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Berlin

Acht Jahre Haft für Mord an schwulem Pastor

Urteile im Prozess um die Tötung des schwulen Pastors Reinhold Zuber: acht Jahre Jugendstrafe und dreieinhalb Jahre Haft.


Reinhold Zuber starb Ende Juni 2020 (Bild: Polizei Berlin)

Das Landgericht Berlin hat am Montag erste Urteile gegen zwei der drei Verdächtigen im Mordfall Reinhold Zuber verhängt: Der 22-jährige Vandam G. wird laut einem Bericht des "Spiegel" (Bezahlartikel) wegen gemeinschaftlichen Mordes zu einer Jugendstrafe von acht Jahren verurteilt. Der mitangeklagte 25-jährige Cristian-Cosmin C. erhält nach Erwachsenenstrafrecht wegen Raubes dreieinhalb Jahre Haft. Der Prozess gegen den nach den anderen beiden Männern festgenommenen dritten Verdächtigen, den 23-jährigen Vasile B., wird erst später stattfinden. B. soll den Mord mit eigenen Händen verübt haben.

Mit seinem Urteil blieb das Gericht weit unter den Forderungen der Staatsanwaltschaft. Sie hatte lebenslang für den zum Tatzeitpunkt 20-jährigen Vandam G. gefordert sowie zwölf Jahre Haft wegen Raubes mit Todesfolge für Cristian-Cosmin C. Die Verteidigung von Vandam G. hatte lediglich eine Verurteilung wegen Beihilfe zum Totschlag verlangt. Cristian-Cosmin C.s Verteidigung beantragte Freispruch.

Rückblick: Das 77-jährige Opfer hatte bis 1983 als Stadtmissionar für die evangelische Landeskirche in Berlin-Schöneberg gearbeitet. Der Mann wurde am 4. Juli 2020 tot in seiner Wohnung im Ortsteil Moabit entdeckt (queer.de berichtete). Nachbar*innen erklärten, dass Zuber offen mit seiner Homosexualität umgegangen sei und regelmäßig junge Männer zu Besuch gehabt habe. Schließlich nahm die Polizei Mitte August in Rumänien zwei junge Männer fest, die mit dem Pastor eine Beziehung unterhalten haben soll (queer.de berichtete). Im Frühjahr startete der Prozess gegen die beiden (queer.de berichtete). Die Staatsanwaltschaft warf ihnen vor, aus Habgier und in Verdeckungsabsicht den Pastor getötet zu haben.

Spätes Teilgeständnis

Im Prozess sagte Vandam G. nach sechsmonatigem Prozess im Oktober aus, dass Vasile B., der ebenfalls in Berlin-Schöneberg als Sexarbeiter tätig gewesen sein soll, in der Tatnacht mit ihm in der Wohnung des Pastors gewesen sei. Es sei zum Streit gekommen, weil Vandam G. angeblich nicht den Wunsch des Pastors nach Oralsex erfüllen wollte (queer.de berichtete). Vasile B. stellte sich im November der Polizei.

Das Gericht zeigte sich nach dem neunmonatigen Prozess überzeugt, dass Vandam G. und Vasile B. am 30. Juni 2020 in die Wohnung des Opfers eindrangen. Cristian-Cosmin C. sei nicht dabei gewesen, habe die Tat aber geplant. Er soll das Opfer seit 2019 gekannt haben – der Pastor habe ihm unter anderem 40.000 Euro geschenkt, damit der Rumäne ein Haus in seinem Heimatland kaufen könne. Nach einem epileptischen Anfall des späteren Opfers habe er offenbar Angst bekommen, dass seine Geldquelle versiegt.

