kabarett mit seiner Anstalt.
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#5 HalbLehrerAnonym
#6 OlliAnonym
  • 03.01.2022, 21:54h
  • Meins ist sein Humor auch nicht und er zieht sich manchmal auch an Dingen hoch, die eigentlich unwichtig und nicht erwähnenswert sind. Konservative mögen das toll finden, aber die finden auch nur das toll, was ihnen selbst nicht weh tut.

    Dass er sich die Gender Sprache vornimmt und damit auf fruchtbaren Boden fällt, ist daher zwangsläufig die Folge. Allerdings gehen diverse Leute der LGBTIA*+ Community auch bei jedem noch so schlechten Scherz nicht nur an die Decke, sondern gleich durch den Dachstuhl. Wenn man gendergerechte Sprache wirklich ernst und konsequent anwenden will, wird es in der Tat sehr kompliziert. Mit Komiker*innen oder Schüler*innen, Lernenden und Lehrenden oder Fußballspielenden ist es eben nicht mehr getan. Ein bisschen mehr Gelassenheit täte allen gut. Nicht nur dem Nuhr, sondern auch der "Community", die schon dann keine mehr ist, erfüllt die/der Teilhabende(r) in einer Schwulensauna nicht die erforderlichen körperlichen Merkmale, angefangen beim Alter, über die Größe des Gemächt, bis hin zur Figur. Auch wenn er doch nur Wellness betreiben will...

    Nuhr kann man abschalten und die Leute, die den Typen toll finden, kann man so oder so nicht überzeugen. Ich konnte in den 80ern und frühen 90ern auch keine Schwulenhasser*innen überzeugen. Ignorieren und sich daran erfreuen, wenn sie sich aufregen. Und dann kümmert man sich um echte Probleme.
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#7 AtreusProfil
  • 03.01.2022, 23:03hSÜW
  • Es ist erschütternd und peinlich, aber ich fand ihn früher mal lustig. Habe ihn vor Ewigkeiten live in Ludwigshafen gesehen. Was ich nicht zusammenkriege: war er schon immer so eingestellt und ich zum dumm es zu bemerken oder hat er sich an einem Punkt in seiner Karriere umgewandt und dem menschenfeindlichen Lager angeschlossen?
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#8 Alexander_FAnonym
  • 03.01.2022, 23:27h
  • Mal wieder so einer dieser Halb- und Möchtegernlinken der Nullerjahre, die nun endgültig nach rechts abgedriftet sind. Er, Elsässer, Naidoo...irgendwie steckt da ein Muster hinter. Dieses Jahrzehnt war wohl echt so scheiße, wie ich es in Erinnerung hatte.
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#9 Indigo73Anonym
  • 03.01.2022, 23:35h
  • Nuhr war mir in der Vergangenheit mehrfach wegen LGBT*-feindlichen "Witzen" aufgefallen, und ich hatte ihn daraufhin lange nicht mehr gesehen. Irgendwann im Herbst 2021 bin ich beim Zappen mal dran vorbeigekommen, und prompt kam etwas Transfeindliches, indem er eine TERF-Tante als armes, unschuldiges Opfer dargestellt hat.
    Ich habe an die ARD geschrieben und gefragt, ob das sein muss, dass der Typ sich ständig so auslassen darf. Natürlich kam darauf keine Reaktion.
    Nun also noch so ein Ausfall. Sprich: Der nutzt jeden Auftritt dazu, um irgendwas LGBT*-Feindliches von sich zu geben, denn er macht sich keineswegs nur über Gendersprache oder uns "Transen" lustig.
    Man kann ihn ignorieren - oder wir schreiben alle mal an die ARD. ;)
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#10 StaffelbergblickAnonym
  • 03.01.2022, 23:43h
  • Wer guckt sich denn "Nuhr - im ersten" an??? Nuhr ist nichts anderes als einer jener massenweise auftretenden "Comedians". Egal welche "Witze", "satirischen Beiträge" ... es ist schon sprachlich mit das peinlichste, was es zu sehen und hören gibt. Ich wünsche ihm beim Naserümpfen und Hochziehen einen ordentlich Zug, damit die Nasennenbenhöhlen gut verkleben.
    Das Problem liegt auch darin begraben, dass heute Massen von Zuschauern unfähig sind richtige Kabarett / Satire zubegreifen, zu erkennen.
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