Deshalb habe er die anderen beiden jungen Männer in seinen Raub-Plan eingeweiht. "Ohne den Angeklagten C. wäre es nicht zu der Tat gekommen", stand für das Gericht fest. "Nur er wusste oder vermutete, dass es in der Wohnung etwas geben könnte." Das Gericht wertete es aber als strafmildernd, dass er den Tod des Opfers nicht gewollt habe. Bei Vandam G. habe sich das Teilgeständnis strafmildernd ausgewirkt – außerdem folgte das Gericht der Ansicht der Jugendgerichtshilfe und eines forensischen Psychiaters, dass der junge Mann nach Jugendstrafrecht verurteilt werden solle.

Im Flur vor der Wohnung des Opfers sei es zum Kampf gekommen, offenbar weil der Pastor keine Verstecke für sein Geld nennen wollte, so das Gericht. Vasile B. soll den Senior dann mit einem Geschirrhandtuch geknebelt und mit einem Kissen erstickt haben. "Ein sehr qualvoller Tod", so Richterin Susanne Pfefferkorn. Zuber habe sich demnach heftig gewehrt. Vandam G., so erklärte sie weiter, müsse seinem Komplizen "zumindest" geholfen haben, den wehrlosen Mann festzuhalten. An einem späteren Tag habe Cristian-Cosmin C. dann die Altbauwohnung durchsucht – und dabei etwa Dielen aus der Verankerung gerissen und die Wohnung teilweise verwüstet, worauf DNA-Funde schließen ließen.

Das Gericht ging nicht davon aus, dass es beim Besuch der beiden Angeklagten um Sex ging. Sie seien nur gekommen, um ihr Opfer auszurauben.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (cw)



#1 SWATklinNZProfil
  • 04.01.2022, 10:59hAhipara
  • Dass es eventuell um Sex ging, nicht dementsprechend zu verschwerpunkten, dürfte da die Urteile nicht gemildert haben. Hätte man den Sex als Ursache des Geschehens, und nicht den Raub hergenommen, wäre die Frage um Einvernehmlichkeit in den Fokus gerückt, und die Mörder wären noch glimpflicher davon gekommen. Also schon richtig, die hatten das auf sein ganzes Geld abgesehen, nachdem er so ein leichtsinniges Versprechen an den einen gab, den er doch erst recht kurz gekannt haben kann.

    Vielleicht sollte man sich auch informieren, warum aus bestimmten Ländern so viele junge menschen in Sexarbeit gehen, und was die eventuell vorher oder nebenbei so alles machen. Perspektivlosigkeit alleine wird wohl meist nicht dahinterstecken.
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#2 moritz99Anonym
#3 YomenAnonym
  • 04.01.2022, 14:39h
  • Mir tut es um Reinhold so unfassbar leid! Ich behalte ihn als einen äußerst liebenswerten Menschen in Erinnerung!
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#4 AtreusProfil
  • 05.01.2022, 09:31hSÜW
  • Ich finde es sehr erstaunlich, was alles möglich ist, ja sogar die Festnahme von Beschuldigten in Rumänien, und was hingegen alles nicht möglich ist, wenn es sich nicht um Exzellenzen und Mitglieder des Machtapparates der christlichen Kirchen Deutschlands handelt, bspwl. zangsverheiratete Schwule oder Verschleppte.

    Neben dem Frust über die Ungleichheit in der Strafverfolgung und Rechtsprechung bleibt doch etwas Genugtuung und Freude zurück, dass dieses schreckliche Verbrechen gesühnt wird. Auch wenn das Maß wie übrlich lächerlich gering ausfällt, wenn man sich vergegenwärtigt, dass ein Steuerhinterzieher bei schwerem Fall 10 Jahre bekommt. Allerdings verstehe ich auch, dass man einen Pastor nur schlecht für 5% an Griechenland verleihen kann und seinen Ersatz für 0% bei der Hausbank. Geld ist eben wertvoller als ein Menschenleben.

    Mein Beileid gilt den Hinterbliebenen und Freunden des Pastors, die nun, so meine Hoffnung, mit dem Heilungsprozess beginnen können.
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